Zwangsversteigerungen – Höhepunkt noch nicht erreicht
Um nochmals 4,7% gestiegen ist 2025 die Zahl der Zwangsversteigerungstermine. Der Höhepunkt dürfte damit aber noch nicht erreicht sein. Das sind die Gründe.

Die schwache Konjunktur hat 2025 zu einer weiteren Zunahme von Immobilien-Zwangsversteigerungen geführt. Insgesamt wurden in Deutschland 14.082 Immobilien (Vj.: 13.445) mit einem Verkehrswert von insgesamt 4,76 Mrd. Euro (+10,7%) zur Zwangsversteigerung aufgerufen. Nur rund 50% der eröffneten Zwangsversteigerungsverfahren gelangen tatsächlich in den Gerichtssaal. Der Rest wird vor der Versteigerung freihändig verkauft. Zu diesen Ergebnissen kommt die Ratinger Argetra, die regelmäßig die Daten aus fast 500 deutschen Amtsgerichten auswertet. Ein weiterhin relativ stabiler Arbeitsmarkt, laufende Stundungsverfahren und der Verkauf durch Eigentümer mit Zahlungsschwierigkeiten begrenzen die Zwangsversteigerungs-Dynamik. Der Höhepunkt könnte aber laut Argetra noch nicht erreicht sein.

Hohe Bauzinsen und eine schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung bleiben für Hausbesitzer eine Herausforderung, da Im Jahr 2016 die Hypothekenzinsen für 10-jährige Zinsfestschreibungen erstmals unter die Marke von 1% fielen. Die anschließende Niedrigzinsphase dauerte gut fünf Jahre. Das bedeutet, dass ab 2026 die ersten 10-jährigen Zinsfestschreibungen auslaufen, so Argetra. Die Restschulden müssen dann statt zu rund 1% zu knapp 4% Zinsen prolongiert werden.
Entsprechend sei 2026 mit einer weiteren Zunahme an Immobilienzwangsversteigerungen zu rechnen. Gleichzeitig falle es potenziellen Erwerbern zunehmend schwer, eigenes Immobilieneigentum zu erwerben. Der Anteil des Haushaltsnettoeinkommens, den Privatkunden beim Immobilienkauf im Schnitt für ihre Finanzierung aufwenden müssen, ist in den vergangenen drei Jahren auf mehr als 30% gestiegen.
Berlin hat die höchsten Verkehrswerte
Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland hat 20% Anteil am Gesamtversteigerungsmarkt. Die Termine konzentrieren sich in der Mitte Deutschlands, von West nach Ost. Betrachtet man die Anzahl der Termine pro 100.000 Haushalte, so ist die Zahl der anberaumten Zwangsversteigerungstermine in Thüringen (60) mehr als doppelt so hoch wie in Bayern (27). Durchschnittlich traf es bundesweit 34 (Vorjahr: 33) von 100.000 Haushalten.
Zwangsversteigert werden zu ca. 70% Wohnimmobilien mit dem Löwenanteil bei Ein- und Zweifamilienhäusern, gefolgt von Eigentumswohnungen. Den Rest von 30% teilen sich die Gewerbegrundstücke, Wohn- und Geschäftshäuser, Grundstücke und sonstige Immobilien. In Berlin wurden die höchsten Verkehrswerte mit durchschnittlich über 1,3 Mio. Euro je Immobilie aufgerufen. In Hamburg liegt der Durchschnitt bei 1,1 Mio. Euro. Der Bundesdurchschnitt lag bei 337.839 Euro (Vj.: 319.509 Euro). Thüringen bildet das Schlusslicht mit Durchschnittswerten von 100.000 Euro.