Schließfach-Einbruch

Kein Gewinn, volle Verantwortung: Schließfächer unter Druck

Der Einbruch in Gelsenkirchen zeigt: Schließfächer sind nachgefragt, bringen den Banken aber kaum Ertrag und setzen diese erheblichen Risiken aus. Welche das sind.

Maximilian Volz,
Bankschließfächer
Bankschließfächer © cc0

Einbrecher drangen mittels dreister Kernbohrung in den Schließfachraum der Sparkasse Gelsenkirchen ein. Die Kunden sind verärgert, Anwälte schalten sich ein, Medien berichten. Der spektakuläre Vorfall zeigt: Das margenschwache Geschäft mit Schließfächern kann für eine Bank zu erheblichem Reputationsschaden führen.

Für Kunden und Bank ist ein Einbruch wie in Gelsenkirchen ein Alptraum. Inhalt wird nur erstattet, wenn er nachweisbar ist, bestätigt uns die Sparkasse Gelsenkirchen, was die Stimmung nach einem Vorfall wie diesem zusätzlich anheizt. Bis alle Ansprüche und Haftungsfragen zwischen Kunden, Bank und Versicherer, hier die Provinzial, geklärt sind, vergehen Monate. Die Sparkasse Gelsenkirchen bestätigt gegenüber PLATOW, dass der Tatort gestern Nachmittag wieder durch die Ermittlungsbehörden zur weiteren Untersuchung beschlagnahmt wurde, was den Prozess verzögert. Weder Sparkasse noch der Versicherer wollten sich auf Anfrage auf eine finale Schadensumme festlegen.

Deckungslücken und Summen im Vergleich

Die Versicherungssummen pro Schließfach variieren je nach Sparkasse; beispielhaft liegen sie bei 2.500 Euro in Frankfurt, 5.000 Euro in Dachau und 15.000 Euro in Berlin. Bei der Commerzbank sind es 26.000 Euro. Schließfächer sind meist gegen Einbruch, Raub, Brand und Leitungswasser geschützt; oft greift zusätzlich die Hausratversicherung. In allen Filialen sind höhere Deckungen gegen Aufpreis möglich.

Die Sparkasse München überlässt die Entscheidung über die Höhe der Versicherung den Kunden. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die R+V, Versicherer der Genossenschaftsbanken: Seit dem 1.7.24 entscheidet der Kunde über die Versicherungssumme. Bis Anfang 2026 war die parallele Absicherung von Schließfachinhalten über eine Gruppenversicherung der jeweiligen Volksbank möglich. Auch die Deutsche Bank bietet über ihren Partner Zurich individuelle Lösungen.

Schwieriges Versicherungsgeschäft

Das Schließfachgeschäft ist für Versicherer undankbar. Anders als bei der Cyberversicherung mit klaren Obliegenheiten für Firewalls, Backups oder Updates zählen die Anforderungen der Banken an Schließfachräume individuell, bestätigen Provinzial und R+V. Dazu zählen Widerstandsklassen von Wänden und Türen sowie Einbruchmeldeanlagen. Schutz und Preis richten sich nach den vorhandenen Gegebenheiten. Die Sicherheits- und Obliegenheitsfragen regeln die Institute vor Ort in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden. Das sei sinnvoll, weil unterschiedliche Standorte differenzierte Sicherheitskonzepte erfordern, schreibt der DSGV.

Wichtig: Obliegenheiten betreffen die Haftung zwischen Bank und Versicherer, nicht zwischen Bankkunden und Versicherer. Für Letztere gilt: Schäden werden in der Regel nur nachweislich erstattet, aber unabhängig von möglichen Obliegenheitsverletzungen seitens der Bank. Wollen die Schließfachkunden von ihrer Bankfiliale eine höhere Erstattung, müssen sie nachweisen, dass die Bank die Sicherheit schuldhaft vernachlässigt hat. Offenbar ist eine solche Klage in Gelsenkirchen in Arbeit. Ähnliche langwierige Streitigkeiten gab es etwa nach einem Einbruch 2021 in Norderstedt bei der Hamburger Sparkasse.

Das alles zeigt, wie komplex und vom Einzelfall abhängig das Geschäft mit Schließfächern ist. Der Einbruch in Gelsenkirchen hat auf einen Schlag die Malaise der Banken offengelegt, einer allgemeinen Margenschwäche des Segments, die überdies gepaart ist mit hohem Risiko. Gleichwohl erfreuen sich Schließfächer bei den Kunden seit Jahren großer Beliebtheit.

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