Ab 1. Januar 2027 kommt das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot – und die Fintechs positionieren sich. Bei vielen Anbietern von Investmentprodukten laufen derzeit die Vorbereitungen. Nicht jeder legt sich bereits fest.

Die Neobroker Trade Republic und Scalable Capital bestätigen auf Anfrage, dass sie das Altersvorsorgedepot anbieten werden. Mit Details halten sie sich jedoch noch zurück. Trade Republic-Chef Christian Hecker kündigt das „beste Altersvorsorgedepot am Markt“ an. „Leicht zugänglich, für jedermann verständlich und mit den niedrigsten Kosten.“ 

Smartbroker wird konkreter: Geplant sind mehrere förderfähige Produkte – ohne Garantien und Verrentung in der Auszahlungsphase. „Wir werden alle Anlageklassen anbieten, die der Gesetzgeber zulässt“, sagt Smartbroker-Vorstand Thomas Soltau. Die Kosten für das Standarddepot sollen deutlich unter dem gesetzlichen Kostendeckel von 1% liegen. 

Quirion plant ebenfalls ein Depot ohne Garantien. Der Robo-Advisor der Quirin Privatbank prüft noch, ob er in der Auszahlungsphase sowohl Auszahlungspläne als auch Verrentung anbieten will. Bei den Kosten will sich Quirion an seinen bisherigen Jahreskosten in Höhe von 0,48% orientieren. Chief Innovation & Product Officer Matthias Lamberti sieht das als Fortsetzung des bisherigen Ansatzes: kostengünstig und verständlich.

White-Label-Lösungen und ETFs 

Einige Fintechs planen sogenannte White-Label-Lösungen: Andere Unternehmen wie Banken oder Versicherer können das Angebot nutzen, um ihren Kunden ein Altersvorsorgedepot im eigenen Markenauftritt anzubieten, ohne selbst die Infrastruktur dafür ausrollen zu müssen.  

Die Plattform Xaver, die Altersvorsorge als Service für Banken, Versicherer, Finanzvertriebe und andere Unternehmen anbietet, ist mit ihrer White-Label-Lösung schon sehr fortgeschritten. Mitte Mai kündigte das Fintech eine erste Partnerschaft mit Oddo BHF Asset Management an, weitere werden folgen. Im zweiten Halbjahr 2026 will die Gesellschaft ihren Partnern einen Riester-Vergleichs- und Wechselservice anbieten, ergänzt durch ein Brückenprodukt, das zum Jahreswechsel automatisch in ein gefördertes Altersvorsorgedepot überführt wird. Vieles bestimmen die Kunden selbst: Produktvariante, Portfoliologik, Kosten, Branding, Abschlussstrecke, Vertrieb, Vergütung.

Für die Auszahlungsphase bietet Xaver sowohl befristete Auszahlungspläne als auch eine lebenslange Leibrente an. Für die Rente ist eine Zusammenarbeit mit einem Versicherer notwendig. Im Nicht-Standard-Depot sollen auch Investitionen in das Fondsformat Eltif möglich sein. Die Kosten liegen beim Standard-Depot bei rund 0,4%, beim Nicht-Standard-Depot bei 0,6%.  

Netzwerk mit prominenten Banken als Partner

Auch der digitale Vermögensverwalter Ginmon tüftelt derzeit neben einem Altersvorsorgedepot für die eigenen Privatkunden an einer White-Label-Lösung für Unternehmen. „Unsere Zielgruppe sind Banken, Versicherer, Asset Manager im Direktvertrieb, aber auch unabhängige Vermögensberater und Vertriebsorganisationen“, sagt Ginmon-Gründer und Geschäftsführer Lars Reiner. Dabei verspricht er einen pünktlichen Start. Reiner erwartet eine Marktaufteilung bereits am ersten Tag – und setzt darauf, dass viele große Unternehmen zu langsam sind. Für das White-Label-Produkt veranschlagt Ginmon eine Pauschale, die sich nach dem Volumen richtet und wettbewerbsfähig zu Fintech-Angeboten sein soll. 

NaroIQ verfolgt einen anderen Ansatz: Das im Bereich ETF-Infrastruktur tätige Fintech war Anfang Mai an der Auflage des „Acatis Altersvorsorgedepot Ucits ETF“ durch Acatis beteiligt. Der aktive ETF setzt sich aus rund 50 Aktien zusammen, die alle 3 Monate umgeschichtet werden. Die Kosten liegen bei 0,7%. NaroIQ war als Technologie-Dienstleister dafür zuständig, die Partner von Acatis anzubinden – darunter die Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank als Verwahrstelle und Universal-Investment als Fondsadministrator. Laut Gründer Chris Püllen lässt sich dieses Vorgehen übertragen: Teure Fonds lassen sich in günstigere ETFs umwandeln oder neue ETFs auf bestehender Infrastruktur auflegen.

Verschiedene Strategien bei Private Markets  

Im Nicht-Standarddepot sind auch Investitionen in Private Markets begrenzt möglich, zum Beispiel in Eltifs. Im Bereich Private Markets tätige Fintechs verfolgen hierbei jedoch verschiedene Strategien: Während Moonfare kein eigenes Produkt für das Altersvorsorgedepot plant, will Nao direkt am 1. Januar an den Start gehen. Dafür arbeitet Nao derzeit an passenden Produkten, die auf bestehenden Eltifs von Partnern wie Hamilton LaneArk InvestGoldman Sachs Asset Management oder der Partners Group basieren. 

Außerdem entwickeln Nao ein diversifiziertes Produkt für das Standarddepot, in dem keine Eltifs erlaubt sind. „Wir wollen eine Spezialistenrolle für den Privatmarkt-Teil übernehmen und arbeiten an Lösungen, die private und öffentliche Märkte miteinander verbinden“, sagt Nao-Gründer und Geschäftsführer Robin Binder. Das neue Vorsorgedepot macht erfinderisch.