Es war vielleicht nicht die schlauste Idee von Volksbank Brawo-Chef Jürgen Brinkmann, sich in einer internen E-Mail den ehemaligen JITpay-Geschäftsführer Daniel Steinke zur Brust zu nehmen. Steinke liefert sich seit Monaten über LinkedIn eine Fehde mit Brinkmann. Dabei nimmt er vor allem das undurchsichtige Beteiligungsgeflecht der Volksbank Brawo mit ihren 400 Tochterunternehmen, zu denen auch JITpay gehört, regelmäßig aufs Korn.

Am Donnerstag (18.12.) verhandelte das Landgericht Braunschweig über Anträge Steinkes auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung gegen den Brawo-Vorstand wegen angeblicher Falschaussagen in Brinkmanns interner E-Mail. Zuvor hatten Brinkmann und sein Vorstandskollege Lars Berkefeld bereits Unterlassungserklärungen zu zwei Aussagen in der E-Mail unterzeichnet. Vor Gericht forderte Steinke Unterlassungserklärungen für drei weitere Behauptungen. Nach unseren Informationen wurde das vom Landgericht jedoch abgelehnt. Auch die Verfahrenskosten (10.000 Euro) muss Steinke übernehmen. Die Brawo wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Bei JITpay bis zu 20 Mio. Euro im Feuer

Doch das ist bei Weitem nicht der einzige Kummer, den die im April 2024 in einer Notoperation vollständig übernommene JITpay der Volksbank Brawo bereitet. Nur wenige Monate später musste das Factoring-Startup für Transportunternehmen Insolvenz anmelden. Im Oktober 2025 stellte JITpay auch das operative Geschäft ein. 15 Mio. bis 20 Mio. Euro soll die Brawo bei der havarierten JITpay im Feuer haben.

Die komplexe bilanzielle Verarbeitung der nach unseren Informationen komplett abgeschriebenen JITpay-Beteiligung soll auch der Grund dafür sein, dass der Konzernabschluss 2024 der Volksbank Brawo, der auch die Beteiligungen umfasst, noch immer nicht fertiggestellt ist. Im Februar oder März soll die Konzernbilanz dann endlich vorliegen. Da das ebenfalls kritisch beäugte Immobiliengeschäft der Volksbank Brawo bereits im seit Monaten vorliegenden Einzelabschluss der Bank für 2024 verarbeitet wurde, dürfte sich das Überraschungspotenzial der Konzernbilanz in Grenzen halten. Auch dazu wollte sich die Bank nicht äußern.

Ueberschär steigt in Vorstand auf

Kurz vor Weihnachten hat der Aufsichtsrat der Brawo den bisherigen Generalbevollmächtigten Carsten Ueberschär mit Wirkung zum 1.1.2026 zum Vorstand berufen. Der gebürtige Braunschweiger arbeitet seit 2014 für die Volksbank Brawo und ist in der Region tief verwurzelt. In seiner neuen Funktion wird Ueberschär die Verantwortung für sämtliche Vertriebsaktivitäten und das Produktportfolio der Brawo übernehmen.

Um den neuen Vorstand vorzustellen, hat die Pressestelle auf der Brawo-Hompage ein langes Interview (21 Fragen) mit Ueberschär eingestellt, in dem er auch einige Einblicke in sein Privatleben gewährt. So berichtet Ueberschär, dass er ein „extremer Frühaufsteher“ sei, der aber auch gerne mit der Familie und Freunden in eine Braunschweiger Eck-Kneipe geht und dort ein „leckeres Wolters Premium“ trinkt.