VÖB – Muss Frischholz ran?
Der VÖB muss sich einen neuen Präsidenten suchen. Amtsinhaber Thomas Groß hört im Oktober 2027 bei der Helaba auf. Warum das Los auf den Nord/LB-Chef fallen könnte.

Die Rückzugsankündigung von Helaba-Chef Thomas Groß nötigt zugleich auch den VÖB, sich nach einem neuen Präsidenten umzusehen. Groß steht erst seit November 2025 an der Spitze des blauen Verbands. Seine dreijährige Amtszeit läuft regulär noch bis November 2028. Das Ehrenamt beim VÖB ist jedoch an eine aktive Vorstandstätigkeit bei einem Mitgliedsinstitut gekoppelt. Groß will die Helaba mit Ablauf seines aktuellen Vertrags im Oktober 2027 verlassen und in den Ruhestand gehen.
Weichenstellung in Bangkok?
Erste Sondierungsgespräche zur Regelung der Nachfolge an der VÖB-Spitze könnten bereits am Rande der IWF-Jahrestagung in Bangkok in dieser Woche stattfinden. Dort werden die meisten Landesbanken-Chefs vor Ort sein. DSGV-Präsident Ulrich Reuter, der von Amts wegen dem VÖB-Gesamtvorstand angehört, wird ebenso in Bangkok sein wie VÖB-Hauptgeschäftsführerin Iris Bethge-Krauß.
Gewählt wird der Präsident von der VÖB-Mitgliederversammlung, die üblicherweise im November stattfindet. Bleibt Groß dem Verband noch bis zum Ende seiner Amtszeit bei der Helaba erhalten, könnte für die kurze Übergangszeit bis zur Mitgliederversammlung im November 2027 VÖB-Vizepräsident Erk Westermann-Lammers, im Hauptberuf Vorstandschef der Investitionsbank Schleswig-Holstein, die Aufgaben des Präsidenten übernehmen.
Landesbanken haben faktisches Vorschlagsrecht
Eine ähnliche Situation gab es schon einmal, als im Februar 2019 der damalige BayernLB-Chef Johannes-Jörg Riegler nach einem Streit um seine Vertragsverlängerung die Bank verließ und auch seinen Posten als VÖB-Präsident abgeben musste. Bis zur Wahl des Förderbankers Eckhard Forst (NRW.Bank) auf einer Sonder-Mitgliederversammlung im Mai 2019 zum neuen VÖB-Präsidenten führte der damalige Vizepräsident Otto Beierl (LfA) den Verband.
Damit hätte der VÖB noch genügend Zeit, einen Nachfolger für Groß zu finden. Traditionell wird der blaue Verband von einem Landesbank-Chef geführt, dem als Vize ein Förderbanker zur Seite steht. Zuletzt gestaltete sich die Kandidaten-Suche jedoch schwierig, da die Auswahl aus dem Landesbanken-Lager sehr überschaubar ist. Nach Rieglers abruptem Abgang übernahm mit dem damaligen NRW.Bank-Chef Forst sogar ein Förderbanker den Präsidentenstuhl, weil Wunschkandidat Rainer Neske (LBBW) nicht wollte und die anderen Landesbanken-Chefs gerade unpässlich waren. Auch bei der Forst-Nachfolge galt der LBBW-Chef als Favorit, überließ aber dankend Groß den Vortritt. Dabei soll es damals schon Stimmen im VÖB gegeben haben, die Zweifel hegten, ob Groß überhaupt für die gesamte Amtszeit zur Verfügung steht.
Was für Frischholz spricht
Diesmal dürfte die Auswahl kaum größer sein. Der künftige Helaba-Chef muss sich erst einmal in seinen neuen Job einarbeiten. BayernLB-Lenker Stephan Winkelmeier verfügt als Vorsitzender der Girozentralleiter bereits über ein wichtiges Ehrenamt, für das er noch bis Ende 2027 gewählt ist. Winkelmeiers Vertrag bei der BayernLB läuft noch bis Ende Juni 2029. Neske, der am Mittwoch seinen 62. Geburtstag feierte und bei der LBBW noch bis Ende Juni 2031 unter Vertrag steht, hat dem VÖB bekanntlich schon zweimal einen Korb gegeben.
Bleibt aus dem Kreis der Landesbanken-Chefs noch Nord/LB-Chef Jörg Frischholz. Der galt bislang jedoch als wenig präsidiabel, da die Nord/LB trotz ihrer zuletzt sehr positiven Geschäftsentwicklung noch immer den Makel mit sich herumschleppt, dass sie bei der DSGV-Sicherungseinrichtung formal weiterhin als Stützungsfall geführt wird. Allerdings hat der DSGV jüngst in Aussicht gestellt, diesen Status bis Jahresende aufzuheben. Dann wäre die Nord/LB auch offiziell wieder eine ganz normale Landesbank. Mit gerade einmal 50 Jahren ist Frischholz der mit Abstand jüngste amtierende Vorstandschef einer Landesbank. Damit könnte Frischholz deutlich mehr als nur eine Amtszeit an der VÖB-Spitze stehen. Der VÖB lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme hierzu ab.