Im Poker um die Zukunft der Commerzbank hat die Bundesregierung ihren Bluechip auf den Tisch gelegt. Nicht offiziell, sondern offensichtlich bewusst lanciert über Medien. Es ist der Versuch der Bundesregierung, den bislang widerstrebenden Unicredit-Lenker Andrea Orcel mit der Aussicht auf den möglichen Erwerb des Bundesanteils (12,7%) an den Verhandlungstisch mit dem amtierenden Commerzbank-Vorstand um CEO Bettina Orlopp zu locken. Wenn sich beide Banken auf eine gemeinsame Strategie einigen können, sei der Bund offen, über einen Verkauf seiner Commerzbank-Anteile an Unicredit zu verhandeln, ließen „hochrangige Regierungsvertreter“ die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ wissen.

Dahinter steckt die klare Botschaft an Orcel: Der Weg zum Bundesanteil an der Commerzbank führt zwingend über Frankfurt. Ohne eine vorherige Einigung mit dem Commerzbank-Management über die künftige Strategie insbesondere im Mittelstandsgeschäft sowie Standort- und Beschäftigungsgarantien braucht Orcel in Berlin gar nicht erst anzuklopfen, lautet der Subtext. Seit der Kapitulation der Commerzbank im Übernahmekampf mit Unicredit hat sich auch für Berlin das Koordinatensystem verschoben. Die Kontrollübernahme durch die Italiener ist nicht mehr zu verhindern, jetzt kann es für die Bundesregierung nur noch darum gehen, ihren Commerzbank-Anteil möglichst geschickt ins Spiel zu bringen, um Orlopps schwache Verhandlungsposition zu stärken, damit sie bei Orcel noch möglichst viel herausholen kann.

Der Ball liegt in Mailand

Die Tür für Verhandlungen stehe offen, heißt es bei der Commerzbank. Jetzt sei es an Orcel, auch hindurchzugehen. Doch seit dem Video-Call zwischen Orlopp und dem Unicredit-Vorsteher am Tag nach der Präsentation der Commerzbank-Halbjahreszahlen herrscht auf höchster Ebene erneut Funkstille. Miteinander gesprochen wird derzeit lediglich auf Arbeitsebene. Dabei geht es vor allem um technische Themen zur Vorbereitung der von der EZB verlangten Vollkonsolidierung der Commerzbank in die Konzernbilanz der Italiener.

Für Unicredit ist das die erstmalige Gelegenheit, einen tiefen Blick in das Zahlenwerk hinter den offiziell publizierten Bilanzdaten der Commerzbank zu werfen. „Die holen jetzt die Due Diligence nach“, sagt ein Insider. Besonders aufmerksam sollen die Unicredit-Experten die Ertragsströme und Kosten der von Orcel kritisch beäugten Auslands- und Immobilienaktivitäten hinterfragt haben, um sich ein genaueres Bild vom Geschäftsmodell der Commerzbank machen zu können.

Werben für Erhalt der Auslandsstützpunkte

Das hat bei den Frankfurtern zumindest ein wenig die Hoffnung geweckt, dass bei den Italienern das Verständnis für die essenzielle Bedeutung der Auslandsstützpunkte für das Mittelstandsgeschäft wächst, wenn sie detailliert sehen, welche Erträge davon abhängen. Der Streit um das umfangreiche Auslandsnetzwerk der Commerzbank, das Orlopp unbedingt retten will, Orcel aber für verzichtbar hält, gilt als der schwierigste Knackpunkt bei möglichen Übernahmeverhandlungen.