BANKEN

Wenn die Bank krank macht – AOK-Daten lassen aufhorchen

Seit Jahren bauen die Banken kontinuierlich Personal ab. Das sorgt für Stress im Maschinenraum. In kaum einem anderen Sektor ist der Anteil psychischer Erkrankungen so hoch.

Lukas Homrich,
Pillen und Tabletten
Pillen und Tabletten © Axa

Seit 2004 ist der Krankenstand bei Banken und Versicherungen um die Hälfte gestiegen. Das zeigt eine Auswertung von Daten der Mitglieder der AOK durch „Bloomberg“. Zwar liegt die Branche hinter den meisten anderen Sektoren, doch psychische Erkrankungen machen hier einen außergewöhnlich hohen Anteil aus: 29% bei Langzeiterkrankungen und 15% bei kürzeren Ausfallzeiten. Das sind Werte, die sonst kaum eine andere Branche erreicht. Eva Schneider, Psychotherapeutin und Expertin für mentale Gesundheit am Arbeitsplatz, ist nicht überrascht. Besonders in der Finanzbranche gebe es oft Stressfaktoren wie hoher Leistungsdruck, ein schnelles Arbeitstempo, lange Arbeitszeiten und Konkurrenzsituationen. Dies belaste Mitarbeitende dauerhaft psychisch. „In manchen Teams gilt das ungeschriebene Gesetz, immer erreichbar sein zu müssen“, sagt sie.

Laut Wolfgang Ermann, Verbandsratsvorsitzender des Deutschen Bankangestellten Verbands (DBV), trägt auch der Sparkurs vieler Geldhäuser zum Stress bei. „Seit 20 Jahren bauen viele Banken kontinuierlich Personal ab.” Daher funktionierten viele Arbeitsprozesse nicht richtig, was die älter werdende Belegschaft mit eigener Arbeit ausgleichen müsste. Psychische Erkrankungen führten in der Folge häufig zu längeren Ausfallzeiten.

„Das betrifft alle Abteilungen,“ betont Ermann, besonders jedoch das Filialgeschäft: Weniger Zeit und mehr Kunden durch Filialschließungen belasten die Mitarbeiter. Sie sind zudem einer „gesellschaftlichen Verrohung“ ausgesetzt, da manche Kunden kein „Nein“ akzeptierten, was Unsicherheit schaffe. Auch Schneider sieht die Belastung besonders im Kundenkontakt: „Hier geht es für Menschen oft um existenzielle Themen.” Zudem erwarten Kunden immer schnellere Antworten.

Persönliche Probleme und ein toxisches Umfeld können eine gefährliche Mischung bilden, sagt Schneider. Symptome wie Verdauungsprobleme, Schlafstörungen, Gereiztheit oder Zurückgezogenheit sollten früh erkannt und die Belastung reduziert werden. Ohne Erholung verschärft sich das Problem und führt zu längeren Krankheitsphasen.

Banken sehen das Problem schon länger und versuchen gegenzusteuern. „Dazu gehören Präventionsangebote, flexible Arbeitszeitmodelle, Programme zum Stressmanagement und individuelle Unterstützungsleistungen, wie Beratungsangebote für Mitarbeitende”, teilen etwa die Sparkassen mit. Trotzdem steigen die Krankschreibungen im Sektor. Zwar gibt es laut Ermann ein Bewusstsein für das Problem, doch das erhöhte Arbeitspensum bleibe: „Wenn Vorstände eine Transformation beschließen, sollten den Mitarbeitenden genügend Mittel zur Verfügung gestellt werden, um diese auch mitzutragen.” Personalabbau bei steigender Arbeitslast erzeuge zusätzlichen Stress.

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