Teylor Technologies will das Geschäft der Sparkassen übernehmen
Teylor Technologies wollte mit Sparkassen im KMU-Kreditgeschäft wachsen. Die verweigerten sich – sagt Teylor-CMO Amadeus von Kummer. Jetzt hat er einen neuen Plan.

Der Kreditmarkt für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wird neu verteilt. Speziell Sparkassen und Volksbanken gelingt es nicht, den Bedarf zu bedienen. Vor allem das Kleinkreditgeschäft unter einer Million Euro ist vielen Instituten zu teuer geworden, erklärt uns ein Insider. Der Grund: zu hohe Prozesskosten, zu wenig Ertrag, keine Kapazitäten. Einer, der das Geschäft anders einschätzt und Chancen wittert, ist Amadeus von Kummer. „Einige Banken haben an dieser Stelle den Zug verpasst“, sagte uns der Chief Market Officer von Teylor Technologies bereits im Februar. Jetzt legt von Kummer, erneut im Gespräch mit PLATOW, nach. Seine Zahlen deuten darauf hin, dass sein Plan aufgehen könnte.
Teylor Technologies ist die 2025 gegründete Softwaresparte des Schweizer Fintechs Teylor, das sich auf digitale KMU-Finanzierungen spezialisiert hat. Über die Teylor Technologies Plattform können gewerbliche Kreditvermittler und Finanzvertriebe Finanzierungsanfragen ihrer Firmenkunden strukturiert bei Banken einreichen. Rund 3.000 Nutzer sind aktiv, das vermittelte Volumen liegt bei 7 Mio. Euro pro Monat. Mehr als 30 Vermittler sind angebunden, darunter einer der größten deutschen Finanzvertriebe. Ein aktiver Vermittler platziert im Schnitt 35 Kredite pro Monat bei einer durchschnittlichen Kreditsumme von 150.000 Euro, erklärt von Kummer.
Markt wartet nicht
Ursprünglich wollte von Kummer mit Sparkassen und Volksbanken wachsen. Die wollten nicht. Er habe „über 50 Gespräche mit Sparkassen“ geführt und stand auch mit den Volksbanken im regen Austausch. Das Ergebnis war mager. „Die Volksbanken sagen zu unserer Lösung: Das passt perfekt, das würde uns sehr helfen – aber wir setzen auf ein Gruppenlösung“, sagt von Kummer. 98 von 100 Volksbanken würden eine Zusammenarbeit ablehnen. „Das ist schade, denn Sparkassen und Genossenschaften sind zu wichtig für den deutschen Mittelstand und für regionale Strukturen, um bei der Digitalisierung außen vorzubleiben“, so von Kummer.
Genossen kontern
Die Volksbanken-Gruppe sieht sich im KMU-Geschäft gut gerüstet, zeigt eine Anfrage. Sie verweisen auf Fynbiz, eine Plattform im Eigentum der Genogruppe mit 50.000 Nutzern und 2,5 Mrd. Euro vermitteltem Kapital sowie VR Smart Finanz, den Finanzierungsarm der Volksbanken für kleinere Mittelstandslösungen mit 113.000 Kunden und 1,18 Mrd. Euro Neugeschäft im Jahr 2025. Beide nehmen kleinteiliges KMU-Kreditgeschäft auf, das für einzelne Volksbanken unwirtschaftlich ist.
Bei den Sparkassen ist das Bild karger: Der DSGV schreibt auf PLATOW-Anfrage, ihm seien „keine Aktivitäten oder konkreten Planungen für eine zentrale digitale Plattform bekannt, über die Finanzierungsvermittler standardisiert KMU-Kredite bei Sparkassen einreichen könnten.“
Von Kummers große Ziele
Von Kummer lässt im Gespräch mit uns, ohne Namen zu nennen, durchblicken, dass ihn die KMU-Lösungen am deutschen Markt nicht überzeugen: „Wer immer im eigenen Saft schwimmt, ist langsamer und weniger innovativ.“ Für sein Unternehmen hat er klare Ziele: „Wenn das weiter in diesem Tempo geht, werden wir uns pro Monat quasi verdoppeln“, sagt von Kummer und meint damit Volumen und vermittelte Finanzierungen. Die Zahl der Bankpartner auf der Plattform soll von aktuell 15 auf 20 bis 30 steigen. Ob der Markt auf Teylor Technologies gewartet hat oder die Zahlen trügen, werden die nächsten Monate zeigen.