Eine „starke regionale Verwurzelung“ gehöre zum gemeinsamen Selbstverständnis, beteuern die Volksbank Lüneburger Heide, die Bremische Volksbank Weser-Wümme und die Volksbank Uelzen-Salzwedel zu Beginn ihrer Fusionsgespräche. Das ist relativ, denn die Wurzeln reichen nach einer erhofften Fusion zur Volksbank Bremen Lüneburger Heide künftig denkbar weit: 206 Straßenkilometer liegen zwischen der Filiale im Bremer Stadtteil Kirchhuchting im Westen und der Filiale in Salzwedel im Osten. Im Norden grenzt die künftige Bank mit der Filiale in Neu Wulmstorf an Hamburg. Sollte die Dreierfusion glücken, entstünde eine der größten Volksbanken in der Fläche. Die jüngsten Dreierkonstrukte in der genossenschaftlichen Finanzgruppe, die Volksbank Zollernalb im Süden und die Volksbank Jade-Weser im Norden, bedienen hingegen jeweils eine überschaubare Region.

So groß und doch so klein

Doch relativ zur Fläche ist die geplante Bank auffällig klein. Denn die Bilanzsumme läge bei rund 8 Mrd. Euro. Davon bringt die Volksbank Lüneburger Heide mit 4,3 Mrd. Euro den größten Brocken ein, gefolgt von dem Institut in Bremen mit 2,6 Mrd. Euro, während Uelzen auf 1,1 Mrd. Euro kommt. In der Liste aller genossenschaftlichen Primärbanken stünde das Haus damit aktuell auf Platz 26, ungefähr gleichauf mit der Wiesbadener Volksbank. Andere Flächeninstitute wie die Volksbank Mittelhessen, die Gestalterbank im Südwesten oder die Volksbank Darmstadt Mainz sind nach Bilanzsumme jeweils deutlich größer, obwohl die äußersten Filialen hier nicht ganz so weit auseinander liegen wie beim geplanten Institut.

Eine mäßige Bilanzsumme verteilt auf großer Fläche: Das ist nicht nur Ergebnis einer ländlichen Prägung der Region. Die Bremische Volksbank Weser-Wümme ist im Vergleich zur Sparkasse Bremen, die eine Bilanzsumme von 15,3 Mrd. Euro ausweist, nur klein. Ohne ein Gravitationszentrum in Bremen ist auch die Frage des Firmensitzes heikel. Die drei Partner haben sich vorerst auf einen Doppelsitz verständigt, wozu neben Bremen die Stadt Winsen zählt, der heutige Sitz der Volksbank Lüneburger Heide. In Buchholz, Soltau, Sottrum und Uelzen soll es „Volksbankhäuser in den Regionen“ geben. Außerdem sollen „Regionalräte“ die Bank mit ihren 124.000 Mitgliedern vor Ort verankern. Die Rede ist von „regionalen Aktivitäten, Förderprojekten und Feedbackformaten“.

Machtzentrum Lüneburger Heide

In Vorstand und Aufsichtsrat der fusionierten Bank sollen Vertreter aus allen drei Fusionspartnern berufen werden. Das klingt nach Proporz, dabei ist das Machtzentrum klar: Ulrich Stock, Vorstandssprecher der Volksbank Lüneburger Heide, ist als Chef der größten Partnerin vermutlich auch künftig die Nummer 1. Ohnehin hat der 46-Jährige noch einen Großteil seines Berufslebens vor sich. Auch sein Vorstandskollege Manuel Harmening (43) dürfte noch Ambitionen hegen.

Die vierköpfige Führungsspitze in Bremen steht derweil unter Druck, alsbald einen Generationswechsel zu vollziehen. Mit 58 Jahren ist Ulf Brothuhn der jüngste Vorstand, nach Matthias Dittrich (59), Detlev Herrmann (60) und Stefan Hunsche (61). Dieser Vorstand wird die fusionierte Bank also nicht mehr auf lange Sicht gestalten.  Die Volksbank Uelzen-Salzwedel um Matthias Gericke (58) und Carsten Mielke (56) ist zu klein, um die künftige Führung wesentlich zu prägen. Wertabschläge im Kreditgeschäft mit Bauträgern festigen die Verhandlungsmacht der kleinsten Partnerin ebenfalls nicht. Die Banken legen sich nicht fest. Ein Zieldatum gibt es nicht. Eine Fusion ist noch nicht final beschlossen.

Von wegen klein und regional

Während Sparkassen an Stadt- und Kreisgrenzen gebunden sind und Fusionen leicht an politischen Befindlichkeiten scheitern, sind die Kreditgenossenschaften bekanntlich nicht auf eine Region beschränkt. Die Volksbank Bremen Lüneburger Heide würde sogar noch größere Distanzen überbrücken als die Mittelbrandenburgische Sparkasse, das größte Flächeninstitut der Sparkassen. Klein und regional sind viele Volksbanken schon lange nicht mehr.