Woran die Fusion der Sparda-Bank West und PSD Bank Rhein-Ruhr scheiterte
Vorstandskarrieren, Filialnetz, Strategie, Größenunterschiede – Fusionen können an vielen Fragen scheitern. Doch in Düsseldorf spielte ausgerechnet ein Genossenschaftsprojekt zur Kapitalberechnung eine Rolle.

Die Sparda-Bank West und die PSD Bank Rhein-Ruhr haben sich in ihren Fusionsgesprächen nach Informationen von PLATOW nicht über ein wichtiges Projekt der Kapitalberechnung einigen können: Denn die PSD Bank gehört zu einer kleinen Gruppe an Genossenschaftsbanken, die für die Kapitalquote künftig die risikogewichteten Aktiva über ein eigenes, auf internen Ratings basierendes Modell ermitteln wollen – im Fachjargon „IRB-Ansatz“ genannt. Die Sparda-Bank ist hingegen wie die meisten Banken nicht an dem Projekt beteiligt.
Das führte zu Dissens: Während eine Einführung des IRB-Ansatzes für die fusionierte Sparda-Bank teuer gewesen wäre, fiele ein Verzicht nach langer Vorbereitung der PSD Bank schwer, wie zu hören ist. Die Bank stieg 2024 in das Projekt ein und beziffert die Beratungs- und Projektkosten allein für das Berichtsjahr auf 0,5 Mio. Euro. Bei der ungleich größeren Sparda-Bank wären weitaus höhere Kosten fällig.
Ein weiterer Hemmschuh war zudem das Sponsoring des „PSD Bank Domes“, einer Konzerthalle und Spielstätte des Eishockey-Vereins DEG. Der Vertrag läuft bis 2031 und soll mit hohen Kosten verbunden sein – ein Ärgernis für die Sparda-Bank West. Der Verband der Sparda-Banken hatte zuvor bereits die Marke „Sparda-Bank Arena“ sichern lassen, wie wir vor wenigen Tagen berichteten.
Viele Themen führten zum Scheitern
Allerdings entpuppten sich nicht nur IRB-Ansatz und Sportarena, sondern auch weitere Streitpunkte als Hürde, wie uns die Sparda-Bank West auf Nachfrage schreibt. Zwar hätten die Themen eine Rolle gespielt. „Die Entscheidung, die Gespräche nicht weiterzuführen, beruhte jedoch nicht auf einzelnen Projekten oder Verträgen, sondern auf einer umfassenden Bewertung verschiedener strategischer, wirtschaftlicher und organisatorischer Aspekte.“ Die Aussage passt zur offiziellen Verlautbarung: „Nach intensiven und konstruktiven Verhandlungen konnten sich beide Häuser in wesentlichen strategischen Fragen nicht auf einen gemeinsamen Kurs verständigen“, teilten die Institute am Freitag mit. Der Vorstand der PSD Bank äußerte sich nicht auf unsere Anfrage.
Die PSD Bank Rhein-Ruhr und die Sparda-Bank West hatten im März überraschend ihre Fusionsabsicht erklärt. Zuvor waren innerhalb der Gruppe der PSD Banken Gespräche gescheitert, wie der Vorstand der PSD Bank Rhein-Ruhr, Stephan Schmitz und Anne Schaefer damals in einer internen E-Mail schrieben. Die PSD Bank Rhein-Ruhr ist mit einer Bilanzsumme von 4,5 Mrd. Euro zwar nach der PSD Bank Nürnberg die zweitgrößte Adresse in der Gruppe, allerdings viel kleiner als die Sparda-Bank West, die 14,0 Mrd. Euro schwer ist.
Bedauern ungleich verteilt
Das Scheitern der Fusion bewerten beide Seiten unterschiedlich. Während PSD-Vorstand Schmitz das Ende der Gespräche bedauert, hebt Sparda-Bank-Chef Andreas Lösing hervor, man habe „beidseitig die richtige Entscheidung getroffen“, wie in der Pressemitteilung nachzulesen ist. Zugleich zeigen sich die Bankvorstände bemüht, die PSD Bank nicht als Verliererin dastehen zu lassen. So nimmt Schmitz eine „Position der Stärke“ für die PSD Bank in Anspruch, und beide Häuser kündigen die Fortsetzung eines „eigenständigen und erfolgreichen Kurses“ an.
Eine Vielzahl von Gründen erscheint naheliegend, den Hürden gab es mehrere: So wäre die künftige Rolle der Vorstände der PSD Bank unklar, da die Bank viel kleiner ist. Ein Wechsel von Schmitz und Schaefer in den neuen Vorstand hätte das Okay der Bafin vorausgesetzt. Auch die Mitgliederzahl ist ungleich verteilt – die Sparda-Bank kommt auf 505.986 per Ende 2025, die PSD Bank auf 57.777 per Ende 2024. Daneben wären die Standorte ein Thema: Die PSD Bank erreicht ihre Kunden überwiegend digital und zählt nur zwei Filialen – eine in Düsseldorf, eine in Dortmund. Die Sparda-Bank ist jeweils in der Nähe mit eigenen Filialen präsent. Somit wären Standorte überflüssig geworden. Nach hohem IT-Aufwand und einer aufwendigen Migration hat die Sparda-Bank zudem hohe Kosten verbucht und steht somit unter Druck.
Ein Warnsignal für andere Banken
Das Scheitern der Gespräche ist aber auch ein Signal an andere Banken, die den IRB-Ansatz einführen: Ähnlich wie einige Sparkassen verfolgen auch einige Genossenschaftsbanken das Ziel, die Kapitalquote auf diese Weise zu entlasten. So erhoffen sich Institute mehr Spielraum für weiteres Wachstum, wie im März die Berliner Volksbank im Gespräch mit PLATOW deutlich machte. Jetzt wird klar: Die Kosten des Projektes lassen sich nicht nur in Euro messen, sondern schlimmstenfalls auch in geplatzten Fusionsplänen.