Agrarhandel? Raus damit! Diese Strategie fährt die angeschlagene VR Plus Altmark Wendland. Die Entscheidung des Vorstands, den Agrarhandel der Bank auszugliedern, wird von alten Führungskräften bekämpft, wie unsere exklusive Recherche von Dienstag zeigt. Doch ob sinnvoll oder nicht: Die VR-Bank in Lüchow liegt im Trend. Die Zahl der Genossenschaftsbanken mit eigenem Warengeschäft im Haus schrumpft seit langem, wie unser Schaubild zeigt. Fusionen allein können diesen Rückgang nicht erklären.

 

 

Seit Ende 2010 fiel die Zahl der Banken mit Warengeschäft – typischerweise mit Agrarbezug – von damals 152 auf zuletzt 47, wie BVR-Daten zeigen. Auch relativ zur Gesamtzahl aller Kreditgenossenschaften nimmt der Anteil ab. Führten vor eineinhalb Jahrzehnten noch 13% aller Volks- und Raiffeisenbanken ein Warengeschäft im eigenen Haus, sind es heute nur noch 7%.

„Das ist mehr Arbeit als Ertrag“

Hinter dem Trend steht ein Bedeutungsverlust der Landwirtschaft. Familiengeführte Höfe werden nach und nach durch große Betriebe ersetzt, die Verbindung zur örtlichen Genossenschaft schwindet. Wirtschaftlich lohne sich das Geschäft kaum noch, vermutet Richard Reichel, Wirtschaftsprofessor und Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Genossenschaftswesen in Nürnberg: „Das ist mehr Arbeit als Ertrag.“

Die Kombination aus Bank und Agrarhandel ist historisch gewachsen: Die Raiffeisenbanken stehen traditionell den Landwirten nahe und Genossenschaften sind in der Landwirtschaft verbreitet. Gerade in Bayern ist die Kombination aus Bank- und Warengeschäft bis heute bedeutsam. Dieses Band lösen Banken nicht abrupt. Typischerweise gründen sie den Warenhandel in eigenständigen Tochterfirmen aus. Oft fusionieren verschiedene Banken ihre Töchter zu einer Einheit.

Die Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz etwa, die binnen weniger Jahre aus mehreren Banken mit Warenhandel entstanden war, bündelte das Geschäft 2023 in der Tochter Raiffeisen Waren Nordoberpfalz. Am Alpenrand gliederte die Raiffeisenbank im Oberland den Agrarwarenhandel 2023 in die Raiffeisen Ware Oberland aus und nahm dabei die kleine Raiffeisenbank Wallgau-Krün an Bord, während im Raum Passau die Raiffeisenbank Goldener Steig Dreisesse und die Raiffeisenbank im Landkreis Passau-Nord im Jahr 2024 ihre Töchter fusionierten.

Mittlerweile sind bereits einige Warengesellschaften mit einer Vielzahl von Bankeigentümern entstanden. So führt die Volksbank Eifel Mitte als größte Eigentümerin mit zwei weiteren Banken die Raiffeisen Service Waren, während die Raiffeisen-Handels-GmbH Ostbayern einem Kreis von sieben Geldhäusern gehört, vorneweg der VR-Bank Rottal-Inn. Daneben gehört die Raiffeisen Waren mittelbar einer Vielzahl von Banken und von weiteren Adressen. Als genossenschaftsnaher Konzern hat auch die kriselnde Baywa viel Geschäft übernommen.

Reiche Ernte ohne Agrarhandel

In der Bank ist das Geschäft nicht immer gut aufgehoben. Die Geldhäuser sind im Vergleich zu anderen Branchen streng reguliert. Die Lagerstätten gehen mit hohen Fixkosten einher. Synergien mit dem Bankgeschäft gibt es kaum. Und für eine Diversifikation der Erträge tauge das Geschäft ebenfalls nicht, argumentiert Genossenschaftsforscher Reichel. Dafür sei es zu unbedeutend und nicht rentabel genug.

Selbst in den Jahren der Tiefzinsphase schrumpfte die Zahl der Banken mit Warengeschäft deutlich – obwohl viele Geldhäuser damals händeringend nach alternativen Erträgen Ausschau hielten. Seitdem die Zinsen gestiegen sind, fahren Banken lieber anderswo ihre Ernte ein.