Die Mipim kommende Woche (9.3. bis 13.3.) in Cannes könnte von Wolken verhangen sein. Das meldet zumindest „wetter.de“ für Montag und Dienstag mit 95% Regenwahrscheinlichkeit. Auch im vergangenen Jahr war das Wetter Stimmungskiller. Dieses Jahr kommt der Iran-Krieg mit weiterem Verunsicherungspotenzial zu Energie, Lieferketten, Inflation, Börsen und Zinsen hinzu. Zumindest die Wetterprognose ist allerdings eher noch unsicherer als Immobilienprognosen und -bewertungen. Zum Iran-Krieg gibt es noch kein einheitliches Stimmungsbild. Allerdings lässt sich die Beurteilung auch ohne KI-Copilot und professorale Studien zusammenfassen.

Wenn es schnell geht und die Preisausschläge begrenzt bleiben, wird es halb so schlimm und läuft schnell aus. Wenn es länger dauert, Lieferketten gebrochen werden, die Drohungen des Iran mit der Schließung der Straße von Hormus und Barrelpreisen von 200 US-Dollar langfristige Realität werden und die Zentralbanken zur Inflationsbekämpfung die Zinsen erhöhen müssen wird es die Weltwirtschaft ins Mark treffen. Mit einer nach Gaza und dem Iran-Krieg geänderten Terror-Lage in Verbindung mit neuer Drohnen-Technologie müssen sich Fachleute beschäftigen.

Irak-Krieg könnte Immobilienwirtschaft doppelt treffen

Mit Blick auf die aktuellen Verwerfungen insbesondere auch des Flugverkehrs ist offen, wie die traditionell gut besuchten Stände des florierenden Nahen Ostens diesmal besetzt sein werden. Das hat aber Mipim-Tradition. Bei gefühlt der Hälfte aller Mipims gab es Streiks oder Unwetter. Die aktuelle Situation hat auch für die Immobilienwirtschaft keinen kurzfristigen positiven Ast der Erwartungen. Es kann nur weniger schlimm kommen. Für Finanzierungs- und Berufsoptimist Francesco Fedele, CEO BF.direkt, ist die Eskalation im Nahen Osten auf jeden Fall ein akuter Stressfaktor für die Immobilienwirtschaft, auch in Deutschland. Schlagartig habe sich das Risiko für gestörte Lieferketten, steigende Energiepreise und Inflationsraten erhöht.

Das träfe die Immobilienbranche möglicherweise doppelt über höhere Zinsen bzw. Credit-Spreads sowie steigende Betriebs- und Baukosten. Zur Mipim fahre er aber dennoch, da dort sehr viele internationale Player hinkommen, die nicht so kritisch auf den deutschen Immobilienmarkt schauten und schon wieder bereit seien, in Debt-Produkte zu investieren. Für Steffen Sebastian, Professor an der IREBS, ist klar, dass Investoren und Projektentwickler in solchen Unsicherheitsphasen zunächst mit Zurückhaltung reagieren. Das dürfte aus PLATOW-Sicht aber im Moment eher wenig ändern. Da dürften die seit Montag veränderten KfW-Förderkonditionen einen größeren Einfluss haben.

Für wen sich der Mipim-Besuch lohnt

Im Mipim-Zahlenwerk wird das Ergebnis des Vorjahres mit über 20.000 Teilnehmern erwartet. 2019 waren es noch 27.000 Besucher. In Deutschland macht sich ein wenig Teilnahme-Unsicherheit breit. Mipim-Ewigkeitsgast Thomas Beyerle meint im Background, er müsse diesmal Geld verdienen und nicht ausgeben. Die Kollegen der „Immobilien Zeitung“ haben explizit die „Nicht-Mipim-Fahrer“ als neue Zielgruppe entdeckt und verkaufen an diese ihre Mipim-Berichterstattung separat. Auch bei PLATOW wird der Mipim-Bekanntenkreis kleiner. Wenn wir selber mit unseren über 20 Mipim-Teilnahmen gefragt werden, halten wir uns mit unseren Empfehlungen auch eher an Radio Erivan. Wer sehr gut vorbereitet ist und einen vollen Verabredungskalender hat, kann auch ökonomisch von seiner Mipim-Teilnahme profitieren. Sonst macht die Mipim eher Spaß als Familientreffen der Branche mit Essen, Trinken und hoffentlich schönem Wetter.

In den Anfangsjahren der 90er-Jahre konnte man gut Kontakte knüpfen. Als Journalist war man überall locker willkommen. Aber seit den 2010er-Jahren hat sich das „professionalisiert“. Wer ohne Kontakte und Termine über die Messe läuft, kommt selten zu relevanten Gesprächen. PR-Berater versuchen die Kollegen in einer Art Speed-Dating für ihre Kunden abzuarbeiten. Oft bleiben die Regional-Stände in ihrer eigenen Regionalblase. Das sagt nur niemand, da ja die Kosten begründet werden müssen. Vorstände ziehen bis zu 50 Gespräche im 30 Minuten-Takt in zwei Tagen durch oder halten Hof auf Schiffen, auf die man ohne Einladung nicht kommt. Die angemieteten Schiffe, die dem Hafen-Flaneur ihre prallen Hinterteile entgegenstrecken, sind in einer Branche, die in den vergangenen fünf Jahren Anlegern, Aktionären und sonstigen Stakeholdern eher Unannehmlichkeiten verursacht hat, eher peinlich.

Vier deutsche Mipim-Award-Finalisten

Ohne echte Termin-Vorbereitung sind aus PLATOW-Sicht Gespräche eher schwierig zu bekommen oder zufällig. Mit Vorbereitung und internationalem Fokus kann man allerdings viele Reisekosten sparen. Andererseits wird die Mipim oft als Marktplatz für globale Kapitalströme gesehen. Besucher nennen häufig Netzwerkaufbau mit Investoren, Städten und großen Projektträgern, Markt- und Trendinformationen von führenden Köpfen sowie die Präsentation großer Entwicklungsvorhaben als Grund für ihr Kommen. Investoren wie Pensionsfonds oder Staatsfonds suchen nach stabilen Assets in unsicheren Zeiten.

Unter den diesjährigen Mipim-Award-Finalisten finden sich auch vier deutsche Projekte. Berlin ist mit dem „EDGE East Side Berlin“ vertreten, München mit dem „i8 – The Green Holistic Building“, Osnabrück mit dem „CIC – Coppenrath Innovation Centre“ und Straubing mit „Wooden Logistic Property“. Der Schwerpunkt hat sich auf Zukunftsthemen wie ESG, Digitalisierung, Rechenzentren/KI und Stadterneuerung verschoben. Inzwischen habe man sich an das New Normal der neuen Zinslandschaft gewöhnt. Jetzt stehe die Mipim im Zeichen „operativer Excellenz“.