Hohe Zinslast der Unternehmen ist Warnsignal für Banken
Die operativen Gewinne reichen nicht, um die Kreditzinsen zu bedienen – das ist für immer mehr Firmen Realität. Die Auskunftei Creditreform mahnt Banken zur Vorsicht.

„Unzureichend“: So beschreibt die Auskunftei Creditreform die Ertragslage von Unternehmen, wenn die operativen Erträge nicht ausreichen, um die Last der Kreditzinsen zu schultern. Der Zinsdeckungsgrad, also der Jahresgewinn vor Zinsen und Steuern geteilt durch die Zinslast, fällt in diesem Fall unter die Marke von 1. Davon sind immer mehr Unternehmen in allen Sektoren betroffen – ein Problem für Banken. „Die Luft wird seit Jahren deutlich dünner“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Wirtschaftsforschungsleiter der Auskunftei.

Gerade in Zeiten schwachen Wirtschaftswachstums sollten Banken den Zinsdeckungsgrad in die laufende Risikobewertung einbeziehen, rät der Fachmann. Zwar sagt die Kennziffer laut Creditreform allein nicht alles aus, da auch investierende Unternehmen zeitweilig weniger Gewinne einfahren, aber reichlich Zinsen zahlen, und auch strauchelnde Firmen eine Zukunft haben können. Und doch: Für Banken taugt die Ziffer als „Frühwarnindikator“.
Von zwei Seiten unter Druck
Die Analysten werteten annähernd 60.000 Geschäftsberichte für das Jahr 2024 aus – für das Jahr 2025 liegen noch nicht ausreichend viele Abschlüsse vor. Bereits in den Jahren zuvor habe sich der Zinsdeckungsgrad kontinuierlich verschlechtert. Die Firmen stehen dabei von zwei Seiten unter Druck: Die lahme Konjunktur lässt die Erträge schrumpfen, während die Zinsen seit der Zinswende 2022 rapide gestiegen sind. Auch ein Zinsdeckungsgrad von 1 bis unter 3 – eine hohe, aber noch tragbare Zinslast also – deutet bereits auf erhöhte Risiken hin. Immerhin ist der Anteil der Firmen in dieser Risikoklasse seit 2015 von 22,2% auf 19,5% gesunken.
Der Anteil der faulen Kredite ist in Deutschland wieder gestiegen, und zwar von 0,8% Mitte 2020 auf annähernd 1,2% im zweiten Quartal 2025, wie die Bundesbank aufschlüsselt. Das Niveau ist damit noch moderat und die Last für Banken aus Sicht von Experten verkraftbar. Doch der Druck dürfte schon bald zunehmen.