Viel Mühe haben sich Bafin und Bundesbank gemacht, um den diesjährigen Stresstest für die von ihnen direkt beaufsichtigten weniger bedeutenden Banken, die sogenannten „Less Significant Institutions“ (LSI), zu entschlacken. Statt bisher fünf mussten diesmal nur noch drei Zinsszenarien durchgerechnet werden. Auch die Anzahl der erhobenen Datenpunkt wurde von ursprünglich rund 2.000 um ein Drittel gekappt und auf den qualitativen Frageteil verzichtete die Aufsicht sogar vollständig, wenn auch schweren Herzens wie Bafin-Exekutivdirektor Nikolas Speer bekannte.

Sehr viel beliebter dürfte der Stresstest bei den Volks- und Raiffeisenbanken sowie den Sparkassen, die das Gros der insgesamt 1.113 teilnehmenden Institute stellen, dadurch allerdings kaum geworden sein. BVR-Vorstand Daniel Quinten machte im Namen der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) denn auch deutlich, dass trotz der Erleichterungen, der Erhebungs- und Umsetzungsaufwand für die Institute weiterhin hoch bleibe. Bundesbank-Vorstand Michael Theurer wies darauf hin, dass die Aufsicht mit ihren bereits vorgefertigten Stressszenarien den Banken letztlich helfe, ihre gesetzliche Verpflichtung zur Durchführung eigener Stresstests zu erfüllen.

Durchfaller schon länger auf dem Schirm

Auch für die Aufsicht scheint sich der Erkenntniswert der diesjährigen Übung in Grenzen zu halten. Im von der EZB vorgegebenen Stressszenario, das von Bundesbank und Bafin unter dem Eindruck des darin noch nicht berücksichtigten Iran-Konflikts etwas nachgeschärft wurde, konnten „mehrere Dutzend“ Institute ihre aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen nicht mehr erfüllen. Vor zwei Jahren waren noch etwa 50 Banken durchgefallen, diesmal grob die Hälfte, wie Speer präzisierte. Echte Überraschungen waren unter den Druchfallern wohl keine dabei, wie Speer andeutete. Offensichtlich handelte es sich um die üblichen Verdächtigen, die die Bafin ohnehin auf dem Schirm hat.

Insgesamt seien die Institute weiterhin „solide“ aufgestellt und die meisten Banken und Sparkassen wären aufgrund ihrer guten Kapitalisierung in der Lage, „auch einem drastischen globalen Wirtschaftseinbruch zu widerstehen“, resümierte der oberste Bafin-Bankenaufseher. Quinten sieht in den Stresstest-Ergebnissen denn auch einen Beleg für die „robuste Verfassung der Kreditinstitute in Deutschland“, die für „mögliche Stresssituationen gut gewappnet“ seien. Beruhigt haben dürfte den BVR-Vorstand auch, dass die beiden Chefaufseher von Bundesbank und Bafin in den zuletzt gehäuften Problemfällen im genossenschaftlichen Verbund weiterhin kein systemisches Risiko sehen.

Gute Ertragslage hat geholfen

Dass die überwältigende Mehrheit der Genossenschaftsbanken und Sparkassen ohne Probleme durch den LSI-Stresstest gekommen ist, dürften sie nicht zuletzt ihrer guten Ertragsentwicklung in den vergangenen Jahren zu verdanken haben, die es ihnen erlaubte, die Eigenkapitaldecke weiter aufzupolstern. Das mag auch erklären, dass im Stressszenario die harte Eigenkapitalquote im Aggregat zwar um rund 3,8 Prozentpunkte absackte, aber mit 14,6% immer noch recht auskömmlich bleibt.