Zahlungsverkehr – das geheime Wachstum von Wero
Zuletzt ist es rund um das European Payments Initiative (EPI)-Projekt stiller geworden. Dabei zeigen PLATOW-Recherchen, dass es überraschend gut läuft mit Europas neuem Bezahldienst Wero.

Es gab eine Zeit, da war Wero quasi omnipräsent. Chefin Martina Weimert gab viele Interviews, die Medienberichte türmten sich nur so und eigentlich gab es keine Woche, in der nicht neue Zahlen, neue Stimmen oder auch neue Kritik an der europäischen Bezahlalternative zu lesen und zu hören waren. Zuletzt aber wurde es auffallend ruhig um das vielleicht spannendste Payment-Projekt Europas. Die wenigen Schlagzeilen wurden dominiert von einer möglichen Paypal-Übernahme durch den irischen Konkurrenten Stripe und die Frage, wo der US-Konzern falsch abgebogen ist, um heute schon als Übernahmekandidat zu gelten.
Spätestens seit der Ankündigung der Targobank, im kommenden Jahr ebenfalls Wero anbieten zu wollen, rückte der europäische Bezahldienst wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Unsere weitergehenden Recherchen zeigen, wie blendend der Bezahldienst inzwischen dasteht.
17.000 aktive Händler allein in Deutschland
Dass nun auch die Deutschland-Tochter der französischen Crédit Mutuel, die zu den Gründungsmitgliedern der European Payments Initiative (EPI) zählt, mit Hochdruck an der Wero-Implementierung arbeitet, dürfte auch am wachsenden Erfolg der Bazahl-Lösung liegen, der sich zuletzt eher im Stillen vollzog. Wie ein genauerer Blick auf die neuesten EPI-Zahlen zeigt, haben sich aus Europa mittlerweile 18 Gesellschafter zusammengefunden und 57 Mitglieder angeschlossen. Parallel dazu erobert Wero immer mehr Nischen und mögliche Märkte. Die Stadt Kassel beispielsweise integriert als erste deutsche Kommune Wero in ihre Parkautomaten. Lidl hat Wero angebunden und auch der Sportausrüster Decathlon bietet die Bezahllösung in seinem Online-Shop an. Als einer der größten Sportartikel-Läden Europas ist das durchaus ein Erfolg für das über Europa verteilte Team von Martina Weimert.
Gerade die Sichtbarkeit wird durch so einen Deal stark erhöht. Insgesamt zählt Wero mittlerweile 37.700 aktive Händler, davon 17.000 in Deutschland. Öffentlich kommuniziert hat Wero nur größere Namen, darunter Eventim, Schalke 04 oder der große französische Online-Händler Veepee.
Nutzer-Boost durch iDeal-Integration
Auch die Nutzerbasis wächst. Im Juli 2026 war Wero demnach in Frankreich, Deutschland und Belgien aktiv und zählt dort 57 Mio. Nutzer, davon allein fast 9 Mio. in Deutschland. Damit ist erstmals die Marke von 10 Mio. Nutzern hierzulande in Sichtweite. Europaweit wichtiger dürfte aber die erfolgreiche Integration des niederländischen Bezahldienstes iDeal in den kommenden anderthalb Jahren sein. EPI hatte die hinter iDeal stehende Gesellschaft 2023 übernommen und will nun viele Millionen Nutzer zu Wero migrieren.
Nach ersten Schritten haben sich die großen niederländischen Banken wie ING und ABN Amro sowie Payment-Dienstleister wie Mollie und PPRO auf eine Roadmap zur weiteren Integration geeinigt. So sollen im Oktober 2026 alle niederländischen Banken an Wero angeschlossen und dann Stück für Stück alle iDeal-Zahlungen auf die Wero-Plattform übertragen werden. Die gesamte Migration soll Ende 2027 abgeschlossen sein. Zusammen mit der Anbindung des in Belgien und Luxemburg weitverbreiteten Bezahldienstes Payconiq im Laufe dieses Jahres sollen insgesamt 15 Mio. Nutzer zu Wero wechseln.