Mipim – Ein Drittel weniger Besucher?
Noch stehen die offiziellen Zahlen aus. Doch die Anzeichen mehren sich, dass zur Mipim 2026 bis zu einem Drittel weniger Besucher gekommen sind. Das hat aber auch Vorteile.

Mit dem offiziellen Zahlenwerk hält sich die Mipim weiterhin bedeckt. Die Homepage bleibt bei den Zahlen des Jahres 2025. Das könnte unsere Vermutung bestätigen, dass in vielen Unternehmen die Krise erst jetzt wirklich ankommt. Die Bilderstrecke der „Immobilien Zeitung“ zeigt viel Platz, wo sich früher die Menschen drängten. Ein aus Erfahrung sehr gut informierter Gesprächspartner ging nach seinen Backgroundinformationen von einem Drittel weniger Teilnehmer aus. Monika Leykam von der „IZ“ hat nachgefragt. Es sollen wohl 20.000 Tickets wie im Vorjahr verkauft worden sein. Das könnte aus PLATOW-Sicht aber noch auf alten Verträgen mit Standpartnern beruhen. Deutschland stellte mit 13% hinter Frankreich und Großbritannien die drittgrößte Delegation. Angaben zur Frauenquote macht der Veranstalter keine. Diese zu erheben, verbiete das französische Recht. Bei den Panels habe sie 41% betragen, so Leykam.
Nach unseren Informationen war die Stimmung oft nicht ganz so optimistisch wie dargestellt. Internationales Kapital ist da, bleibt aber noch am Spielfeldrand. Inwieweit sich Verwerfungen um Private Debt auswirken, ist offen. Bei unseren langjährigen Gesprächspartnern besteht aber Übereinstimmung, dass die geführten Gespräche zielgerichteter waren. Vielleicht kommt jetzt wieder eine Zeit der Hidden Champions mit mittelständischen Strukturen und Immobilien-Know-how, das nicht nur vom zinslosen Geld lebt.
Viel Platz auf dem Messegelände
Ein paar Statements fassen die Stimmung zusammen. Klaus Franken, Geschäftsführer Catella Project Management mit 4.000 Wohnungen und dem „KöTower“ in Realisierung, meint: „Selten war diese internationale Messe wichtiger. Neben den Zauderern in Deutschland traf man hier das durchaus tatkräftige internationale Kapital, das derzeit bereits sehr engagiert in Deutschland aktiv ist und sich die besten Gelegenheiten sichert.“ Kapital vor allem aus dem Ausland sei verfügbar. Deutschland biete verlässliche Rahmenbedingungen und ein stabiles Rechtssystem. In Deutschland stehe Wohnungsbau ganz oben auf der Wunschliste des Kapitals. „Im Messegelände war viel Platz, offenbar waren weniger nach Cannes angereist“, bestätigt auch Franken den Eindruck eines geringeren Besucherandrangs. PLATOW Immobilien liefert Ihnen jeden Donnerstag eine Auswahl fundierter News & Analysen zu Aktien und Fonds. Wir informieren Sie über wichtige Personalien, Trends und Branchengeflüster. Analytisch, exklusiv, auf den Punkt. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie hier.PLATOW Immobilien
Nach Ansicht von Red Square-Geschäftsführer Gerald Tschörner habe die diesjährige Mipim gezeigt, dass die Immobilienwirtschaft weiterhin in einer Übergangsphase steckt. „Finanzierungskrise, weiterhin zu hohe Kosten, zu hohe Grundstückspreise und stockender Exit bremsen noch den Markt aus. Andererseits war eine leichte Aufhellung der Stimmung spürbar.“ Im „IZ“-Gespräch äußerte sich Isabelle Scemama, Chefin von BNP Paribas Asset Management Alts, Paris. „Es gibt Sorgen vor disruptiven Konsequenzen des Ölpreisanstiegs und Angst vor der Tech-Disruption durch KI. Für uns Investoren bedeutet das: Wir müssen erkennen, was Theaterdonner ist und was ein echtes Problem. Und es wird immer entscheidender, zu diversifizieren.“ Für CBRE-Investmentchef Marcus Lemli ist inzwischen jeder Deal, der klappt, ein Kunstwerk für sich. Man konzentriere sich notgedrungen auf kleine und mittlere Deals.
Stimmung leicht aufgehellt
Im PLATOW-Fazit könnte die Mipim wieder interessanter werden. Es soll auch wieder lockerer geworden sein. Die Terminkalender waren nicht so vollständig durchgetaktet wie früher. Andererseits wird immer klarer, dass auch im Immobilieninvestment FOBO und HALO regieren. Speziell bei Büro dominiert FOBO, die „Fear of becoming obsolete“. Wohnen wird dagegen eher als HALO-Asset („Heavy Assets, Low Obsolescence“) mit geringer Gefahr überflüssig zu werden gesehen. Insofern resümiert Westbridge-CEO Yama Mahasher:„Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und steigender regulatorischer Anforderungen geht es Investoren nicht nur darum, ob der Markt zurückkommt, sondern welche Immobilien langfristig wirtschaftlich betrieben werden können.“