Der Bedarf an Wohnheimplätzen für Studenten wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) fehlen im Jahr 2040 mehr als 200.000 Plätze. Schon heute decken die aktuell 241.000 Wohnheimplätze nur rund die Hälfte des Bedarfs.

Für die Prognose hat das IW die Zahl der Studenten bis 2040 auf Basis der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts geschätzt und mit der Unterbringungsquote multipliziert – dem Anteil der Studierenden, die in Wohnheimen leben. Dabei wurde eine leichte Verbesserung der Quote auf 15% unterstellt.

Falsche Angst vor leeren Wohnheimen

Um die Versorgungslücke zu schließen, seien hohe Investitionen nötig, die ohne staatliche Förderung kaum zu stemmen seien, betont IW‑Ökonom Philipp Deschermeier. Allein für die Sanierung würden rund 2,8 Mrd. Euro benötigt. In Nordrhein‑Westfalen sei ein Viertel aller Wohnheime sanierungsreif. Viele Träger scheuten Investitionen, weil sie „fälschlicherweise davon ausgehen, dass es künftig weniger junge Leute geben wird und sie dann mit leeren Wohnheimen dastehen könnten“, wie das IW schreibt. Der Bund stellt im Programm „Junges Wohnen“ seit 2023 jährlich 500 Mio. Euro für neue Wohnheimplätze bereit; ab 2027 soll der Betrag verdoppelt werden. Diese Förderung müsse dauerhaft gesichert werden, fordert Deschermeier.

Umstritten bleibt jedoch die Prognose selbst – vor allem die Entwicklung deutscher und ausländischer Studierender. Während die Zahl der deutschen Studienanfänger seit 2010 um 32,4% gesunken ist und die Zahl deutscher Studenten seit dem Höhepunkt 2021 von gut 2,5 Mio. auf unter 2,4 Mio. zurückging, hat sich die Zahl ausländischer Studenten seit 2010 von 250.000 auf knapp 500.000 verdoppelt.