Auf den ersten Blick sah es wie eine geschickte PR-Strategie aus, um den harschen BaFin-Rüffel durch eine spektakuläre Personalie in den Hintergrund zu drücken. Nur wenige Stunden nachdem die BaFin ein umfangreiches Strafpaket (Sonderbeauftragter, zusätzliche Eigenmittel, kein Hypotheken-Neugeschäft mehr in den Niederlanden) gegen die Neobank verkündete, präsentierte N26 den bisherigen UBS-Technologievorstand Mike Dargan als neuen Allein-Vorstandschef. Doch von einer von langer Hand vorbereiteten Kommunikationsstrategie kann wohl keine Rede sein. Vielmehr drohte die Personalie in Zürich oder London vorzeitig durchzusickern. Dem wollte N26 unbedingt zuvorkommen.

Unklare Machtverhältnisse waren Knof zu heikel

Der Brite soll schon länger weit oben auf dem Zettel der eingeschalteten Personalberatung Russell Reynolds gestanden haben. Doch im Rennen um die Nachfolge der amtierenden Co-Chefs Maximilian Tayenthal und Marcus Mosen soll Dargan prominente Konkurrenz gehabt haben. Nach unseren Informationen soll sich N26 auch um ein Engagement des ehemaligen Commerzbank-Chefs Manfred Knof bemüht haben. Angesichts der ungeklärten Machtverhältnisse bei N26 und der taktischen Winkelzüge der beiden Gründer Valentin Stalf und Tayenthal soll Knof der Neobank jedoch abgesagt haben.

Tayenthal lässt Rückzugstermin offen

An der verworrenen Situation bei N26 hat sich seither nur wenig geändert. Noch immer ist die Investorenvereinbarung von den Gründern nicht unterzeichnet. Kritiker werfen ihnen deshalb vor, sie hätten das ganze Institut in „Geiselhaft“ genommen, um in den Verhandlungen mit den Investoren ihre Privilegien möglichst weitgehend zu retten. Umso erstaunlicher, dass sich ein gestandener Top-Manager wie Dargan, anders als Knof, daran nicht zu stören scheint. Seinen neuen Posten bei N26 soll Dargan Anfang April 2026 antreten.

In der offiziellen Mitteilung zu Dargans Ernennung zum alleinigen N26-Chef kündigt Tayenthal zwar seinen Rücktritt an, ohne sich jedoch auf einen konkreten Zeitpunkt festzulegen. In der Investorenvereinbarung ist nach unseren Informationen der 31.12. als Rückzugstermin festgelegt. Doch das Agreement ist noch nicht in Kraft.

Gründern droht BaFin-Verwarnung

Die jetzt von der BaFin erlassenen Strafmaßnahmen dürften indes noch nicht das letzte Wort der Aufsichtsbehörde in dieser Angelegenheit gewesen sein. Bereits im Sommer wurde publik, dass die BaFin auch eine schriftliche Verwarnung für Stalf und Tayenthal in Erwägung zieht. In der vergangenen Woche soll die Frist für eine Stellungnahme der beiden Gründer zu den Vorwürfen abgelaufen sein. Im Umfeld der Bank wird erwartet, dass die BaFin auch diese Maßnahme durchzieht. Eine solche Verwarnung gilt zwar nicht zwangsläufig als Hindernis für einen Wechsel in den Aufsichtsrat, den Stalf und Tayenthal anstreben, macht ihn aber auch nicht leichter.