Die Westend Bank aus Frankfurt hatte mal eine Halle für Oldtimer. Dahinter steckte keine Sammelleidenschaft, sondern ein Geschäftsmodell: Die Besitzer hatten ihre Wagen bei der Bank beliehen. Mit Krediten gegen Oldtimer und Gemälde hatte sich das kleine Institut einen Namen gemacht. Das Geschäft war margenstark, doch 2022 platzte ein größerer Kredit. Danach begann die Bank umzudenken.

Rosenfeld krempelt die Hopp-Bank um

Die Bank, die der Familie von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp gehört, richtet sich gerade neu aus. Statt auf kunst- und oldtimerbesicherte Kredite setzt sie auf das Geschäft mit Family Offices. Ihre Dienste sollen vermögenden Familien zugutekommen, direkten Kontakt zu Endkunden sucht die Bank nicht. Sie arbeitet mit Family Offices, Vermögensverwaltern und Banken, also denen, die diese Familien betreuen. „Unser Ansatz ist ein B2B-Modell. Wir sind keine klassische Private Banking-Bank“, sagt Vorstandschef Thomas Rosenfeld, der die Bank seit August 2024 führt. „Mit meinem Antritt ist die Idee entstanden, die Bank für Family Offices und vermögende Familien zu bauen.“

Sicherheiten mit unsicherem Preis

Ausgerechnet die Sicherheiten machten der Bank das alte Geschäft zu unsicher. Was ein Oldtimer oder ein Gemälde wert ist, entscheidet am Ende die Auktion, und die Preise schwanken stark. Bei Immobilien etwa liefern Lage, Zustand und Vergleichswerte klare Anhaltspunkte für den Wert. Bei Kunstwerken können zwei Gutachter zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen kommen. „2022 hatten wir eine Kumulation von Risiken. Das war sicherlich die Zeit, in der man begonnen hat zu überlegen, ob man das Geschäftsmodell verändern sollte“, erklärt Rosenfeld. Damals schrieb die Bank Verlust.

Dass sie heute auf Family Offices setzt, liegt nahe. Die Westend Bank ist selbst aus dem Family Office der Hopps herausgewachsen. Diese besondere Konstellation gab den Anstoß für die neue Strategie.

Die Oldtimerfinanzierung hat die Bank beendet. „Das bieten wir gar nicht mehr an“, sagt Rosenfeld. Die Kunstfinanzierung fuhr die Bank deutlich zurück. Heute steht dort vor allem die Beratung im Vordergrund. Zum Beispiel bei Sammlungen, Nachfolgefragen oder der Erbschaftsteuer. Nur in ausgewählten Fällen prüft das Institut noch kunstbesicherte Finanzierungen.

Kredite vergeben, ohne eigenes Geld zu riskieren

Das wichtigste Angebot ist heute das Kreditauftragsgeschäft. Der typische Fall: Ein Family Office will eine Immobilie oder eine Beteiligung mit einem Kredit finanzieren, oft aus steuerlichen oder gesellschaftsrechtlichen Gründen. Das Geld dafür hat es selbst. Einen Kredit aber darf es nicht selbst vergeben, weil dafür eine Banklizenz nötig ist. Hier kommt die Westend Bank ins Spiel. Sie strukturiert den Kredit, prüft ihn nach den regulatorischen Vorgaben und zahlt ihn aus. Das Geld kommt vom Family Office, nicht von der Bank. Die zahlt den Kredit nur aus und verkauft ihn danach formal an das Family Office.  Das darf ihn nämlich halten, nur nicht vergeben.

Damit besetzt die Bank nach Rosenfelds Einschätzung eine Marktlücke. „Diese Formen des Kreditauftragsgeschäfts finden im klassischen Geschäftsbanken- oder Private Banking-Universum kaum statt.“ Für größere Institute lohne sich das oft nicht. „Für uns ist das eine Nische, die wir gut besetzen können und in der wir viel Erfahrung haben.“ Die Resonanz sei höher als erwartet. „In den vergangenen 12 bis 15 Monaten hat sich gezeigt, dass die Nachfrage nach diesem Angebot deutlich größer ist als ursprünglich erwartet.“

Beim Kreditauftragsgeschäft soll es aber nicht bleiben. Rosenfeld will die Westend Bank nach und nach zu einer Plattform für Family Offices ausbauen. Statt sämtliche Angebote selbst aufzubauen, setzt er auf Beteiligungen und Kooperationen. „So entsteht Schritt für Schritt ein Netzwerk von Dienstleistungen rund um Family Offices.“ Zum Beispiel hat die Bank eine Minderheitsbeteiligung am Mannheimer Start-up Risiq erworben, das KI-gestützte Software zur ESG-Risikoanalyse für Banken entwickelt. Mit dem Versicherungsmakler Global Gruppe gründete sie die Westend Assekuranz, die Versicherungslösungen für Family Offices anbieten soll.

Was Family Offices nervt, wird zum Geschäft

Welche Angebote hinzukommen, richtet sich nach den Bedürfnissen der Zielgruppe. „Viele Family Offices haben Themen, die sie zwar bearbeiten müssen, die aber nicht zu ihren Kernaufgaben gehören.“ Als Beispiele nennt Rosenfeld Versicherungen, Reporting oder andere administrative Aufgaben. „Genau dort setzen wir mit zusätzlichen Dienstleistungen an.“

Als Nächstes nimmt Rosenfeld das Immobiliengeschäft ins Visier. Er verweist auf den bevorstehenden Generationenwechsel bei vielen Unternehmerfamilien. „In den kommenden Jahren wird ein enormes Immobilienvermögen auf die nächste Generation übertragen. Viele Family Offices könnten oder wollten nicht alle damit verbundenen Aufgaben selbst übernehmen. „Deshalb schauen wir uns derzeit nach einem Immobilien Asset Manager um, den wir als weiteren Baustein dazunehmen könnten.“ Mit Oldtimern hat das alles nichts mehr zu tun.

In der Private Banking-Serie erschienen:

Teil 1: Verdrängungskampf am deutschen Private Banking-Markt

Teil 2: So will die LLB den Markt erobern

Teil 3: Private Banking wächst kräftig, Berater heiß umkämpft

Teil 4: Bankhaus Seeliger setzt auf Erfolg in der Nische

Teil 5: LGT präsentiert Expansionsplan für Deutschland

Teil 6: Berenberg will stark wachsen – auch durch Zukäufe

Teil 7: V-Bank – Die stille Macht im Private Banking

Teil 8: DZ Privatbank setzt auf Nähe zum Kunden

Teil 9: Frankfurter Bankgesellschaft setzt auf zweistelliges Wachstum

Teil 10: Merck Finck setzt auf lokale Wurzeln und ein europäisches Netz

Teil 11: Private Equity – Privatbanken unter Zugzwang

Teil 12: Metzler-Chef sieht erste Früchte der neuen Strategie

Teil 13: Fintech investify nimmt mit Partnern Sparkassen-Depots ins Visier

Teil 14: US-Anbieter fordert Banken im Kampf um Superreiche heraus

Teil 15: Oddo BHF will bei Unternehmen und Family Offices kräftig wachsen

Teil 16: Bethmann HAL will ABN Amro-Bilanz bei Vermögenden ausspielen

Teil 17: Castell-Bank – Was die Traditionsbank von Neo-Brokern lernen will

Teil 18: Berliner Bankenwelt – Wie sich ein ungleiches Pärchen gefunden hat

Teil 19: Verdrängung statt Wachstum? Der Kampf um Hamburgs Millionäre

Teil 20: Quirin Privatbank-Chef rechnet mit der Branche ab

Teil 21: Deutsche Oppenheim setzt auf dosierte Nähe zur Konzernmutter

Teil 22: So ordnet Donner & Reuschel sein Geschäft neu