Gerade noch rechtzeitig vor der Bilanz-PK konnte Deutsche Börse-Chef Stephan Leithner ein leidiges Thema abräumen, das zunehmend zu einer Hängepartie zu werden drohte. Für 1,1 Mrd. Euro übernimmt die Deutsche Börse den 20%-Anteil von General Atlantic an ISS Stoxx und sichert sich damit die Alleineigentümerschaft an dem Index- und ESG-Datenspezialisten. Seit US-Präsident Donald Trump seinen Feldzug gegen ESG und die Aktivitäten von Stimmrechtsberatern gestartet hat, rückte der ursprünglich geplante Börsengang von ISS Stoxx in immer weitere Ferne.

Die Komplettübernahme von ISS Stoxx ist bereits die zweite Milliarden-Akquisition der Deutschen Börse innerhalb weniger Wochen. Die geplante Übernahme des Fondsdienstleisters Allfunds will sich die Deutsche Börse sogar 5,3 Mrd. Euro (70% in bar, 30% in eigenen Aktien) kosten lassen. Fast die Hälfte der Allfunds-Aktionäre habe sich bereits verpflichtet, der Transaktion zuzustimmen, berichtete Leithner. Benötigt wird eine Zustimmungsquote von mindestens 75%. Als größter Stolperstein für den Deal gilt jedoch die EU-Kartellprüfung. Aus Brüssel habe er jedoch bereits positive Signale empfangen, ließ Leithner durchblicken, der aber sicherheitshalber noch einmal warnte, dass „zu enge und falsche“ Marktdefinitionen ein Hindernis für die Schaffung globaler europäischer Unternehmen seien.

In drei Jahren wieder große Zukäufe möglich

Der neue CFO Jens Schulte ließ keinen Zweifel, dass die Deutsche Börse über genügend finanzielle Feuerkraft verfügt, um die beiden Groß-Akquisitionen sowie die künftig regelmäßigen Aktienrückkäufe im Volumen von jährlich 500 Mio. Euro sowie die angekündigte Erhöhung der Dividende um 20 Cent auf 4,20 Euro je Aktie locker stemmen zu können, ohne das eigene Rating zu gefährden. Diese Nebenbedingung ist für die Deutsche Börse besonders wichtig, da von der Bonitätseinstufung auch das Rating der Tochter Clearstream abhängt, deren Geschäftsmodell auf ein „AA“-Rating angewiesen ist.

Den Baranteil für die Allfunds-Übernahme von rund 3,5 Mrd. Euro will Schulte über neue Schulden finanzieren. Die Akquisition des 20%-Anteils an ISS Stoxx will die Deutsche Börse hingegen aus eigner Kraft aus dem Free Cashflow bezahlen. Den Free Cashflow bezifferte Schulte mit jährlich 2 Mrd. Euro. Damit könne die Deutsche Börse innerhalb der nächsten drei Jahre die aufgehäuften Schulden weitgehend wieder abtragen. Dann sei der Konzern auch wieder in der Lage, größere Übernahmen zu tätigen, so der CFO. Kleinere Zukäufe seien aber auch schon zuvor möglich.

Leithner schafft Rekordgewinn

Mit einem Nettogewinn von knapp 2 Mrd. Euro (+2%) und Nettoerlösen (ohne das zinsabhängige Treasury-Ergebnis) von 5,2 Mrd. Euro erzielte die Deutsche Börse im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis. Für das laufende Jahr erwartet Schulte einen Anstieg der Nettoerlöse (ohne Treasury-Ergebnis) auf 5,7 Mrd. Euro. Die Kosten sollen wie im Vorjahr moderat um 3% zulegen. Das EBITDA soll auf rund 3,1 Mrd. Euro wachsen, nach 2,68 Mrd. Euro (+14%) im Vorjahr. Die Einschätzung zur Deutsche Börse-Aktie lesen Sie in der PLATOW Börse.