Deutsche Bank befreit Triodos aus den Kreditfesseln
Die Nachhaltigkeitsbank Triodos hat nach einem Verkauf von Problemkrediten wieder Luft zu atmen. Weshalb der Abschied aus Deutschland derzeit noch so mühsam ist.

Die Operation war schmerzhaft, aber wirksam: Die niederländische Nachhaltigkeitsbank Triodos, die ihr Geschäft in Deutschland aufgibt, hat ihren faulen Bestand an Krediten für Glasfaserfirmen mit einem Schlag an die Deutsche Bank abgegeben. Die Halbjahresbilanz dokumentiert ein Aufatmen der Triodos Bank: Mit dem 180 Mio. Euro schweren Kreditpaket verschwanden auch die 60 Mio. Euro an Risikovorsorge, die das Institut noch im vergangenen Jahr gebildet hatte. Nach einem Konzernverlust von 25 Mio. Euro im Gesamtjahr 2025 zeigt das erste Halbjahr 2026 mit 30 Mio. Euro wieder ein positives Ergebnis. Sogar das winzige deutsche Segment trug 1 Mio. Euro zum Ergebnis bei.
Die größte Sorge ist die Bank los – doch sorgenfrei ist sie nicht. Jetzt muss noch das deutsche Geschäft bis 2027 abgewickelt werden. Viele Führungskräfte auf verschiedenen Ebenen haben, wie PLATOW hört, die Frankfurter Niederlassung nahe der Bockenheimer Warte bereits verlassen. Derweil sank das Kreditvolumen um 121 Mio. Euro auf 340 Mio. Euro, während der Einlagenbestand sogar um 254 Mio. Euro auf 418 Mio. Euro zurückging. Ihren Rückzug aus Deutschland hatte die Bank zuvor im September 2025 angekündigt.
Verflixte Kundentreue
Doch während die Einlagen rasch abfließen, behalten viele Kunden ihre Bankverbindung bei. Das Institut zählt zur Jahresmitte 34.700 Bankverbindungen in Deutschland, 8.000 weniger als zu Jahresbeginn. Die meisten Kunden haben also ihren Wechsel noch vor sich. Konzernchef Marcel Zuidam verspricht eine „vorsichtige Ausführung“ und ein „klares Engagement“. Die Bank hat bereits viele Kunden angeschrieben.
Die Triodos kooperiert mit der Umweltbank, die gezielt um die Einlagenkunden der Niederländer wirbt. Im Mai taxierte Umweltbank-Chef Dietmar von Blücher im PLATOW-Interview das Einlagenvolumen der privaten Kunden der Triodos in Deutschland auf ursprünglich etwa 400 Mio. Euro, wovon die Umweltbank ungefähr die Hälfte vereinnahmen könne. Davon ist bislang wenig sichtbar: Das Einlagenvolumen der Umweltbank ist im ersten Halbjahr sogar gesunken, auch wenn die Zahl der Girokonten etwas zulegte. Den genauen Effekt beziffern aber weder Umweltbank noch Triodos.
Goliath kalkuliert anders als David
Wichtiger ist für die Triodos die Beseitigung von Risiken: Der Bestand an Risikovorsorge fiel um 64 Mio. Euro auf 57 Mio. Euro ab – das entspricht fast spiegelbildlich dem Anstieg der Vorsorge im Jahr 2025. Die Deutsche Bank erwarb kurz vor der Jahresmitte die faulen Darlehen mit einem hohen Abschlag. Doch da die Triodos den Bestand bereits zuvor brutal wertberichtigt hatte, kam sie bei der Transaktion mit einem negativen Effekt von 3 Mio. Euro davon.
Die Deutsche Bank setzte sich in einem Bieterverfahren gegen andere internationale Investmentbanken durch, wie die verantwortliche Kanzlei Noerr meldet. Mit einer Bilanzsumme von 1.521 Mrd. Euro kann der deutsche Branchenprimus die Risiken problemlos tragen. Anders die Triodos: Sie ist zwar neben den Niederlanden und Deutschland auch in Belgien, Großbritannien und Spanien aktiv, doch mit einer Bilanzsumme von 17,7 Mrd. Euro gleicht sie einer großen Sparkasse oder Volksbank. Großvolumige Finanzierungen sind daher nicht immer nachhaltig.