Zwei Tage vor der Hauptversammlung am 20.5. haben Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank ihre offizielle Stellungnahme zum laufenden Übernahmeangebot der Unicredit vorgelegt. Wie erwartet, empfiehlt die Commerzbank-Führung ihren Aktionären, die Offerte nicht anzunehmen. Dabei stützen sich die Frankfurter weitgehend auf ihre bereits bekannten Argumente. Das Angebot biete den Commerzbank-Aktionären faktisch keine Prämie und berge „erhebliche Risiken und Unwägbarkeiten“. „Was die Unicredit als Zusammenschluss bezeichnet, erweist sich als Restrukturierungsvorschlag, der massiv in unser bewährtes und profitables Geschäftsmodell eingreifen würde“, kritisiert Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp.

Fast zeitgleich kam Unicredit mit einer neuen Stimmrechtsmitteilung um die Ecke, die sich wie die Antwort auf die Commerzbank-Stellungnahme liest. Demnach hat Unicredit seinen über Finanzinstrumente gehaltenen Commerzbank-Anteil von 5,87% auf 12,1% erhöht. Zusammen mit ihren in Aktien gehaltenen Anteilen von 26,77% kommen die Italiener damit auf insgesamt 38,87%.

Die gewählten Instrumente (Total Return Swaps) deuten zwar auf Absicherungsgeschäfte hin, zumal für 8,88% zum Laufzeitende nur ein Barausgleich vereinbart ist, also keine Aktien. Das Timing kurz vor der HV, an der die Italiener nicht teilnehmen werden, und die Höhe der Aufstockung sind deutliche Signale. Unicredit-Chef Andrea Orcel schickt mit der Stimmrechtsmitteilung eine klare Botschaft nach Frankfurt: Unicredit wird die Commerzbank nicht vom Kanthaken lassen.

Nomura mit Unicredit im Bunde?

Völlig überraschend kommt Orcels jüngster Schachzug indes nicht. Bereits am 8.5. meldete die japanische Investmentbank Nomura, dass sie insgesamt 8,11% (2,23% in Aktien und 5,88% über Instrumente) an der Commerzbank hält. Wie aus der Angebotsunterlage für die Übernahmeofferte hervorgeht, hatte Unicredit mit Nomura bereits in der Vergangenheit ähnliche Geschäfte abgeschlossen. Auch die Investmentbank Jefferies, die ebenfalls für Unicredit aktiv ist, stockte kürzlich ihre Commerzbank-Beteiligung (ausschließlich Instrumente) von 9,9% auf 11,09% auf.