US-Banken – Eine Frage der Erwartungen
Nach J.P. Morgan und Morgan Stanley melden auch Wells Fargo und die Citigroup herbe Gewinnrückgänge für das zweite Quartal.
Nach J.P. Morgan und Morgan Stanley melden auch Wells Fargo und die Citigroup herbe Gewinnrückgänge für das zweite Quartal.
Rückschlag für die bislang so erfolgsverwöhnten US-Großbanken. Mehr Risikovorsorge, geringe M&A-Aktivitäten und turbulente Kapitalmärkte haben den Dickschiffen J.P. Morgan und Morgan Stanley im zweiten Quartal zu schaffen gemacht.
Trotz des anhaltend widrigen Kapitalmarktumfelds sind VW und die Haupteigentümer-Familie Porsche-Piëch fest entschlossen, den für Herbst geplanten Börsengang der Sportwagen-Tochter Porsche AG durchzuziehen. Dem aktuellen Zeitplan zufolge soll die endgültige Entscheidung im September fallen.
Die EZB-Sondersitzung (s. S. 1) war noch kein Thema, als Anfang der Woche Investmentbanker von JP Morgan und Anwälte von Freshfields Bruckhaus Deringer beim Makroökonomie-Roundtable beisammensaßen.
Jamie L. Dimon (66), seit 2005 im Amt, wird nicht mehr lange uneingeschränkter Herrscher bei der größten US-Bank sein. Sein aktueller Vertrag läuft bis 2023. Ob die vielen guten Jahre an der Spitze von JP Morgan, vor allem während der Finanzkrise, von einem schalen Ende überschattet sein werden, ist noch nicht ganz ausgemacht.
Die Freundschaftsbekundungen Xi Jinpings für seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin kurz nach dessen Überfall auf die Ukraine haben Industrie und Banken aufgeschreckt. Die Sorge, dass die Ukraine Xis Schablone für einen Überfall auf Taiwan sein könnte, macht seither die Runde. Offen darüber reden möchte gerade bei den Banken niemand. Jamie Dimons Kotau Ende November ist allen noch gut in Erinnerung. Nach einer flapsigen Bemerkung über die chinesische KP Ende November musste sich der JP Morgan-Chef umgehend entschuldigen.
Am Freitag (14.1.) haben in der Zentrale der Deutschen Bank mit Sicherheit nicht die Sektkorken geploppt. Anlass zu überbordender Traurigkeit boten die Vorgaben, die die Vermögensverwaltungstochter DWS und die großen US-Konkurrenten um JP Morgan, Wells Fargo und Citigroup mit ihren Q4-Zahlen lieferten, aber auch nicht. Der Weg zurück zum Erfolg, den Konzernchef Christian Sewing mit einer fokussierten Strategie seit 2018 geht, bleibt steinig. Von Rückenwind werden nur Teilbereiche verwöhnt.
In seinem Ausblick für 2022 gab sich Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet, im Rahmen eines Webcasts verhalten optimistisch, keineswegs bullish, wie Kollegen von JP Morgan. Die Wirtschaftsaktivität werde aufgrund der vierten Corona-Welle nur etwas später auf das Vorpandemieniveau zurückkehren.
Seit durchsickerte, dass die Software AG strategische Optionen auslotet, zu denen auch ein Verkauf gehören soll, verspürt die Aktie der Darmstädter unverhofften Aufwind. Mit J.P. Morgan soll sogar bereits eine Investmentbank mandatiert sein, um vor allem Private Equity-Investoren für ein Engagement bei der zweitgrößten deutschen Software-Schmiede zu gewinnen. Die Software AG leidet seit Jahren unter chronischer Wachstumsschwäche. Daran hat sich auch unter dem seit 2018 amtierenden Vorstandschef Sanjay Brahmawar, der mit viel Vorschusslorbeeren zu dem MDAX-Wert gelotst wurde, nur wenig geändert.
Wie prognostiziert, hat UBS-Chef Ralph Hamers im Q3 das gute, von Sondereffekten zusätzlich gestützte Ergebnis des Vorjahres noch übertroffen (s. PLATOW v. 22.10.). Mit einem Gewinn von 2,3 Mrd. Dollar (+9%) wurden die Markterwartungen z. T. deutlich überboten. Langsam wird deutlich, dass die unter seinem Vorgänger Sergio Ermotti gesteckten Ziele viel zu bescheiden waren.
Der Deutschen Bank stehen entscheidende Monate bevor. Wohl zur AR-Sitzung im Dezember wird die mit dem Suchprozess beauftragte Aufsichtsrätin Mayree Clark dem Gremium einen neuen Oberaufseher vorschlagen. Amtsinhaber Paul Achleitner hatte kürzlich angedeutet, dass sich die Deutsche Bank auch extern umsieht.
Nach JP Morgan am Mittwoch folgte am Donnerstag mit Bank of America, Morgan Stanley, Citi und Wells Fargo fast der gesamte Reigen der Finanz-Oberliga der USA mit Q3-Ergebnissen. Am heutigen Freitag steht noch Goldman Sachs an. Beim Blick auf die Zahlen fallen vor allem die hohen Auflösungen von Risikorückstellungen aus dem Vorjahr auf (u.a. 1,1 Mrd. Dollar bei BoA und 1,4 Mrd. Dollar bei Wells Fargo).
DAX-Aufsteiger Delivery Hero machte zuletzt bei institutionellen Investoren mit zwei Wandelanleihen im Gesamtvolumen von insgesamt 1,25 Mrd. Euro von sich Reden. Wie schon zuvor setzten die vom Berliner Lieferdienst mandatierten Banken auch dieses Mal wieder auf die Kompetenz der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer.
Noch bis zum 20.9. um Mitternacht läuft die erste Annahmefrist für die neue Offerte des Wohnungskonzerns Vonovia zur Übernahme des Berliner Rivalen Deutsche Wohnen. Diesmal will Vonovia-Chef Rolf Buch nichts dem Zufall überlassen. Ende Juli waren die Bochumer knapp an der Mindesannahmequote von 50% gescheitert. Lediglich 47,6% der Deutsche Wohnen-Aktien wurden der Vonovia angedient.
Wer sein Aktiendepot auf Deutschland ausrichtet, für den sind Banken seit Jahren ein rotes Tuch. Allenfalls die Deutsche Bank, die nach den massiven Eingriffen von Christian Sewing zuletzt zumindest mit ihrer Performance beim Aktienkurs (YtD: 21,64%) international wieder mithalten kann, wird langsam für den Anleger interessant.
Siemens hat über die niederländische Finanzierungstochter Siemens Financieringsmaatschappij eine Anleihe im Gesamtvolumen von 10 Mrd. US-Dollar emittiert – für den Konzern die bislang größte der Unternehmensgeschichte sowie die zweitgrößte US-Dollar-Finanzierung eines deutschen Unternehmens seit 2000.
Dass der EU-Austritt Großbritanniens den Status Londons als europäische Finanzhochburg ins Wanken bringen würde, haben Experten früh prognostiziert. Der Aderlass, den die britische Metropole seit dem Brexit zu spüren bekommt, ist aber stärker als viele vermutet hatten. Die Londoner Denkfabrik New Financial zieht erneut eine Zwischenbilanz zur Entwicklung des Londoner Finanzmarktes und zählt 440 Firmen, die ihre Aktivitäten aus UK in die EU verlagert haben. Bei der vorherigen Zählung 2019 waren es erst 269 gewesen.
Gerade mal sechs Wochen sitzt Jane Fraser auf dem Chefsessel bei Citi. Mit dem angekündigten Rückzug aus dem Retailgeschäft aus 13 Ländern im fernen und nahen Osten hat sie aber bereits eine erste Duftmarke gesetzt.
Dass HSBC Deutschland-Chefin Carola von Schmettow (57) ihr Amt Ende April niederlegt, hat vordergründig auch mit dem Ausstieg der LBBW bei den Düsseldorfern zu tun. Die Schwaben hatten 2020 ihren 19%-Anteil gut an HSBC verkaufen können. Im Januar folgte der Squeeze out. Seither können die Briten auch offiziell durchregieren. Die Leine soll noch kürzer geworden sein.
Keine großen Neuigkeiten gibt es in dieser Woche zu unseren beiden aktiv gemanagten wikifolios. Die Positionierung ist unverändert „einfach Long“ und der DAX befindet sich nach seinem kurzen Ausflug auf ein neues Allzeithoch in der vergangene Woche avisierten Konsolidierungsphase.
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