Volksbank Brawo holt neue Nummer 2 an Bord
Heiner Arnoldi, Sanierer der Volksbank Düsseldorf Neuss, wird nun in Braunschweig und Wolfsburg aufräumen. Die Rückendeckung des BVR gibt ihm Kraft. Doch die Chefposition ergreift er nicht.

Noch ist unklar, wer die strauchelnde Volksbank Brawo in Kürze führt. Doch der künftige Chef – oder die künftige Chefin – wird auf einen erfahrenen Sanierer zählen können: Heiner Arnoldi, ehemaliger Bafin-Sonderbeauftragter der Volksbank Düsseldorf Neuss, wird in Kürze bei der Bank in Braunschweig und Wolfsburg durchgreifen, wie das Geldhaus am Dienstag ankündigte. Die Zustimmung der Aufsicht steht aus, doch das dürfte eine Formalie sein. Die Bank hatte Anfang Mai auf Druck der BVR-Sicherungseinrichtung den langjährigen Bankchef Jürgen Brinkmann geschasst. Seitdem ordnet das Haus die Führung neu.
Die Suche nach einer Person für die Spitze dauert an, wie zu hören ist. Demnach laufen aktuell Gespräche. Der aktuelle Vorstandssprecher Lars Berkefeld führt die Bank lediglich interimistisch. Da die Bank einen Neuanfang wagt, wird die Person vermutlich von außen kommen. Vorstand Carsten Ueberschär, seit Jahresbeginn im Amt, kam bislang nicht zum Zug.
Erfahrener Aufräumer, aber kein Lenker
Arnoldi, der zunächst für zwei Jahre antritt, ist ebenfalls ein unwahrscheinlicher Kandidat für die Rolle als Vorstandssprecher: Mit 62 Jahren ist seine berufliche Zeit begrenzt. Als Sanierungsfachmann und Marktfolgevorstand ist er als Spezialist statt als Chef gefragt. Auch in der Volksbank Düsseldorf Neuss war er nur die Nummer 2. Die Rolle als Vorstandssprecher stand dort dem Bafin-Sonderbeauftragten Michael Horf zu.
Wesentliche Schritte stehen der Bank noch bevor: Bank und BVR-Sicherungseinrichtung müssen die Höhen etwaiger Garantien festlegen und dazu den Abschluss für das Jahr 2025 aufstellen. Erst dann stünde das Gerüst für eine Neuordnung. Die Bank hatte zahlreiche Geschäftsfelder bedient und Töchter akquiriert. Damit holte sie sich auch Problemfälle ins Haus, etwa das Factoring-Startup JITpay. Über die Restrukturierung will der Verband zeitgleich mit dem Jahresabschluss 2025 „detailliert“ informieren. Die Bank spricht aktuell von einer „Zäsur in der Geschäftsstrategie“ und von einer „Neuausrichtung“.
Stille Macht im Hintergrund
Die starke Rolle der BVR-Sicherungseinrichtung wird in der aktuellen Pressemitteilung relativiert: Die Institution wird mit keinem Wort erwähnt, auch der Verband selbst taucht nicht auf. Das war zur Abberufung Brinkmanns noch anders. Damals legte die Bank dem Interimschef Berkefeld in den Mund, dass der Vorstand „auf das Engste und sehr vertrauensvoll“ mit der BVR-Sicherungseinrichtung zusammenarbeite. Damit war klar, wer Koch und wer Kellner ist.
Arnoldi, der in Bad Soden nahe Frankfurt wohnt, war früher Vorstand der Sal. Oppenheim. Im Jahr 2024 trieb der gebürtige Münchener die Neuordnung der damaligen VW-Tochter Fleet Company voran, ehe er bis Februar 2026 die Volksbank Düsseldorf Neuss aufräumte. Das Institut fusioniert aktuell mit der Volksbank Krefeld.
Mit Rückendeckung des BVR kann Arnoldi nun in der Volksbank Brawo durchgreifen. Bis die Nummer 1 gefunden wird, ist er der starke Mann im Haus.