Bundesbank – Standort-Entscheidung lässt noch viele Fragen offen
Nach der Grundsatzentscheidung der Bundsbank für eine neue Zentrale in der Frankfurter City bleiben viele Fragen ungeklärt. Denn ein Verkauf des alten Standorts an die Stadt ist keineswegs sicher.

Wie der PLATOW Brief in der vergangenen Woche berichtete, will die Bundesbank für neue Zentrale eine Immobilie in der Frankfurter City kaufen. Als Käufer des bestehenden Campus-Geländes und des sanierungsbedürftigen, prominenten Haupthauses hat bereits die Stadt Frankfurt Interesse angemeldet. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte vorgerechnet, dass die gesamten Investitionskosten für die Sanierung des alten Standorts im Frankfurter Norden einschließlich des 217m langen und 13 Etagen hohen, denkmalgeschützten Hauptgebäudes, einer neuen Tiefgarage, einer neuen Kindertagesstätte und eines Veranstaltungsgebäudes rund 1,6 Mrd. Euro betragen würden. Der Barwert der Investitionskosten sowie der bis zum Jahr 2067 hochgerechneten Kosten für Betrieb und Instandhaltung summiere sich sogar auf 2,9 Mrd. Euro. Die Hochrechnung der Nebenkosten der nächsten 40 Jahre ist allerdings eher unüblich. Schließlich dürfte eine Innenstadt-Landmark-Immobilie mit einer technischen Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren bei den Zukunftskosten durchaus vergleichbar sein.
Zur Erinnerung: Die über eine Dekade bis hin zur Auftragsvergabe gehenden Planungen und städtebaulichen Wettbewerbe zur Zusammenlegung aller Frankfurter Arbeitsplätze im zu sanierenden Haupthaus und rund 100.000 qm Neubau waren Ende 2022 vor dem Hintergrund des durch Corona geänderten Umfeldes von dem damals neuen Bundesbank-Präsidenten Nagel gestoppt worden. Auch die bereits begonnene Sanierung des prominenten Beton-Riegels war wohl auf die Schadstoffsanierung begrenzt worden. Neu aufgebaute personelle Kapazitäten der Bundesbank wurden rückabgewickelt.
Interesse der Stadt ist Glücksfall für die Bundesbank
Dem Erhalt des prominenten, teilweise denkmalgeschützten Hauptgebäudes standen als politische Entscheidung Tradition und energetische Gesichtspunkte Pate und weniger der reine Kostenaspekt. Schließlich war mit Erstbezug 1972 damals alles verbaut worden, was als modern galt und heutige Schadstofflisten anführt. Untersuchungen machten wohl auch klar, dass die gebundene „graue Energie“ bei einem sicherlich kostengünstigeren Abriss und Neubau nie wieder hereinzuholen war. Seit der 2022er-Entscheidung herrschte Beobachtern zufolge eher eine Denkpause. Außer den „Trianon“-Überlegungen gelangte wenig nach außen. PLATOW Immobilien liefert Ihnen jeden Donnerstag eine Auswahl fundierter News & Analysen zu Aktien und Fonds. Wir informieren Sie über wichtige Personalien, Trends und Branchengeflüster. Analytisch, exklusiv, auf den Punkt. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie hier.PLATOW Immobilien
Das Interesse der Stadt, dort die Europäische Schule unterzubringen könnte sich für die Bundesbank als Glücksfall herausstellen. Allerdings dürfte es nicht ganz einfach werden, eine hoch komplexe Sanierung mit Kosten einer 1-A-Lage an einem totalen Prärie-Standort, der lediglich als Bundesbank-Sitz Bedeutung hatte, dem Bund, der die Baukosten für die Europäische Schule trägt, zu verkaufen. Die geplante Anbindung des Bundesbank-Areals an das Frankfurter U-Bahn-Netz dürfte noch viele Jahre dauern.
Völlig unklar ist zudem, ob sich der Bund auf eine Sanierung des Hauptgebäudes einlässt oder eher einen Neubau bevorzugt. Dann würde die Stadt auf der alten Bundesbank-Zentral sitzenbleiben. Offen ist auch, wie sich die neue Römer-Koalition, die sich nach der Kommunalwahl vom vergangenen Sonntag erst noch finden muss, zu dem von Oberbürgermeister Mike Josef im Alleingang vorgeschlagenen neuen Standort für die Europäische Schule positioniert.
Mitarbeiter müssen künftig enger zusammenrücken
Die Mitarbeiter aus dem leergezogenen Hauptgebäude sind aktuell im „FBC“ untergebracht. Der Mietvertrag war für die Bau- und Sanierungsphase fristenkongruent geschlossen worden. Die Bundesbank verfügt allerdings laut Nagel über eine Verlängerungsoption. Den Kaufvertrag für die neue Zentrale in der Frankfurter Innenstadt will Nagel schon in den nächsten 18 Monaten unterschreiben. Bislang ist aus dem Markt allerdings noch nichts zu hören, welches Objekt die Bundesbank ins Auge gefasst haben könnte. Auf jeden Fall behalten will die Bundesbank den Teil ihres alten Geländes, unter dem der Tresor mit der Hälfte des deutschen Goldschatzes liegt, der weiterhin von der Bundespolizei bewacht werden soll. Das dürfte zu Einschränkungen für die Bebaubarkeit des restlichen Areals führen. Schließlich soll eine neue Krimi-Vorlage nach dem Vorbild der jüngsten Schließfach-Raube vermieden werden.
Für die Schadstoffsanierung des Hauptgebäudes sowie die Planungen für den nun verworfenen Bundesbank-Campus hat die Notenbank bereits 168 Mio. Euro investiert. Wenn damit die Schadstoffsanierung vom Tisch ist, ist das durchaus vernünftig gelaufen. Die in der neuen Zentrale geplante Unterbringung von 3.300 Arbeitsplätzen auf 50.000 qm mit 15 qm pro Arbeitsplatz bedingt eine Abkehr von den bisherigen Bundesbank-Standards und eine Fortschreibung der Homeoffice-Quote. Und wenn weder Kindergarten noch Veranstaltungshaus gebraucht werden, gehören die natürlich nicht in die Vergleichsrechnung. Auf 50.000 qm passt das eher nicht. Für Veranstaltungen will Nagel vor allem die Räumlichkeiten der Bundesbank-Hauptverwaltung Hessen nutzen. Vor dem Timing-Hintergrund kommt wohl nur ein Gebäude in Frage, das bereits kernsaniert, im Bau oder zumindest genehmigt ist. Da stellt sich die Ausschreibungsfrage. Extern sind bereits bestehende Aktivitäten nicht auszumachen.