Destatis

Baukosten schießen weiter durch die Decke

Die Baukosten für Wohnungen steigen ungebremst weiter. Daran dürfte auch der Bau-Turbo nur wenig ändern. Ein Blick in die Statistik zeigt das ganze Ausmaß.

Werner Rohmert,
Mehrfamilienhaus in Bremen
Mehrfamilienhaus in Bremen © AdobeStock

Die Dramatik der Baukostenentwicklung ist meist nur Insidern bekannt. Die Baupreise für Wohngebäude in Nordrhein-Westfalen lagen laut statistischem Landesamt IT.NRW im November 2025 um 2,9% über dem Vorjahresniveau (November 2024: 4,5%). Gegenüber August 2025 stiegen die Baupreise um weitere 0,5%. Der Baupreisindex für Wohngebäude liegt bei 132,2 Punkten. VdW-Direktor Alexander Rychter sieht den anhaltend hohen Kostendruck im Wohnungsbau bestätigt. Bereits 2021 und 2022 seien die Baukosten um fast 15% außergewöhnlich stark gestiegen. Das wirke bis heute nach, da ja selbst aktuell moderatere Zuwächse auf einem historisch hohen Preisniveau aufsetzen würden.

Seit 2020 sind die Baukosten um über 50% gestiegen. Die multiplikativ verknüpfte Kombination aus Zins- und Baupreisexplosion liefert den Grund für anhaltende Developer-Pleiten und Baustopps. Da hilft auch kein Bau-Turbo mit kosmetischer Baukostensenkung. Im Background lieferte ein uns bekannter Statistik-Nerd weitere Fakten. Anfang 2016 kalkulierten die Bauherren bei ihren Bauanträgen mit Kosten um die 241.000 Euro. Das war ein langjähriges Tief nach der Finanzkrise 2009. Im April 2025 wurde mit fast 548.000 Euro ein Rekordpreis aller deutschen Zeiten veranschlagt. Das entspräche einem Plus von 127% bei etwa 30% paralleler, allgemeiner Inflationsrate. Die Klimaregulierung dürfte bei diesem Schuss ins Knie den Abzug betätigt haben.

Aktuell 550.000 Euro Kosten pro Wohnung

PLATOW war bei diesen Zahlen skeptisch und hat deshalb selbst in die Statistik geschaut. Vom Statistischen Bundesamt (Destatis) erhielten wir für das Jahr 2024 in den „Baugenehmigungen im Hochbau für Deutschland“ die Indikation für „Veranschlagte Kosten der Bauwerke“ von 82,48 Mrd. Euro für 175.950 Neubau-Wohnungen auf 16.225.000 qm. Das entspricht dann für 2024 reinen Baukosten von fast 470.000 Euro bzw. 5.084 Euro pro qm.

Damit sollten aktuell Durchschnittskosten von 550.000 Euro pro neuer genehmigter Wohnung realistisch sein. Sicherlich sind in dem Durchschnitt auch hochwertige Wohnungen enthalten. Aber auch im sozialen Bereich hören wir von Baukosten von 3.500 Euro und mehr. Letztlich bleibt aber völlig offen, wie so trotz politisch gutem Willen sozialverträglicher Neubau für untere Einkommensgruppen geschaffen werden soll.

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