Sparkasse Rhein-Nahe gibt nach Sanierungsjahr keine Entwarnung
Nach drei Jahren mit harten Einschnitten legt sich die Sparkasse nicht auf ein Gewinnversprechen fest. Auch wenn sich die Lage aufhellt, bleibt der Vorstand vorsichtig.

Die Sparkasse Rhein-Nahe – nicht zu verwechseln mit der Sparkasse Rhein Neckar Nord aus unserem Bericht hier – stimmt nach mehreren Sanierungsjahren auf weitere Unruhe ein. Zwar soll die Risikovorsorge im Kreditgeschäft nach 45,0 Mio. Euro im Jahr 2025 im laufenden Jahr auf 20,7 Mio. Euro sinken, schreibt die Sparkasse im Prognosebericht des uns vorliegenden Jahresabschlusses. Zugleich spricht das Geldhaus mit Sitz in Bad Kreuznach von erneut hoher Unsicherheit für die Kreditrisikovorsorge, vermeidet eine Prognose für das Beteiligungsergebnis und stellt keinen Gewinn in Aussicht. Immerhin verspricht das Institut das Minimum: Die Risikotragfähigkeit und die Einhaltung aller bankaufsichtsrechtlichen Kennziffern würden durchgängig gewährleistet.
Damit zeigt sich Vorstandschef Holger Wessling überraschend vorsichtig, nachdem der Manager im Dezember im Gespräch mit PLATOW noch auf eine Besserung eingestimmt hatte. Nach einem weiteren operativen Verlustjahr im Jahr 2025 sah er das Institut zugleich „in der späten Phase der finanziellen Sanierung“, wie er uns damals sagte. Böse Überraschungen blieben immerhin aus, wie das Institut auf Nachfrage deutlich macht. „Für das Geschäftsjahr 2026 liegen uns bisher keine Erkenntnisse vor, die eine wesentliche Abweichung von unserem geplanten Ergebnis erwarten lassen.“
Tief gefallen . . .
Die Sparkasse hatte über Immobilienbeteiligungen und „strukturierte Finanzierungen“ einst ein großes Rad gedreht. Sie gründete mehrere Gesellschaften mit Projektentwicklern, pumpte offenbar viel Geld in die Entwicklung des „Boulevard Lu“, einer Gebäudegruppe inklusive einer ehemaligen Karstadt-Filiale in der Innenstadt in Mainz, und suchte den Schulterschluss mit anderen Sparkassen und Volksbanken für großvolumige Finanzierungen. Nach der Zinswende geriet die Sparkasse unter Druck. Mitte 2023 kam Wessling von der genossenschaftlichen apoBank nach Bad Kreuznach und folgte auf Peter Scholten, der in den Ruhestand wechselte.
Seither folgte ein Sanierungsjahr auf das nächste. Weil die Sparkasse auch Beteiligungen wertberichtigte und über Wertpapiere nur geringe Zugewinne erzielte, entstand 2025 ein Bewertungsverlust von 71,9 Mio. Euro. Hinzu kommen weitere, nicht explizit bezifferte Vorsorgereserven in einem Abbauportfolio. Daher schöpfte die Bank aus dem Fonds für allgemeine Bankrisiken weitere 58,5 Mio. Euro ab und profitierte obendrein von einer Steuergutschrift von 18,3 Mio. Euro. Unterm Strich reichte das für ein Ergebnis leicht über Null. Zuvor war bereits das Jahr 2023 mit tiefen Einschlägen aufgefallen, während die Turbulenzen im Jahr 2024 etwas abnahmen. Der Bewertungsverlust summiert sich über drei Jahre hinweg auf 240 Mio. Euro.
. . . aber kein Sanierungsfall
Die Kapitalausstattung reicht aber bislang aus. Mehr noch: Die Gesamtkapitalquote verbesserte sich im vergangenen Jahr sogar leicht von 15,9% auf 16,7% und soll tendenziell weiter steigen. Denn während die Sparkasse einerseits Kapital verzehrte, baute sie auf der anderen Seite ihre Risikopositionen ab. Der Kreditbestand schrumpfte um 540 Mio. Euro auf 3,2 Mrd. Euro, die Bilanzsumme gab um 281 Mio. Euro auf 5,1 Mrd. Euro nach. Die Sparkasse pflegt ein 350 Mio. Euro schweres Exitportfolio, in dem Immobilienprojekte und großvolumige Finanzierungen enthalten sind. Bis zum Jahr 2030 sollen die Positionen weitgehend abgebaut werden. Mögen die Zahlen auch schwindelerregend sein: Ein Sanierungsfall ist die Sparkasse nicht. Und nach wiederholter Risikovorsorge sieht sich die Sparkasse für weitere Ausfälle „gut gerüstet“.
Bleiben tiefe Einschnitte diesmal aus, könnte die Sparkasse wieder einen gewöhnlichen Gewinn schreiben: Denn mit einer erwarteten Aufwand-Ertrag-Relation von 69,9% ist das Institut zwar eher schwach, aber doch profitabel aufgestellt. Das Betriebsergebnis vor Bewertung soll 37,5 Mio. Euro erreichen. Doch Wessling will offenbar lieber nicht zu viel versprechen. Schließlich fällt die Sparkasse offenbar auch im Risikomonitoring des Sparkassenverbands Rheinland-Pfalz auf. Über die konkrete Einstufung schweigt der Geschäftsbericht, doch ermutigend ist die Passage nicht. „Insgesamt beurteilen wir unsere Risikolage als anspruchsvoll“, schreibt die Sparkasse.