DWP Bank erlebt Déjà-vu vor DKB-Abschied
Der Wechsel der Direktbank DKB zu Upvest wird die DWP Bank empfindlich treffen. Etwas Ähnliches hat der Frankfurter Wertpapierdepot-Spezialist schon einmal erlebt.

Enorm hoher Wertpapierhandel. Starkes Wachstum der Erträge. Aber ein Verlust eines wichtigen Kunden voraus: Diese Situation ist die Deutsche Wertpapierservice Bank (DWP Bank) bereits gewohnt. Der anstehende Weggang der Deutschen Kreditbank (DKB), der für das nächste Jahr angesetzt ist, zeigt verblüffende Parallelen zum Abschied der Postbank im Jahr 2022.
Oberflächlich sieht es damals wie heute gut aus: Im vergangenen Jahr wickelte die DWP Bank, die Wertpapierdepots für 999 Banken und Sparkassen in Deutschland verwaltet, rund 63,3 Mio. Wertpapiertransaktionen ab. Das ist ein Rekord, wie das Frankfurter Spezialinstitut zur Wochenmitte mitteilte. Das Provisionsergebnis kletterte um 10,5% auf 363 Mio. Euro.
Das erinnert an das Resümee der Bank kurz nach 2021, als die Transaktionen im damaligen Börsenboom mit 51,5 Mio. ebenfalls einen hohen Wert erreicht hatten und das Provisionsergebnis nach einem Sprung im Vorjahr erneut gestiegen war. „Ein erfolgreiches Jahr“, freut sich Vorstand Thorsten Warmt heute, „ein starkes Jahr“, sagte der frühere Bankchef Heiko Beck damals.
Depots wandern ab . . .
Doch von den aktuell 5,4 Mio. Depots fallen im nächsten Jahr voraussichtlich rund 895.000 weg. Diese Zahl weist die Direktbank DKB in ihrem aktuellen Geschäftsbericht für 2025 als Depotbestand aus. Die BayernLB-Tochter wechselt bekanntlich zum Berliner Fintech Upvest, das wohlklingende Namen wie N26 und Revolut zur Kundschaft zählt. Dabei nimmt die DKB ein Depotvolumen von zuletzt 40 Mrd. Euro mit.
Ähnlich seinerzeit der Wechsel der Postbank: Sie migrierte damals auf die Systeme der Deutschen Bank und nahm eine ähnlich hohe Anzahl an Depots mit wie nun die DKB. Nur weil die DWP Bank im Jahr 2023 für diverse andere Kunden netto 660.000 Depots eröffnete, fiel der Rückgang der Depots damals noch überschaubar aus.
. . . und die Erträge fallen
Wo Depots, Transaktionen und Volumen fehlen, sinken auch die Erträge. Wie viel die DKB jährlich für die Dienste der DWP Bank zahlt, ist zwar nicht bekannt. Ein möglicher Orientierungspunkt ist aber der Provisionsaufwand im Wertpapiergeschäft, den die DKB im aktuellen Geschäftsbericht für das zurückliegende Jahr auf 45 Mio. Euro beziffert – einem einzelnen Unternehmen ist dieser Wert allerdings nicht zugeordnet. Weder DKB noch DWP Bank wollten sich auf unsere Nachfrage näher dazu äußern, wie hoch der tatsächliche Wert ausfällt.
Auch der Weggang der Postbank kostete damals Geschäft. Obwohl reichlich Depots von anderen Banken hinzukamen und die Provisionsaufwendungen fielen, sank das Provisionsergebnis im Jahr 2023 immer noch um 12 Mio. auf 309 Mio. Euro ab.
DKB teilt aus
Verloren ist nicht nur der Bestand, sondern auch künftiges Wachstum. Bis 2030 will die DKB auf mehr als 2 Mio. Wertpapierdepots kommen. Auch verspricht Upvest ein frühes Angebot für das geplante Altersvorsorgedepot und die Frühstart-Rente. Die DKB teilt im aktuellen Geschäftsbericht aus. „Wir planen, unser Wertpapierangebot deutlich moderner und digitaler anzubieten“, schreibt die Bank über die Upvest-Partnerschaft. Subtext: Mit der DWP Bank lief es schleppend.
Schon die DKB-Mutter BayernLB hatte sich unzufrieden über die DWP Bank gezeigt. Der Fall ist politisch heikel, denn die Münchener halten Anteile an der DWP Bank. Das Spezialinstitut gehört zu 50% der DZ Bank, während sich die beiden Sparkassenverbände in Nordrhein-Westfalen weitere 40% teilen und die BayernLB, Helaba und Deka zusammen auf 10% kommen.
Der Weggang der DKB ist nicht der einzige Misserfolg der DWP Bank in den zurückliegenden Jahren. Über eine 61 Mio. Euro teure Panne bei der Neuordnung eines Zertifikats Ende 2022 streitet sich die DWP Bank bis heute mit der Deka-Tochter S Broker. Vor Gericht geht die DWP Bank nun in die nächste Instanz, wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ zur Wochenmitte festhielt und die DWP Bank auch uns bestätigte. Außerdem kam die DWP Bank beim Angebot „Mein Krypto“ der Kreditgenossen nicht zum Zug. Stattdessen holte die zuständige DZ Bank die Börse Stuttgart ins Boot.
Große Pläne mit Sparkassen-Plattform
Derweil wendet sich die DWP Bank neuen Projekten zu: Mit dem VV-Marktplatz testet das Institut gemeinsam mit Investify und Dericon eine Plattform für Sparkassen, die auf diese Weise Zugang zu Vermögensverwaltern erhalten. Im März läutete die Gruppe eine Pilotphase ein. Stolz zeigt sich die DWP Bank zudem über den Erwerb von Lemon Markets. Das Fintech bietet eine Handelsplattform an, die andere Finanzunternehmen über eine Schnittstelle für ihr Geschäft nutzen können. Daneben sollen regulär etwa 100.000 neue Depots in diesem Jahr hinzukommen, wie die DWP Bank im Prognosebericht schreibt.
Derweil müssen Upvest und DKB ihre vollmundigen Versprechen erst noch erfüllen. Die Depots von Neukunden sollen bereits Ende 2026 bei Upvest landen, der breite Bestand soll 2027 folgen. Einfach ist eine so umfassende Migration nicht. Auch das lehrt die Erfahrung.