Jahrelang plante die Bundesbank ihr Bauprojekt rund um ihre historische Zentrale ohne belastbare Kostenbasis – das soll sich ändern. Im Sommer erklärte die Notenbank, dass sie eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zum aktuellen Planungsstand des Campus-Projekts durchführt. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im ersten Quartal 2026 vorliegen, wie PLATOW aus Notenbankkreisen erfahren hat. Dann soll auch ein Entschluss fallen, wie es mit dem Projekt weitergeht. An der Analyse ist demnach das Controlling der Bundesbank und ein auf öffentliche Institutionen spezialisiertes externes Beratungsunternehmen beteiligt. Die Bundesbank bestätigt die Informationen auf Anfrage. „Mit einer Grundsatzentscheidung zur künftigen Bundesbank-Zentrale ist im ersten Quartal 2026 zu rechnen“, heißt es in einem Statement. „Der aktuelle Vorstand unter Präsident Joachim Nagel richtet die neue Planung der Zentrale an unseren Anforderungen aus, die sich vor allem nach Wirtschaftlichkeit sowie nach Sicherheitskriterien richten.“ Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung werde vom Zentralbereich Controlling unter Berücksichtigung methodischer Hinweise eines sachkundigen Externen erstellt.

Ursprünglich wollte die Bundesbank ihre Zentrale in einen Campus mit Bürogebäuden, Sportzentrum, Gastronomie-Pavillon und Kita umwandeln. Doch die Kosten liefen aus dem Ruder. Der Bundesrechnungshof bezifferte diese Ende 2022 auf 4,6 Mrd. Euro. Die Bundesbank hat inzwischen große Teile des Projekts gestrichen – und stellt es nun komplett infrage.

Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung soll ergebnisoffen erfolgen. Denkbar ist also auch, dass sich die Bundesbank dauerhaft von ihrem historischen Standort im Frankfurter Norden verabschiedet. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel ließ bereits durchblicken, dass sein Herz nicht am alten Standort hängt. Der Bau sei zwar beeindruckend durch seine schiere Größe, sagte er jüngst im Interview mit der FAZ. „Aber es ist nicht das Gebäude, das die Bundesbank ausmacht, es sind die Menschen, die für sie arbeiten.“

Lagerstelle für die Goldreserven

Bei der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung fließen neben betriebswirtschaftlichen Kriterien auch sicherheitsrelevante Aspekte ein. Das ist besonders wichtig, weil unter der Zentrale ein großer Teil der Goldreserven der Bundesbank lagert. Hier stellt sich auch die Frage, welche Alternativen es gibt. Eine Möglichkeit könnte sein, die Goldbarren in anderen Hauptverwaltungen zu lagern oder entsprechende Kapazitäten neu zu bauen. Platz wäre dort möglicherweise frei, weil die Bargeldnutzung sinkt. Allerdings ist Gold viel schwerer als Papiergeld. Zudem ist das bisherige Gelände stark unterkellert für Tresore. In der Frankfurter Stadtpolitik gibt es seit Längerem auch gewisse Sympathien dafür, auf dem Gelände Wohnungen zu bauen.

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