Protokoll offenbart Kluft im EZB-Rat
Heftig gerungen hat der EZB-Rat auf seiner jüngsten Sitzung im Juli um die Neuformulierung seines Zinsausblicks (Forward Guidance).
Heftig gerungen hat der EZB-Rat auf seiner jüngsten Sitzung im Juli um die Neuformulierung seines Zinsausblicks (Forward Guidance).
Den Deckel draufmachen will DSGV-Präsident Helmut Schleweis auf den Kompromiss zur von der EZB-Bankenaufsicht geforderten Reform der Institutssicherung. Am Freitag (27.8.) um 11 Uhr trifft sich die Mitgliederversammlung des DSGV, um den nach zähem Ringen gemeinsam von Sparkassen und Landesbanken ausbaldowerten Vorschlag abzusegnen.
Nach der Finanzkrise hatten sich Politik und Aufsichtsbehörden vor allem darauf konzentriert, die klassischen Banken in ein enges Regulierungskorsett mit hohen Eigenkapitalanforderungen und einem ausgefeilten Berichtswesen zu stecken.
Auch die Sparda-Banken haben damit begonnen, ihre Gebühren zu erhöhen. Dabei halten sie sich brav an das formale Prozedere, wie es seit dem BGH-Gebührenurteil üblich ist und fordern aktiv die Zustimmung bei ihren Kunden ein.
Über mangelnde Nachfrage können sich die deutschen Autohersteller nicht beklagen. Doch statt unter Volllast zu produzieren, stehen bei VW, Audi und Daimler die Bänder weitgehend still. Es fehlt an Speicherchips, ohne die bei den mit Fahrassistenzsystemen und Unterhaltungselektronik vollgestopften Autos nichts mehr geht.
Die mit Spannung erwartete diesjährige Jackson Hole-Konferenz im US-Bundesstaat Wyoming (26. bis 28.8.) wird weitgehend ohne ausländische Notenbanker-Prominenz stattfinden. EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird der Veranstaltung ebenso fernbleiben wie Bank of England-Chef Andrew Bailey. Die hohen Infektionszahlen in den USA lassen nur ein abgespecktes Präsenz-Format zu.
Tief in den Abgrund geblickt haben die Mitglieder des DSGV-Gesamtvorstands am vergangenen Mittwoch, als sie sich die Folgen eines Scheiterns der von der EZB-Bankenaufsicht geforderten Reform des Einlagensicherungssystems der Sparkassen-Organisation vor Augen führten.
Zumindest die institutionellen Investoren scheinen mit Blick auf die Core-Märkte und die Corona-Folgen entspannt. Das zumindest lässt sich aus den Erholungstendenzen des JLL Valuation Performance Indicators, Victor Prime Office, für das Q2 schließen. Offen bleibt allerdings, ob das aus Überzeugung oder mangels Alternativen geschieht. Anlagedruck treibt die Jahresperformance aus Miete (2,9%) und Wertsteigerung (5,5%) trotz Corona auf 8,4% in den beobachteten Top 5-Märkten.
Nach der spektakulären Entscheidung für den Wechsel der zum öffentlich-rechtlichen Lager gehörenden DKB in die private Einlagensicherung kündigt die BayernLB ihrer Tochter nach unseren Informationen zeitnah die Patronatserklärung. Hintergrund ist, dass die BayernLB damit Hunderte Mio. Euro spart.
Immerhin eine gute Nachricht hatte Manfred Knof diese Woche zu verkünden: Den EZB-Stresstest hat die Commerzbank mit ordentlichem Ergebnis absolviert, einen Tick besser sogar als die Deutsche Bank. Im Vergleich mit seinem Pendant Christian Sewing, der jeden Tag drei Kreuze machen dürfte, dass er die Commerzbank trotz großem politischen Druck vor zwei Jahren nicht überteuert gekauft hat, kann Coba-Chef Knof ansonsten aber nicht punkten.
Immer mehr deutet darauf hin, dass sich die im Juli auf 3,8% und damit dem höchsten Stand seit 25 Jahren gestiegene Inflation im Gegensatz zu den Erwartungen der EZB nicht so schnell verflüchtigen wird. Die am Horizont immer deutlicher erkennbaren Gefahren einer sich entwickelnden Lohn-Preis-Spirale sind nicht mehr von der Hand zu weisen. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, was in einem Juli sehr ungewöhnlich ist. Derzeit sind in Deutschland nur noch 316 000 mehr Menschen arbeitslos als es ohne Pandemie der Fall gewesen wäre.
Peter Schneider, der starke Verbandschef der Südwest-Sparkassen, hat beim Pressegespräch in Stuttgart mal wieder klare Worte zu Großbaustellen im Sparkassen-Lager gefunden. Von der EZB wünscht er sich etwa die Möglichkeiten, Geld zu Negativzinsen zu parken, zu vergrößern. Im Ländle könnten sich die Sparkassen vor Einlagen kaum retten.
Die Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW hat auch die Prioritäten in der Sparkassen-Organisation verschoben. In den Überschwemmungsgebieten wurden mehrere Sparkassen-Filialen durch die Schlamm- und Geröllmassen derart beschädigt, dass sie nicht mehr genutzt werden können. Eine Filiale in Rheinland-Pfalz soll von den Regenfluten sogar komplett weggespült worden sein.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte es schon im Vorfeld der Ratssitzung geahnt, dass die Anpassung des Zinsausblicks (Forward Guidance) an die kürzlich verkündete neue geldpolitische Strategie auf Widerstand stoßen wird. Der Beschluss sei nicht einstimmig, aber mit „überwältigender Mehrheit“ gefasst worden, verriet Lagarde im Anschluss an die EZB-Zinssitzung.
Die privaten Haushalte in Deutschland sind so reich wie noch nie. Nach Angaben der Bundesbank wuchs das Geldvermögen der privaten Haushalte im ersten Quartal um 192 Mrd. Euro auf 7 143 Mrd. Euro. Damit überschritt das Geldvermögen erstmals die Marke von 7 Billionen Euro.
Wenn es um Wirtschaft, Finanzen und Politik geht, ist Friedrich Merz in seinem Element. Das war deutlich spürbar, als er am Montagabend beim „Zukunftsforum Finanzplatz Frankfurt“ der CDU in Hessen einen seiner ersten Live-Auftritte hinlegte, einen Themenwahlkampf anmahnte und den Bogen von so drängenden Fragen wie dem Klimaschutz, den Kollateralschäden der EZB-Geldpolitik bis hin zur fehlenden Tragfähigkeit der Altersvorsorge vieler Deutscher spannte.
Der Inflationsspuk sei noch nicht vorbei, kommentiert Analyst Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe den überraschend kräftigen Anstieg der Teuerungsrate in den USA. Um schwindelerregende 5,4% erhöhten sich im Juni die Verbraucherpreise in den USA im Vergleich zum Vorjahresmonat. Gegenüber dem Vormonat beschleunigte sich der Preisauftrieb um 0,9%.
Schon auf der nächsten Zinssitzung des EZB-Rats am 22.7. soll die neue geldpolitische Strategie gelten, die Präsidentin Christine Lagarde am vergangenen Donnerstag präsentierte. Die Diskussion beherrschen dürfte jedoch die Frage, ob die EZB den Kapitalmarkt auf ein baldiges Abbremsen des seit dem zweiten Quartal deutlich erhöhten Kauf-Tempos im Rahmen des Pandemie-Notkaufprogramms PEPP einstimmen soll.
Dass er trotz Corona eine so gute 2020er Bilanz vorstellen kann, hat selbst Oliver Klink, Chef der Taunus Sparkasse, überrascht, wie er jetzt auf der virtuellen Bilanz-PK gestand. Der kräftige Sprung der Bilanzsumme von 29% auf 7,6 Mrd. Euro geht zu einem gewichtigen Teil (1,1 Mrd. Euro) zwar auf das Konto des TLTRO-Programms der EZB. Doch auch darum bereinigt stünde ein Plus von 10% zum Vj. zu Buche, betonte Klink.
Fast eineinhalb Jahre kreiste der EZB-Rat, um eine neue geldpolitische Strategie zu gebären. Herausgekommen ist der erwartete Minimal-Konsens zwischen den stabilitätsorientierten „Falken“ um Bundesbank-Chef Jens Weidmann und den geldpolitischen „Tauben“ um EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
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