Zinsen – Soll und haben
Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Auch die Zinswende bekommt einigen gut, andere wiederum haben schwer zu leiden. Vor allem die Immobilienwirtschaft ist am Boden, weil dort der Hebel am größten ist.
Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Auch die Zinswende bekommt einigen gut, andere wiederum haben schwer zu leiden. Vor allem die Immobilienwirtschaft ist am Boden, weil dort der Hebel am größten ist.
Bei möglichen IPO-Kandidaten aus dem Bankensektor denken die meisten sofort an die Oldenburgische Landesbank (OLB). Schließlich wird von einem bevorstehenden Börsengang schon seit Jahren getuschelt, seit einer Weile sind die Pläne auch offiziell.
Um es vorweg zu sagen: Der seit 1.1.2022 als Präsident der Deutschen Bundesbank amtierende Joachim Nagel (57) ist so selbstbewusst, sich mit niemandem vergleichen zu lassen. Auch nicht mit Karl Otto Pöhl, dem unvergessenen „Übervater“ unter den Bundesbankpräsidenten.
Viele Freunde unter deutschen Politikern und Investoren hat sich René Benko zuletzt nicht gemacht.
Dass es bald nur noch seitwärts statt bergab gehen könnte, fühlt sich fast wie eine frohe Botschaft an.
Das jüngst veröffentlichte Protokoll zur letzten Zinssitzung der Fed zeigt, dass die meisten Notenbanker der Inflationsbekämpfung Priorität einräumen, was die Märkte prompt auch belastet hat.
Die Aareal Bank ist das Problem nun los. Bei der H1-PK (10.8.) atmete Vorstandschef Jochen Klösges hörbar auf, als er vom Verkauf der restlichen Russland-Aktiva im Wert von immerhin 35 Mio. Euro berichtete.
Wohl dem, der auch mal das Standbein wechseln kann. Immobilienlastigen Finanzvermittlern bleibt im aktuellen Umfeld nichts anderes übrig, als nach vielen fetten Jahren den Gürtel enger zu schnallen; bestes Beispiel war kürzlich die Gewinnwarnung bei Hypoport (s. PLATOW Börse v. 1.8.).
Viel braucht es nicht, um Europas Banken zittern und deren Aktienkurse einbrechen zu lassen. Steigende Zinsen, eine mehr oder weniger populistische Regierung, ob links (Spanien) oder rechts (Italien), und das alte Feindbild der gierigen Banken und fertig ist die Gewinnabschöpfungssteuer.
Es ist kein Zufall, dass es gerade jetzt viele Anzeichen gibt, die belegen, dass sich Deutschland im Wettbewerb mit anderen westlichen Ländern auf der Verliererstraße befindet.
Den Namen des niederländischen Kooperationspartners der Oldenburgischen Landesbank muss man nicht als Warnung verstehen. Tulp heißt das 2015 gegründete Immobilienfinanzierungs-Fintech aus Utrecht, mit dem die Niedersachsen seit vergangenem Jahr zusammenarbeiten; dabei an die „Tulpenmanie“ im 16. Jahrhundert zu denken, führt allerdings aufs falsche Gleis. Denn für die OLB läuft die Kooperation bisher denkbar positiv, wie die H1-Bilanz zeigt.
Die Bundesbank bündelt ihre bankweite Zusammenarbeit zu den Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel sowie die damit verbundenen finanziellen Risiken für Institute und Wirtschaft künftig in einer eigenen Nachhaltigkeitsabteilung.
Rapider Zinsanstieg und eine sich verfestigende Rezession in Deutschland setzen vor allem den vor Ort verwurzelten kleinen und mittelgroßen Instituten, darunter viele Sparkassen, mehr zu als zuletzt gedacht.
Es war sicher kein Zufall, dass gleich mehrere europäische Großbanken schon vor der Publikation der Stresstest-Ergebnisse am Freitagabend (28.7.; nach unserem Redaktionsschluss) neue Aktienrückkaufprogramme ankündigten. Müssen Aktienrückkäufe von Banken doch von der EZB genehmigt werden.
In den einschlägigen Online-Portalen überbieten sich die Institute derzeit mit immer höheren Zinsen auf Einlagen. Da können die Sparkassen, die noch viele langfristige Mittelstandskredite aus der Niedrigzinsphase auf ihren Büchern haben, nur schwer mithalten. Im ersten Halbjahr sind die privaten Kundeneinlagen bei den 50 baden-württembergischen Sparkassen um 500 Mio. Euro (-0,4%) zurückgegangen.
Trotz des um 9% auf 1,4 Mrd. Euro gesunkenen Vorsteuergewinns schlug sich die Deutsche Bank im zweiten Quartal deutlich besser als erwartet. Dazu trugen vor allem der von den höheren Zinsen angetriebene Anstieg der Erträge um 11% auf 7,4 Mrd. Euro und ein vergleichsweise nur moderater Dämpfer im Investmentbanking bei.
Sichtlich zufrieden klang CFO Lars Machenil im Analystencall, als er Donnerstagnachmittag (27.7.) die Q2-Bilanz von BNP Paribas vorstellte. Frankreichs größte Bank sei nach dem Gj. 2022 kein „One Trick Pony“ und habe dank eines starken Business-Modells signifikantes org. Wachstum erzielen können, das selbst den 7,6 Mrd. Euro (110 bps. des CET1) schweren Verkauf der amerikanischen Bank of the West ausgleiche: „Wir sind eine der wenigen europäischen Banken, die langfristig aus eigener Kraft wachsen können.“
Wie erwartet, hat die EZB die Leitzinsen abermals um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Zuvor hatte bereits die US-Notenbank Fed die Zinsen ebenfalls um 25 Basispunkte angehoben. Dennoch ist es für die EZB und die Fed immer noch zu früh, den Kampf gegen die Inflation für beendet zu erklären.
Grimmige Einigkeit demonstrierten im Q2 Kreditgeber und -nehmer in Deutschland und in der gesamten Eurozone: Wie EZB und Bundesbank per Bank Lending Survey mitteilen, wurden nicht nur die Kreditkonditionen abermals verschärft, auch die Nachfrage gab weiter nach. Zumindest für Deutschland ist das ein Ergebnis, mit dem die Zentralbanker noch vor ein paar Monaten selbst nicht gerechnet hatten.
Risikovorstände sind derzeit eine begehrte Spezies, bei der die Bankenaufsicht besonders genau hinschaut. Das bekam zuletzt die Commerzbank schmerzhaft zu spüren, die ihren Kandidaten Rüdiger Rass nicht bei der EZB-Bankenaufsicht durchbekommen hat und seither erneut nach einem Nachfolger für den zum Jahresende aus dem Amt scheidenden Marcus Chromik fahndet. Fündig geworden ist indes die Helaba.
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