Was die neue Datenarchitektur der EU für Banken bedeutet
Mit einem neuen Reportingmodell wollen die EU-Aufsichtsbehörden den Banken das Leben eigentlich erleichtern. Weshalb die Branche noch skeptisch ist.

Sagenhafte 11,2 Mrd. Euro pro Jahr geben europäische Banken für das umfangreiche Reporting an die Aufsicht aus. Die Berichtspflichten sollen die Finanzinstitute resilienter gegenüber Finanzkrisen machen. Das ist laut der EU-Kommission gelungen. Zugleich räumt die Brüsseler Behörde ein: Das europäische Berichtswesen ist inzwischen sehr komplex. Teilweise müssen Banken dieselben Daten mehrfach für unterschiedliche Systeme melden. Das könnte sich bald ändern.
Meldedaten für EZB, Eba und Eiopa nur noch einmal
Denn die europäischen Finanzaufsichtsbehörden wollen die Anforderungen an Datenerfassung und -übermittlung für Banken vereinfachen. Bereits 2024 hatten sich die EZB sowie die Aufsichtsbehörden Eba für Banken und Eiopa für Versicherer in der sogenannten DPM Alliance zusammengeschlossen. DPM steht für „Data Point Model“, eine Art gemeinsames Wörterbuch für regulatorisches Reporting. Hier steht eine Neuauflage an. Bis Ende des Monats läuft die Konsultation zum DPM 2.1. „Dadurch soll der Aufwand für Institute und Softwareanbieter reduziert werden, separate Metadatenformate zu pflegen“, erklärt ein Eba-Sprecher gegenüber PLATOW. Künftig sollen Banken ihre Meldedaten für EZB, Eba und Eiopa nur noch einmal erfassen. Ein einheitliches Format soll dann zu allen Meldesystemen passen. So könnten die Institute mittelfristig Prozesse vereinfachen, Zeit und Geld sparen.
Zunächst hohe Kosten für neue Strukturen
Zunächst dürfte das Ganze aber viel Geld kosten, wie Holger May, Partner Financial Services bei der Beratung Bearingpoint, auf unsere Anfrage erklärt. „Institute müssen bestehende Datensilos aufbrechen, Datenmodelle harmonisieren und einheitliche Definitionen über die Bereiche Risiko, Finance und Meldewesen hinweg etablieren“, sagt er. Auf lange Sicht könnte das auch die interne Struktur von Banken verändern. Heute sei häufig eine Trennung von Risikocontrolling, Finance, Reporting und Steuerung zu beobachten. „Wir erwarten, dass das zunehmend kritisch hinterfragt werden wird“, sagt May. „Perspektivisch sehen wir durchaus Effizienzgewinne durch höhere Automatisierungsgrade, harmonisierte Prozesse und Operating-Modelle mit klaren Verantwortlichkeiten.“
Eine Entlastung der Banken ist allerdings nicht das Hauptziel von DPM 2.1, sondern ein willkommener Nebeneffekt. Denn das Vorhaben ist eng verknüpft mit dem neuen Integrated Reporting Framework (IREF), mit dem die EZB das statistische Meldewesen für Banken im Euroraum vereinfachen will. Dieses Langfristvorhaben wird voraussichtlich nächstes Jahr angeschoben. Die öffentliche Konsultation zum Verordnungsentwurf soll im zweiten Halbjahr starten. Mit einer Einführung wird bis 2031 gerechnet. Mit DPM 2.1 legt die DPM Alliance schon jetzt die Basis: ein gemeinsames Modell für regulatorisches und statistisches Reporting.
Entlastung oder weiteres teures Datenprojekt?
Ob das neue Modell den Banken mittelfristig das Leben vereinfacht, bleibt abzuwarten. Branchenvertreter wollten sich auf Anfrage von PLATOW hierzu nicht äußern. Ende September endet die Konsultation zu DPM 2.1. Spätestens dann dürfte sich zeigen, ob die Banken darin eine Entlastung sehen oder ein weiteres teures Datenprojekt.