Höchste Wachsamkeit und die Bereitschaft, notfalls schnell und konsequent zu handeln, um die mühsam wieder erreichte Preisstabilität mit allen Mitteln zu verteidigen. Das dürfte die Botschaft von EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach der Ratssitzung am kommenden Donnerstag (19.3.) sein. An der Zinsschraube wird die EZB am Donnerstag aber noch nicht drehen. Das würde die ohnehin schon hochgradig nervösen Finanzmärkte nur mehr verunsichern.

Noch ist der Ölpreis-Schock im Gefolge des Iran-Kriegs vor allem an den Tankstellen zu spüren und die weiterhin schwache Konjunktur erschwert es den Unternehmen, die gestiegenen Energiepreise einfach auf die Verbraucher überzuwälzen. Doch keinesfalls will die EZB ihren Fehler von 2022 wiederholen, als sie nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und dem Kappen der Gaszufuhr aus Russland viel zu lange tatenlos zuschaute, wie sich die Inflation aufschaukelte.

Blicke richten sich schon auf Ende April

Derzeit ist völlig ungewiss, wie lange der Krieg in Nahost noch andauern wird und die für die Öl- und Gas-Versorgung wichtige Straße von Hormus noch geschlossen bleibt. Wahrscheinlich weiß das noch nicht einmal US-Präsident Donald Trump, der mit Blick auf die amerikanischen Zwischenwahlen im Herbst zwar kaum ein Interesse an weiter steigenden Spritpreisen haben dürfte, aber offensichtlich auch keinen Plan hat, wie er den Krieg schnell wieder beenden kann.

Am Donnerstag wird es Lagarde wohl noch dabei belassen, mit einer starken Verbalintervention die Entschlossenheit des EZB-Rats zu demonstrieren. Doch sollte sich die Lage am Golf bis zur nächsten Zinssitzung am 30.4. nicht beruhigt haben, dürften im EZB-Rat die Stimmen lauter werden, die eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte fordern, um ein unmissverständliches Signal zu senden, dass die Zentralbank es mit ihrem Mandat zum Erhalt der Preisstabilität bitterernst meint.