Helaba – Was hinter dem überraschenden Gewinneinbruch steckt
Mehr als halbiert hat sich der Vorsteuergewinn der Helaba im ersten Halbjahr. Die Gründe für den überraschenden Gewinneinbruch sind auch in den Besonderheiten der Helaba zu finden.

Bitterer Rückschlag für Thomas Groß. Einen Gang zurückschalten musste der Helaba-Chef bereits im vergangenen Jahr bei seiner Aufholjagd, mit der er zum Gewinnniveau der beiden Landesbank-Schwergewichte LBBW und BayernLB zumindest aufschließen will. Doch jetzt wurde Groß sogar vollends ausgebremst. Im ersten Halbjahr 2026 brach der Gewinn vor Steuern überraschend um fast 60% auf 194 Mio. Euro ein. Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen wollte der Helaba-Lenker gar nicht erst um das Debakel herumreden, das ihm vor allem die Immobilien-Sparte und ein kräftig gesunkenes Fair Value-Ergebnis eingebrockt haben. Die Probleme im Immobiliengeschäft spiegeln sich denn auch in einer um mehr als die Hälfte auf 198 Mio. Euro gestiegenen Risikovorsorge sowie einem um 6,4% auf 770 Mio. Euro gesunkenen Zinsüberschuss wider.
„Dieses Halbjahresergebnis entspricht nicht unseren Erwartungen“, räumte Groß unumwunden ein und kassierte auch gleich seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2026. Statt bislang 600 Mio. bis 700 Mio. Euro kalkuliert Groß nur noch mit einem Ergebnis vor Steuern von rund 500 Mio. Euro. Das Abrutschen der Immobilien-Sparte in die Verlustzone, das Vorsteuerergebnis stürzte auf -26 Mio. Euro nach einem Gewinn im Vorjahr von 106 Mio. Euro ab, hätte die Helaba vielleicht noch abfedern können, um zumindest den unteren Rand ihres ursprünglichen Prognose-Korridors zu retten. Endgültig zunichte machte die Prognose dann aber das um 67,1% auf 54 Mio. Euro abgesackte Fair Value-Ergebnis.
Sorgenkind OFB wird eingedampft
Den Gewinnrückgang begründete der Helaba-Vorsteher mit den „Auswirkungen der anhaltenden geopolitischen Verwerfungen, dem damit einhergehenden Anstieg des Marktzinsniveaus und der weiterhin verhaltenen konjunkturellen Entwicklung in Deutschland“. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn mit diesen Widrigkeiten haben auch die BayernLB und die Nord/LB zu kämpfen, die ebenfalls über ein gewichtiges Immobiliengeschäft verfügen, für das erste Halbjahr aber über steigende Gewinne berichten konnten. Die LBBW berichtet am Freitag.
Auf unsere Nachfrage, gab Groß denn auch zu Protokoll, dass auch hauseigene Besonderheiten eine Rolle gespielt haben. So sei das Gewerbeimmobilien-Portfolio der Helaba stark auf den weiterhin schwierigen deutschen Büromarkt fokussiert. Die größten Probleme bereite jedoch die Projektentwicklungstochter OFB, die im ersten Halbjahr einen „deutlich zweistelligen Verlust“ eingefahren hat. Die OFB soll deshalb kräftig eingedampft und sehr viel effizienter aufgestellt werden, kündigte Groß an.
Zwei Lichtblicke
Zudem, das wollte Groß nicht so laut sagen, führte der Ausbruch des Iran-Kriegs zu Fehleinschätzungen über die weitere Entwicklung des Zinsniveaus und des Transaktionsgeschehens auf dem Immobilienmarkt, das zuletzt schlechter als erwartet verlief. Das gestiegene Zinsniveau hat die Helaba mit ihrer Hedging-Strategie zur Steuerung des Fair Value-Ergebnisses offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt. Hinzu kam ein ungünstiger Basiseffekt. Im ersten Halbjahr 2025 profitierte die Helaba von einem ungewöhnlich kräftigen Anstieg des Fair Value-Ergebnisses auf 164 Mio. nach nur 17 Mio. Euro im Vorjahr, das sich seither wieder normalisiert.
Es gibt aber auch zwei Lichtblicke, die Groß Hoffnung auf ein besseres zweites Halbjahr machen. Da ist zunächst das kräftige Wachstum im Kreditneugeschäft, das um 20% auf 10,2 Mrd. Euro zugelegt hat und sich mit Verzögerung positiv auf den Zinsüberschuss auswirken wird. Der zweite Hoffnungsträger ist der um 10% auf 319 Mio. Euro verbesserte Provisionsüberschuss, der bereits vom gestiegenen Kreditneugeschäft sowie der positiven Ergebnisentwicklung der Tochtergesellschaften Frankfurter Bankgesellschaft und Helaba Invest profitiert. Zudem will Groß den Kostenanstieg von zuletzt 6,6% auf 1,5% begrenzen und damit unter die Inflationsrate drücken. Der Helaba-Chef will sich deshalb bei seiner Aufholjagd auch noch nicht geschlagen geben und bekräftigte seine mittelfristige Gewinnprognose von 1 Mrd. Euro.