Europas Asset Manager verwalten mittlerweile 20 Billionen Euro – doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Der Sektor ist dreimal schneller gewachsen als die Banken. Und er ist stärker konzentriert: Die 15 größten Asset Management-Gruppen kontrollieren allein 6,3 Billionen Euro, über die Hälfte des Marktes. Nur eine Sache ist nicht mitgewachsen: die Aufsicht. Die funktioniert noch immer national – obwohl die Fondsriesen grenzüberschreitend agieren und ihre Probleme ganz Europa treffen würden.

Vor knapp zwei Jahren warb EZB-Präsidentin Christine Lagarde bereits für eine europäische Börsenaufsicht nach dem Vorbild der US Wertpapieraufsicht SEC. Auch beim jüngsten EU-Gipfel diskutierten die Staats- und Regierungschefs über die Kapitalmarktunion. Die Kommission hatte im Dezember in ihrem Marktintegrations-Paket vorgeschlagen, die EU-Wertpapieraufsicht ESMA mit direkter Aufsicht über Clearinghäuser, Zentralverwahrer und Handelsplätze auszustatten. Für große Asset Manager sieht sie jährliche ESMA-Überprüfungen vor.

Lücken durch nationale Aufsicht

Jetzt legen Experten der EZB nach – mit einem Vorstoß speziell für Asset Manager. In einem Blog-Beitrag argumentieren sie: Die EU-Wertpapieraufsicht ESMA sollte Aufsichtskollegien für die 10 bis 15 systemrelevanten Asset Manager koordinieren und nationale Aufseher an einen Tisch bringen. „Risiken kennen keine Grenzen“, heißt es in dem Beitrag. Die nationale Aufsicht schaffe „Lücken“, gefährde die Stabilität und verteure Fonds für Anleger.

Das Problem: Die Fonds von BlackRock, Amundi oder DWS sitzen meist in Luxemburg oder Irland. Die dortigen Behörden beaufsichtigen sie. Aber 90% der Anleger kommen aus anderen Ländern, das Kapital fließt quer durch Europa. Nationale Aufseher sehen nur ihren Ausschnitt. Die Länder, die ein Crash treffen würde, können nicht eingreifen.

Turbulenzen 2020 als Warnung

Als warnendes Beispiel nennen die Experten die Turbulenzen im März 2020. Damals zogen Anleger panisch Geld aus Fonds ab – was dazu führte, dass Asset Manager massenhaft Wertpapiere verkaufen mussten. Letztendlich mussten die Zentralbanken eingreifen, um den Kollaps zu verhindern. Aus Sicht der EZB-Experten hat die Stresssituation die Schwächen nationaler Aufsicht offengelegt: Risiken stoppen nicht an Grenzen. Probleme können weit entfernt vom Sitz des Fonds entstehen – außerhalb der Reichweite seines nationalen Aufsehers. Nationale Aufseher übersehen Ansteckungsgefahren für andere Länder. Und Länder, die Stress im Fondssektor treffen würde, beaufsichtigen die relevanten Fonds oft gar nicht. Sie können Risiken nicht frühzeitig erkennen. Eine koordinierte Aufsicht könne die Widerstandsfähigkeit stärken.

Hinzu kommt die Bankenverflechtung: Viele Asset Manager gehören zu Banken, Fonds finanzieren Banken mit. Stress im Fondssektor trifft die Banken und damit die EZB als Aufseherin.

Ein weiteres Argument: Koordinierte Aufsicht würde die Kapitalmarktunion stärken. Heute legen nationale Aufseher EU-Regeln unterschiedlich aus. Ein Fonds, der in mehreren Ländern vertrieben werden will, kämpft sich durch verschiedene Anforderungen. Das schafft Barrieren, erhöht Compliance-Kosten und verhindert Skaleneffekte. Einheitliche Aufsicht würde diese Hürden abbauen. Fonds könnten europaweit leichter vertrieben werden, größere Volumina erreichen – und durch Skaleneffekte günstiger für Anleger werden.

Fondsbranche skeptisch

Die EZB-Experten schlagen vor: Die ESMA koordiniert Aufsichtskollegien – Gremien, in denen nationale Aufsichtsbehörden zusammensitzen und sich auf einen „europäischen Ansatz“ verständigen. Darin arbeiten nur die Aufseher jener Länder mit, in denen die jeweilige Asset Management-Gruppe präsent ist. Kleinere, hauptsächlich national tätige Manager bleiben unter rein nationaler Aufsicht.

Die Vorschläge der EZB dürften in der Branche auf Skepsis stoßen. Sie lehnt auch die Kommissionspläne aus dem Marktintegrations-Paket ab. Bei den Großbanken gibt es seit 2014 eine gemeinsame Aufsicht durch die EZB. Bei Fonds geht es zunächst um koordinierte Zusammenarbeit. Ob selbst das kommt, ist offen.