Commerzbank – Orlopp kämpft um ihr Vermächtnis
Commerzbank-Chefin Orlopp hat erstmals ihren Rückzug angedeutet. Zugleich beschwor sie die Stärke der Commerzbank. Dabei dürfte es ihr auch um die Deutungshoheit über ihr Vermächtnis gehen.

Nach der verlorenen Übernahmeschlacht kämpft Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp um den Erhalt des Geschäftsmodells der Frankfurter – und um ihr Vermächtnis. Erstmals hat Orlopp auf dem „Handelsblatt Banken-Gipfel“ öffentlich einen möglichen Rückzug von ihrem Posten angedeutet. Wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat sowie ein gemeinsames Verständnis über die Strategie nicht mehr gegeben seien, müsse man daraus die Konsequenzen ziehen, sagte sie. Tatsächlich ist es kaum vorstellbar, dass Orlopp unter Unicredit-Lenker Andrea Orcel eine aus Mailand diktierte Strategie umsetzt.
Vor diesem Hintergrund erscheint auch Orlopps auf dem „Banken-Gipfel“ wiederholte Erzählung, die Commerzbank habe in ihrer Amtszeit als CEO den Aktienkurs kräftig gesteigert (+150%), sich ambitionierte Ziele gesetzt und nach dem Rekordjahr 2025 schon wieder ein Rekord-Halbjahr hingelegt, in einem anderen Licht. Orlopp geht es offensichtlich auch darum, sich die Deutungshoheit über ihre Leistung als Commerzbank-Chefin nicht von Orcel streitig machen zu lassen.
Orcel bewegt sich bislang nicht
In den laufenden Gesprächen zwischen Unicredit und Commerzbank erweist sich Orcel weiterhin als extrem harte Nuss. Nach unseren Informationen soll der Unicredit-Vorsteher bislang keinerlei Interesse daran gezeigt haben, mit dem Commerzbank-Vorstand über strategische Fragen und ein gemeinsames Geschäftsmodell überhaupt nur diskutieren zu wollen. Darauf deutet auch Orlopps Appell hin, der Zusammenschluss von Unicredit und Commerzbank sei das „Poster Child“ für grenzüberschreitende Fusionen in Europa. „Das sollten wir jetzt tunlichst nicht verbaseln.“ Sonst drohe ein Schaden für den gesamten europäischen Bankenmarkt.
In der Commerzbank setzen sie deshalb ihre Hoffnung auf das am 14. September geplante Treffen zwischen Orcel und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Dabei soll Klingbeil den Unicredit-Chef ins Gebet nehmen und ihm die Bedeutung des Auslandsnetzwerks der Commerzbank für den exportorientierten Mittelstand in Deutschland vor Augen führen. Ob das Gespräch mit dem Finanzminister, auf das Orcel immer wieder vergeblich gedrängt hatte, zum Eisbrecher für konstruktive Verhandlungen zwischen Unicredit und der Commerzbank wird, ist jedoch nicht ausgemacht.
Commerzbank-Kunden wurden in Berlin vorstellig
Den Anstoß zu dem geplanten Treffen, so hören wir, sollen wichtige Kunden der Commerzbank gegeben haben, die um den Fortbestand des von Orcel als überflüssig betrachteten Auslandsnetzwerks der Frankfurter bangen. Alarmiert vom Stillstand in den Gesprächen zwischen Mailand und Frankfurt sollen die Kunden die Bundesregierung zum direkten Dialog mit Orcel gedrängt haben. Der Termin soll eng mit der Commerzbank abgestimmt sein.
Für Berlin bedeutet dies einen Strategiewechsel im Umgang mit Unicredit. Ursprünglich wollte die Bundesregierung erst dann mit Orcel sprechen, wenn sich beide Institute auf eine friedliche Übernahme und ein gemeinsames Geschäftsmodell geeinigt haben. Doch der Plan scheiterte an Orcels Hartnäckigkeit. Der Unicredit-Lenker wollte sich offensichtlich nicht die Reihenfolge vorschreiben lassen.
Die Geier warten schon
Bei Kunden und Mitarbeitern der Commerzbank wächst derweil die Verunsicherung. „Wir müssen aufpassen, dass keine Wertvernichtung stattfindet“, warnte die Commerzbank-Chefin. Denn auch Orlopp weiß, dass sich die Konkurrenz bereits darauf vorbereitet, bei der Commerzbank zu wildern. „Wenn wir nicht davon profitieren, machen wir einen Fehler“, sagte Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. Auch die DZ Bank steht bereits in den Startlöchern. Vorstandschef Cornelius Riese warnte aber zugleich, dass mit der Übernahme der Commerzbank durch Unicredit „ein neuer starker Wettbewerber“ entsteht.