Corporate-Banking

ING jagt die Top-Drei im Corporate Banking

Mit Fokus auf Large Cap-Kunden und einer breiten Produktpalette erobert die ING unter Sascha Malsy in Deutschland Spitzenplätze im Corporate Banking. Warum die nächsten Schritte die schwierigsten sind.

Maximilian Volz,
Sascha Malsy; Head of Capital Markets & Advisory DACH
Sascha Malsy; Head of Capital Markets & Advisory DACH © ING Deutschland

Beim Begriff „Lending Bank“ winkt Sascha Malsy ab. „Wir sind längst mehr als das“, betont der Head of Capital Markets & Advisory DACH der ING Deutschland im Gespräch mit PLATOW. In den letzten fünf Jahren hat die Bank das Corporate & Investment Banking spürbar ausgebaut. Aktuell zählen laut dem Manager 80–85% der DAX- und MDAX-Unternehmen zu den Kunden. Besonders im Large Cap-Segment (ab 1 Mrd. Umsatz) wurde die Zahl der Kunden „nahezu verdoppelt“. Die Marktdurchdringung liegt nach eigener Schätzung bei rund 25%.

Das spiegelt sich in den Rankings: Noch vor fünf Jahren weit von den Top Ten entfernt, zählt sich die ING heute in mehreren Kernkategorien zu den Spitzenreitern. Im Bereich Debt Capital Markets Corporates (Anleihegeschäft) liege man auf Platz eins. „Den Spitzenplatz werden wir voraussichtlich auch zum Jahresende bestätigen“, sagt uns ein selbstbewusster Malsy. Gut möglich, dass auch er persönlich bald einen Spitzenposten erhält. Der 44-Jährige, bereits Generalbevollmächtigter der ING und mit einem beeindruckenden Karriereweg, gilt als Aufsteiger. Auf seine Vorstandsambitionen angesprochen, gibt er sich diplomatisch – doch seine Ambitionen sind spürbar.

In der Asset Securitization (Verbriefung) liegt die ING laut Malsy in Deutschland ebenfalls gut im Rennen auf Platz zwei; auch diese Position dürfte bis Jahresende verteidigt werden. Im Segment Loan Distribution (syndizierte Kreditvergabe) belegt die Bank Platz fünf. Vor ihr rangieren UniCredit, Commerzbank, LBBW und Deutsche Bank.

Produktvielfalt und Kundenzugang

„Der Einstieg in das Unternehmensgeschäft gelingt oft über ein spezielles Liquidity-Management-Produkt (Transaction Services)“, erklärt Malsy. Es ermöglicht Unternehmen, Cash-Pools zentral zu bündeln und flexibel in verschiedenen Währungen zu nutzen. Die ING bietet diesen Service über die zur ING Group gehörende Bank Mendes Gans an, die sich auf internationale Cash-Management-Dienstleistungen spezialisiert hat.

Für Malsy ist jedoch nicht ein einzelnes Produkt entscheidend, sondern die mittlerweile fast lückenlose Angebotspalette. „Unsere Klaviatur des Corporate Bankings reicht von klassischen Instrumenten bis zu spezialisierten Lösungen, getragen von einem exzellenten Team.“

Bei seiner Mannschaft setzt Malsy auf gezieltes Talentmanagement. Erfahrene Fachkräfte (Seniors, etwa 35 % der 45-köpfigen Mannschaft) werden gefördert, junge Talente systematisch aufgebaut, erklärt Malsy: „Der Schlüssel liegt in einer ausgewogenen Mischung aus unterschiedlichen Skills.“

Beim Kundenzugang stützt das Retail-Geschäft den Corporate-Bereich, auch wenn es dort zuletzt einen kleinen Rückschritt gab. Das starke ING-Branding erleichtert Kundengespräche, während das Marketing-Team aktiv die Neukundengewinnung unterstützt, erläutert Malsy. Im Mittelstandsgeschäft sieht er derweil noch Potenzial: Vielen Unternehmen sei nicht klar, dass die ING inzwischen ein ernstzunehmender Marktteilnehmer ist.

Große Ziele und Wachstumsperspektiven

Langfristig strebt die ING in den Kernbereichen Debt Capital Markets, Asset Securitization und Loan Distribution die Top-3-Position an, betont Malsy. Das M&A-Geschäft bleibt außen vor, da ein Spitzenplatz aufgrund der Konkurrenz „noch nicht realistisch ist“. Beim Corporate Finance geht es derweil voran, während sich der Sektor M&A schwieriger gestaltet, obwohl die Pipeline für das nächste Jahr laut dem ING-Banker „vielversprechend“ sei. Das Debt- & Capital-Advisory-Geschäft profitiert sogar von der aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheit, da es das Fee-Volumen steigen lasse.

Für 2026 zeigt sich Malsy optimistisch, selbst wenn M&A und Börsengänge in Deutschland voraussichtlich moderat bleiben – anders als von Goldman Sachs eingeschätzt. Die ING nutzt den hohen Beratungsbedarf, den das schwierige wirtschaftliche Umfeld auslöst: „Wir generieren primär Fee Business und haben in den letzten fünf Jahren jedes Jahr knapp 30% Wachstum erzielt.“ Zuwächse bei der Kreditvergabe erwartet Malsy vor allem aus staatlicher Hand, insbesondere im Energiebereich und in der digitalen Infrastruktur.

Malsys Fokus für 2026 liegt auf dem gezielten Ausbau der Kundenbasis. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Bank ihre Produkte und Services „effektiv liefert und weiterhin wachse“.

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