Es war ein ungewohntes Bild der Einigkeit. Kaum hatte die Bundesbank Anfang März ihren Abzug aus Bockenheim verkündet, traten EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef vor die Presse. Ihre Botschaft: Die Europäische Schule Frankfurt (ESF) soll auf das frei werdende Bundesbank-Areal ziehen. Nach über einem Jahrzehnt des Suchens endlich eine Lösung für eine Schule, die aus allen Nähten platzt – ursprünglich für knapp 900 Schüler gebaut, lernen dort heute fast 1.600 Kinder in Containern, auf engstem Raum. Lagarde, die die Stadt noch kurz zuvor öffentlich für das Chaos um die Schule kritisiert hatte, widmete den Moment „den Schülern und Eltern, die 15 Jahre darauf gewartet haben.“ Oberbürgermeister Josef sprach von einer „hervorragenden Lösung“ und die Schulleiterin gar von einem „Wunder“.

Doch hinter der Jubelfassade bleiben viele Fragezeichen. Zunächst muss die Stadt das Grundstück kaufen – ein Wertgutachten soll den Preis ermitteln. Dann ist die Frage, ob die Europäische Schule wirklich in das Hochhaus der Bundesbank ziehen soll, wie das manche Äußerungen städtischer Vertreter suggerieren. Denn wenn die Sanierung so teuer ist, dass die Bundesbank davor zurückschreckt, dürfte das auch für andere potenzielle Nutzer gelten. Realistischer erscheint ein Neubau. So oder so: Beide Varianten werden wahrscheinlich sehr lange dauern.

Eltern skeptisch

Die Elternvertretung der Europäischen Schule, deren Kinder größtenteils von Mitarbeitern der europäischen Institutionen EZB, der Versicherungsbehörde EIOPA und der Anti-Geldwäschebehörde AMLA stammen, teilt die Euphorie nicht. In ihrem Newsletter vom März schreibt sie sinngemäß: Die in Aussicht gestellte Langzeitlösung bleibe „ein vages Versprechen“, verbindliche Zusagen gebe es nicht. Und das Projekt sei „weit davon entfernt, abgeschlossen zu sein.“

Nach Schilderung von Betroffenen sehen vor allem Eltern, die etwa für die EIOPA oder die AMLA arbeiten und keinen EZB-Bezug haben, die nun anvisierte Lösung kritisch. Die EZB dagegen warb über ihre internen Kanäle aktiv für den neuen Vorschlag. Offenbar mit Erfolg: Viele EZB-Mitarbeiter bewerten das Ergebnis positiv.

Baustelle statt Sportplatz

Dabei kommen auf die Schüler zunächst weitere Belastungen zu. Noch in diesem Sommer beginnt auf dem Sportplatz des aktuellen Schulgeländes in Niederursel der Bau eines Interimsgebäudes. Das Gelände wird damit für zweieinhalb Schuljahre zur Baustelle mit entsprechendem Lärm und Dreck. Vom geplanten Holz-Modulgebäude profitieren die Schüler dabei nur bedingt: Es ist primär als städtische Schule vorgesehen; die Europäische Schule darf es erst ab dem Schuljahr 2029/30 nutzen.

Gut möglich, dass die Europäische Schule noch viele Jahre länger in Niederursel bleibt, als heute geplant. Die vergangenen 15 Jahre haben gezeigt, dass Zeitpläne in dieser Geschichte wenig wert sind.