Europas Wohnimmobilienmarkt boomt trotz Risiken und Rekordpleiten
Europas Wohnimmobilienmarkt wächst rasant. 2025 stiegen die Investitionen um 22% – getragen von Großdeals und US-Investoren, begleitet von neuen Risiken.

Europa bleibt im Wohnungsrausch: Die Investitionen in den europäischen Wohnimmobiliensektor sind 2025 um 22% auf 62,2 Mrd. Euro gestiegen und dürften 2026 die Marke von 70 Mrd. Euro überschreiten. Das zeigt die JLL-Analyse „EMEA Living Market Perspectives 2026“, die Transaktionen ab 5 Mio. Euro in den Segmenten Mehrfamilienhäuser, Studentenwohnungen, geförderte Wohnungen, Coliving, Pflegeheime und Seniorenwohnungen erfasst. Das Wachstum wird vor allem durch große Plattformdeals und die Rückkehr institutioneller Investoren getragen. Unternehmensakquisitionen legten 2025 um 168% zu, Käufe von Bestandsimmobilien um 20%. Dagegen sank das Volumen von Forward-Investments um 22%.
England liegt vorne
Der größte Wohninvestmentmarkt Europas war 2025 das Vereinigte Königreich mit einem Anteil von 37% und einem Volumen von 22,8 Mrd. Euro. Dahinter folgen Deutschland mit 14% bzw. 9 Mrd. Euro sowie Frankreich und Spanien mit jeweils 7%. Besonders stark wuchsen Norwegen (+69%), Dänemark (+64%) und Irland (+54%).
Großtransaktionen über 500 Mio. Euro verdoppelten sich auf 14,2 Mrd. Euro (Vorjahr: 6,5 Mrd. Euro). Die durchschnittliche Dealgröße stieg von 40,3 Mio. Euro auf 50,9 Mio. Euro. Auffällig war zudem die Aktivität US-amerikanischer Investoren, die mit 17 Mrd. Euro so viel wie nie zuvor in europäische Wohnimmobilien investierten.
Pflege geht durch die Decke
Allerdings scheinen Investoren verstärkt auf vordergründige Renditen zu setzen. Besonders dynamisch entwickelten sich laut JLL Investitionen in Pflegeimmobilien, die 2025 um 165% auf ein Rekordniveau von 14,4 Mrd. Euro stiegen. Für Deutschland ist das angesichts zahlreicher Betreiberpleiten – allen voran der IMMAC-Insolvenz – ein Warnsignal.
Im Fokus der Käufer standen dennoch weiterhin Mehrfamilienhäuser, die knapp mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachten. Ihre Dominanz nimmt jedoch ab: In den Vorjahren lag ihr Marktanteil zwischen 60% und 80%. Bei Studentenwohnungen wuchs das Investitionsvolumen um 52%. Kontinentaleuropa überholte hier erstmals das Vereinigte Königreich und kam auf 55% des Gesamtvolumens.