Der Geheimfavorit für die Lagarde-Nachfolge sitzt in Basel
Drei Notenbanker werden am häufigsten für die Lagarde-Nachfolge gehandelt. Doch frühe Favoriten kommen selten ans Ziel. Ein anderer Kandidat könnte der lachende Dritte sein.

Wer bei der EZB-Präsidentschaft auf den Favoriten setzt, hat in der Vergangenheit immer verloren. Vor acht Jahren etwa lag in den entsprechenden Umfragen von Bloomberg der damalige Bundesbank-Präsident Jens Weidmann weit vorne. Er scheiterte genauso wie sein Amtsvorgänger Axel Weber, der ebenfalls zeitweise als Favorit galt. Wer also sein Geld auf Klaas Knot setzt, der derzeit vorne liegt, sei vorgewarnt.
Die Debatte um die Lagarde-Nachfolge läuft seit Monaten auf Hochtouren. Lagardes Amtszeit endet regulär im Oktober 2027. PLATOW hatte bereits auf Signale hingewiesen, die auf einen vorzeitigen Abgang deuten. Am Mittwoch berichtete die Financial Times dann : Lagarde wolle die EZB früher verlassen, um Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Zeit zu geben, ihre Nachfolge noch vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 zu regeln – so berief sich die Zeitung auf eine Person, die mit Lagardes Plänen vertraut ist. Die EZB dementierte nicht, sondern verwies lediglich darauf, Lagarde sei „voll und ganz auf ihre Mission konzentriert“ und habe „noch keine Entscheidung bezüglich des Endes ihrer Amtszeit getroffen“.
Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die das EZB-Umfeld ohnehin schon beschäftigt: Wer folgt nach? Drei Namen dominieren die Debatte – Klaas Knot, Joachim Nagel, Pablo Hernández de Cos. Und einer davon ist der Geheimfavorit.
Klaas Knot – Der Favorit mit einigen Mankos
Klaas Knot führt die Bloomberg-Umfragen an. Der langjährige niederländische Notenbankchef gilt als Verfechter einer straffen Geldpolitik, war aber pragmatischer als Jens Weidmann – anders als dieser stimmte er für ein umstrittenes Anleiheprogramm auf dem Höhepunkt der Euro-Krise. Doch Knot ist umstrittener als sein Umfragevorsprung vermuten lässt, nicht nur in Südeuropa, wo ihm einige seine ansonsten strikte Haltung in der Euro-Krise übelnehmen. Mit Mario Draghi etwa geriet er im September 2019 öffentlich aneinander. Der Italiener drückte in den letzten Wochen seiner Amtszeit ein Stimulus-Paket durch, das eine weitere Zinssenkung und Anleihekäufe vorsah. Knot äußerte seine Kritik daran nicht wie üblich hinter verschlossenen Türen, sondern bezeichnete die Maßnahmen in einer offiziellen Erklärung der niederländischen Notenbank als „unverhältnismäßig“. Draghi, der enge Verbindungen zu den Entscheidern in Italien, aber auch zum französischen Präsidenten Emmanuel Macron pflegt, dürfte dies nicht vergessen haben.
Joachim Nagel – Pragmatiker mit Gratwanderung vor sich
Für Bundesbank-Präsident Joachim Nagel spricht, dass er wie keiner seiner Vorgänger in Europa vermittelbar ist. Die Sorge vor einem deutschen EZB-Präsidenten – traditionell verbunden mit dem Bild des unnachgiebigen Hardliners aus Frankfurt – kann er glaubwürdig entkräften. Nagel ist durch und durch Pragmatiker, geprägt auch durch seine Zeit als früherer Bundesbank-Vorstand für den Bereich Märkte. Er hat zum Beispiel das umstrittene Anleihekaufprogramm (TPI) mitgetragen, er unterstützt eine europäische Einlagensicherung und hat sich als erster Bundesbank-Präsident offen für Eurobonds ausgesprochen.
Und doch hat Nagel ein Problem, das er nicht lösen kann. Mit Ursula von der Leyen sitzt eine Deutsche an der Spitze der EU-Kommission, deren Amtszeit bis 2029 läuft. Dass die beiden wichtigsten Spitzenposten in Europa gleichzeitig von Deutschen besetzt werden, gilt als unwahrscheinlich. Hinzu kommt: Bundeskanzler Friedrich Merz dürfte wenig Neigung verspüren, politisches Kapital für Nagel aufzuwenden, der ein SPD-Parteibuch hat. Nagels Positionierung bleibt eine Gratwanderung: Eurobonds bringen ihm Sympathien in Südeuropa, aber nicht bei Merz und der CDU. Tritt er hingegen als Verfechter einer straffen Geldpolitik und ordnungspolitischer Grundsätze auf, hilft ihm das in Berlin, aber nicht im Rest Europas.
Pablo Hernández de Cos – Der Geheimfavorit aus Basel
Pablo Hernández de Cos kennt die EZB von innen. Von 2004 bis 2007 beriet er das EZB-Direktorium in Frankfurt, von 2018 bis 2024 saß er als Gouverneur der Banco de España im EZB-Rat. Seit Juli 2025 leitet er die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel – die Zentralbank der Zentralbanken. Seine fachliche Kompetenz ist unbestritten.
Hinzu kommt ein politisches Argument: Spanien besetzt keine der großen europäischen Führungsposten. De Cos ist Technokrat in einem Umfeld, in dem die Unabhängigkeit der Notenbanken – nicht zuletzt durch den Druck des US-Präsidenten auf die Federal Reserve – wieder zum Thema geworden ist. Der Geheimfavorit wartet in Basel. Und die Geschichte lehrt: Solche Kandidaten haben am Ende oft die besseren Karten.