Neue Anti-Geldwäsche-Regeln erhöhen Aufwand der Banken um bis zu 30%
Der neue EU-Regulator Amla baut seinen Apparat auf und das EU-Regelwerk zur Antigeldwäsche steht vor der Einführung. Auf die Branche kommt damit absehbar eine neue Last zu.

Die neuen Regeln zur Prävention von Geldwäsche und anderen Finanzstraftaten kommen die Finanzbranche teuer zu stehen. Die Kosten für Banken, Assetmanager und Versicherer dürften in diesem Bereich „um ungefähr 30% steigen“, wie Tamara Braun, Senior Managerin für Compliance und nicht-finanzielle Risiken der Beratungsgesellschaft Zeb, gegenüber PLATOW schätzt. Sie bezieht sich dabei auf die EU-Verordnung AMLR, die im Juli 2027 in Kraft tritt, sowie auf die Vorgaben der neuen EU-Behörde Amla. Erst vor wenigen Tagen präzisierte die neue Institution mit Sitz in Frankfurt weitere Regeln in technischen Regulierungsstandards.
Drei Kostentreiber fallen ins Auge: Erstens müssen Finanzadressen ihre KYC‑Daten – das Kürzel steht für „Know Your Customer“ – spätestens alle fünf Jahre aktualisieren. Das ist gerade für Firmenkunden, die eine zweistellige Zahl an Dokumenten einreichen müssen, besonders aufwendig. Bei Hochrisiko-Kunden liegt die Frist bei einem Jahr. Zweitens müssen Banken künftig mehr Informationen von ihren Kunden abfragen. Das gilt etwa für betuchte Privatkunden mit mehr als 5 Mio. Euro Vermögen, die plötzlich über die Herkunft der Mittel Auskunft geben müssen, oder aber für Angehörige von politisch exponierten Personen. Drittens reicht es künftig nicht mehr, das Risiko von Geldwäsche und Finanzkriminalität nur noch qualitativ zu schätzen. Die Aufsicht dürfte stattdessen Wert auf belastbare Daten legen, was neue Rollenbilder und Prozesse in den Geldhäusern nach sich zieht.
Auch kleine Banken betroffen
Zwar stellt die deutsche Finanzaufsicht den hiesigen Banken in anderen Themengebieten eine Entlastung in Aussicht – eine schlankere, weniger detaillierte MaRisk, die Idee eines Kleinbankenregimes, weniger Abfragen in aufsichtlichen Stresstests und einiges mehr haben Bafin und Bundesbank bereits auf den Weg gebracht. In der Geldwäscheprävention dürfte der Aufwand für die Finanzbranche allerdings zunehmen: Während die Amla im kommenden Jahr festlegt, welche 40 großen und exponierten Banken und Finanzfirmen sie künftig selbst beaufsichtigt, wird sie die nationalen Aufseher zur Kontrolle der kleinen und mittelgroßen Finanzadressen aufrufen. Allerdings stellt die Amla auch eine „vereinfachte“ Prüfung von Kunden in Aussicht, sofern ein geringes Geldwäsche-Risiko vorhanden ist. Dafür trifft sich die Behörde im November und Dezember mit Industrievertretern und anderen Akteuren.
Bis sich die neue Praxis zur Prävention etabliert, dürfte allerdings noch viel Wasser den Main hinabfließen: Bis Mitte 2027, so ist zu hören, lassen sich längst nicht alle Prozesse von Anfang bis Ende vollständig aufstellen. Vieles sei stattdessen Stückwerk, ehe sich nach und nach ein neues System forme. Die gute Nachricht: Ob die Institute tatsächlich 30% mehr bezahlen, ist ebenfalls nicht sicher. Zeb-Expertin Braun, typisch Unternehmensberaterin, zeigt sich optimistisch: „Wenn Finanzunternehmen ihre Prozesse effizienter aufstellen, fällt der Kostenzuwachs geringer aus.“