Wie ein letztes Aufbäumen vor dem scheinbar Unvermeidlichen wirkte der Jubel für Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp auf der HV am vergangenen Mittwoch (20.5.). Da der mit Abstand größte Aktionär Unicredit wie schon im Vorjahr durch Abwesenheit glänzte, geriet die HV zu einem absoluten Heimspiel für Orlopp. Zuletzt hatte Unicredit seine Commerzbank-Beteiligung durch eine Kombination aus Aktien (26,77%) und Finanzinstrumenten (13,9%) auf über 40% ausgebaut. Für die meisten dieser Total Return Swaps (10,7%) haben die Italiener zwar eine Barauszahlung zum Laufzeitende vereinbart, doch das dürfte sich leicht ändern lassen. Ob Unicredit-Chef Andrea Orcel allerdings auch bereit ist, das bei einer möglichen Auszahlung in Commerzbank-Aktien notwendige Cash in die Hand zu nehmen, bleibt vorerst noch sein Geheimnis.

Wenn Orcel die angestrebte Übernahme der Commerzbank gelingt, wofür derzeit viel, aber keineswegs alles spricht, hätte dies wahrscheinlich auch Auswirkungen auf den Status von Unicredit als global systemrelevante Bank (G-SIB). Denn bei einem Zusammenschluss mit der Commerzbank dürfte Unicredit die Schwelle überschreiten, ab der für global systemrelevante Banken ein zusätzlicher Eigenkapitalzuschlag fällig wird.

Nicht weit vom Schwellenwert entfernt

Im jüngsten G-SIB-Ranking, das jedes Jahr im November vom Baseler Ausschuss erstellt wird, rangiert die Unicredit mit einem Gesamt-Score von 108 Basispunkten bereits in Sichtweite der Zuschlagsschwelle von 130 Basispunkten. Die Commerzbank steht bei 74. Nun lassen sich die beiden Werte zwar nicht einfach addieren, dennoch dürfte die Unicredit nach einer Übernahme der Commerzbank die G-SIB-Schwelle locker überspringen. Die genaue Höhe des Eigenkapitalzuschlags auf die aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen hängt dann von einer Einordnung in die vier verschiedenen Körbe ab, die maßgeblich vom Gesamt-Score bestimmt wird. Der Baseler Ausschuss kann allerdings in begründeten Einzelfällen auch eine höhere oder niedrigere Einstufung vornehmen.

Als die UBS 2023 in einer eiligen Notoperation den havarierten Rivalen Credit Suisse übernahm, schnellte der Gesamt-Score der fusionierten Schweizer Großbank auf 287 Punkte nach oben. Im Jahr zuvor stand die UBS noch bei 195 Basispunkten und die Credit Suisse bei 124. Die UBS blieb damit in der Kategorie 2 (230 bis 329 Basispunkte) mit einem G-SIB-Zuschlag von 1,5%, in die sie im Jahr zuvor auf Beschluss des Baseler Ausschusses hochgestuft wurde.

Drei deutsche Institute auf G-SIB-Liste

Eine Kombination aus Unicredit und Commerzbank dürfte voraussichtlich im „Bucket 1“ (130 bis 229 Basispunkte) mit dem niedrigsten G-SIB-Zuschlag von 1% landen. Das mag sich zunächst nicht sonderlich dramatisch anhören. Da der Unicredit im Falle einer Übernahme der Commerzbank jedoch ohnehin eine deutliche Eigenkapital-Schmelze droht, dürfte es der G-SIB-Zuschlag Orcel noch schwerer machen, seine ambitionierten Ausschüttungspläne zu halten.

Angeführt wird die G-SIB-Rangliste von der US-Großbank J.P. Morgan, die als weltweit einzige Bank im Korb 4 mit einem Eigenkapitalzuschlag von 2,5% gelandet ist. Einzige deutsche Bank mit einem G-SIB-Zuschlag (1%) ist die Deutsche Bank, die im vergangenen November aufgrund eines auf 218 Basispunkte gesunkenen Gesamt-Scores vom Korb 2 in den Korb 1 zurückgestuft wurde. Die DZ Bank als drittes deutsches Institut auf der Rangliste ist von der Zuschlagsschwelle noch ein gutes Stück entfernt.