In der genossenschaftlichen Finanzgruppe häufen sich die Sanierungsfälle: Um die wankende Raiffeisenbank Thurnauer Land aufzunehmen, griff die VR Bank Oberfranken Mitte im vergangenen Jahr auf Garantien der BVR-Sicherungseinrichtung zurück, wie aus dem neuen Jahresabschluss der Bank hervorgeht. Demnach erhielt die VR Bank Erstattungen in Höhe von 2,0 Mio. Euro, während weitere 1,1 Mio. Euro als Garantie zur Abdeckung von Kreditrisiken bereitstehen.

Dabei gehe es um die „Absicherung möglicher Vermögensschäden aus der Verschmelzung“. Schon im Juni 2025 hatten Bank und die BVR-Retter die Unterstützung in einem Vertrag festgehalten. Ob zur Not weiteres Geld bereitstünde, geht aus dem Jahresabschluss aber nicht hervor. Die Bank reagierte zunächst nicht auf unsere Fragen.

Noch billig davongekommen

Die aktuelle Rettung erscheint billig, denn in anderen Sanierungsfällen steht weitaus mehr auf dem Spiel: So benötigt die Volksbank Kleverland absehbar einen Rahmen in zweistelliger Millionenhöhe, wie wir vor wenigen Tagen berichteten. Noch teurer könnte die laufende Rettung des Bankhauses RSA werden, das eine dreistellige Millionensumme als Garantieschirm beansprucht, wie wir im Juni exklusiv festhielten. Auch die Garantien für die anstehende Sanierung der Volksbank Brawo dürften eine hohe dreistellige Millionensumme erreichen.

Mit einer Bilanzsumme von 152 Mio. Euro im letzten Berichtsjahr 2024 war die Raiffeisenbank Thurnauer Land dagegen sehr klein. Doch die Risikovorsorge im Kreditgeschäft und „zinsinduzierte Abschreibungen“ im Wertpapierbestand trieben den Bewertungsverlust auf 2,0 Mio. Euro. Das mutet überschaubar an. Verglichen mit Einnahmen von insgesamt 3,4 Mio. Euro ist das aber ein Brocken. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit sank auf minus 1,9 Mio. Euro. Schon im Jahresbericht für 2024 zeichneten sich außerdem Hilfen der BVR-Sicherungseinrichtung ab. „Gegebenenfalls ist ein Antrag auf Unterstützung zu stellen“, hieß es.

Die Zusagen sind oft notwendig, um einem stärkeren Partner eine Fusion schmackhaft zu machen. Zwar könnte die VR Bank auch ohne die Hilfen aus dem BVR-Topf die Übernahme der kleinen Problembank stemmen: Mit einer Bilanzsumme von 1,5 Mrd. Euro ist die Bank in Kulmbach weitaus größer, die regulären Einnahmen übersteigen mit 37,7 Mio. Euro den Verwaltungsaufwand von 24,4 Mio. Euro deutlich. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit erreicht ohne die BVR-Erstattung solide 9,8 Mio. Euro. Doch die Vorstände Frank Kaiser und Markus Schappert haben freilich nichts zu verschenken.

Keine Hilfe fließt umsonst

Umsonst fließen auch die BVR-Hilfen nicht. Die VR Bank muss in den kommenden Jahren bis zu 1 Mio. Euro zurückzahlen. Auch außerordentliche Erträge aus den Büchern der übernommenen Raiffeisenbank stehen der Sicherungseinrichtung zu, heißt es weiter im Jahresabschluss.

Derartige Vereinbarungen sind üblich, wie vor wenigen Tagen die VR Bank Donau-Oberschwaben offenlegte. Die Bank übernahm im vergangenen Jahr bekanntlich die wankende Nachbarin Raiffeisenbank Bad Schussenried-Aulendorf und erhielt dafür einen Ertragszuschuss von 11,1 Mio. Euro, Garantien von 10,2 Mio. Euro für Kredite und Anlagevermögen, Garantien von 3,7 Mio. Euro für Fusions- und Restrukturierungskosten sowie „unbezifferte Garantien“ für Rechtsrisiken. Aber auch diese Bank muss den Großteil etwaiger außerordentlicher Erträge, die sie aus den Beständen der übernommenen Bank erzielt, an die Sicherungseinrichtung abführen. Wie teuer eine Rettung wirklich ausfällt, ist oft erst nach einigen Jahren klar.