Nord/LB-Eigner uneins über Wiederaufnahme der Dividende
Niedersachsens Sparkassenfürst Bockhop sieht eine Wiederaufnahme der Dividende bei der Nord/LB skeptisch. Er will den Gewinn für schlechte Zeiten lieber einbehalten. Ist dennoch ein Kompromiss möglich?

Liebend gern würde Nord/LB-Chef Jörg Frischholz auf seiner Bilanz-PK am 19.3. neben guten Zahlen auch erstmals seit der Rettung des Instituts wieder eine Dividende ankündigen. Allerdings ist es fraglich, ob sich die Nord/LB-Eigner bis dahin schon auf einen gemeinsamen Dividendenvorschlag einigen können. Denn im Eigentümerkreis regt sich Widerstand gegen eine Ausschüttung. Auf seiner Jahres-PK in Hannover machte Niedersachsens Sparkassen-Präsident Cord Bockhop keinen Hehl daraus, dass er es lieber sehen würde, wenn das Eigenkapital in der Bank bleibt, um für „schlechte Zeiten“ oder „neue Herausforderungen“, etwa durch die Regulatoren, gewappnet zu sein. Bockhop stellte zwar klar, dass es sich dabei um seine persönliche Meinung handelt, doch als Präsident des Heimatverbands der Nord/LB hat sein Wort Gewicht.
Bereits vor einem Jahr hatte der damals erst frisch ins Amt gekommene Regionalfürst durch eine apodiktische öffentliche Vorfestlegung, der die anderen Träger mehr oder weniger zähneknirschend gefolgt sind, Frischholz‘ Dividendenpläne durchkreuzt. Diesmal scheint die Stimmung jedoch eher in Richtung einer Ausschüttung zu tendieren, auch wenn sich die anderen Nord/LB-Eigentümer bei dem Thema noch extrem zugeknöpft geben. Käme ein erneuter Ausschüttungsverzicht doch fast schon einem Affront gegen Frischholz gleich, der sein erfolgreiches Sanierungswerk gerne mit der Wiederaufnahme der Dividendenzahlung krönen würde. Mit dem Finanzplatz-Briefing erhalten Sie dreimal pro Woche um 6 Uhr morgens exklusive Einblicke, die Sie sonst nirgendwo finden: Recherchen, Analysen, Einordnungen. Kurz und auf den Punkt. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie hier.PLATOW Finanzplatz-Briefing
HGB-Abschluss maßgeblich
Maßgeblich für die Dividendenfähigkeit der Nord/LB, die Frischholz schon für das Geschäftsjahr 2024 festgestellt hat, ist der HGB-Abschluss der Bank. Für 2024 wies die Nord/LB nach HGB einen Jahresüberschuss von 434 Mio. Euro aus. Nach Abzug der Verlustvorträge von 334 Mio. Euro ergab sich ein Dividenden-Potenzial von immerhin bis zu 100 Mio. Euro. Die Verlustvorträge dürften mittlerweile jedoch weitgehend verdaut sein. Zudem deutet alles auf eine abermalige Gewinnsteigerung im vergangenen Jahr hin, sodass sich das Dividenden-Potenzial für 2025 trotz einer höheren Steuerquote spürbar vergrößert haben dürfte.
Für einen Dividenden-Beschluss wird bei der Nord/LB eine Mehrheit von 80% benötigt. Der Sparkassenverband Niedersachsen (SVN) hält 8,88% an der Nord/LB. Mit weitem Abstand größter Anteilseigner ist das Land Niedersachsen mit gut 58, gefolgt von den Fides-Beteiligungsgesellschaften der bundesdeutschen Sparkassen und der Landesbanken mit jeweils 11,89%. Insbesondere die beiden Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt (6,22%) dürften angesichts leerer Kassen an einem Geldsegen aus der Nord/LB interessiert sein.
Kompromiss-Lösung wahrscheinlich
Da ein offener Dividenden-Eklat weder im Sinne der Eigentümer noch der Nord/LB sein kann, dürfte es am Ende auf einen Kompromiss mit einer eher symbolischen Dividende hinauslaufen. Mit dem Hinweis, seine Dividenden-Skepsis sei lediglich seine persönliche Meinung, hat sich Bockhop denn auch ein Hintertürchen für die Zustimmung zu einem Kompromiss offengelassen. Spannend dürfte jedoch werden, ob sich die Eigentümer bereits bis zur Bilanz-PK der Nord/LB zu einer Einigung durchringen können oder erst zu einem späteren Zeitpunkt über die Dividende entscheiden.