Neue Bundesbank-Zentrale – Moderne Bescheidenheit
Die historische Zentrale der Bundesbank ist Geschichte. Jetzt ist die Ausschreibung für den Kauf eines Neubaus oder einer kernsanierten Bestandsimmobilie veröffentlicht. Eine Anforderung fällt besonders auf.

Die Bundesbank hat am Donnerstag die europaweite Ausschreibung für den Kauf einer neuen Zentrale in der Frankfurter Innenstadt publiziert. Gesucht wird eine schlüsselfertige Neubau- oder kernsanierte Immobilie. Keinesfalls will sich die Bundesbank nach dem teuren Desaster mit dem ursprünglich geplanten Campus-Projekt noch einmal auf das Abenteuer einlassen, selbst als Bauherr aufzutreten. Modern, wirtschaftlich, nachhaltig und zukunftsfähig soll die neue Zentrale sein, so Stephan Bredt, Bundesbank-Chief Operating Officer. Der Zuschlag soll bis Ende 2027 erteilt werden.
Spekulationen um die benötigte Gesamtfläche
Dabei plant die Notenbank offensichtlich noch etwas kleiner als bislang bekannt. So soll die neue Zentrale Raum für etwa 2.500 Arbeitsplätze sowie rund 15.000 qm Nutzfläche für Sonder- und Funktionsbereiche bieten. Zur Gesamtfläche hat die Bundesbank auch auf unsere Nachfrage bislang keine Angaben gemacht. Im März sprach Bundesbank-Präsident Joachim Nagel noch von 3.300 Büroarbeitsplätzen und einer benötigten Gesamtfläche von 50.000 qm. Auch zu dieser Diskrepanz äußert sich die Bundesbank nicht. Entweder grassiert der Homeoffice-Virus in der Bundesbank besonders heftig oder die Mitarbeiter in der Frankfurter Hauptverwaltung (ehemalige Landeszentralbank Hessen), die weiterhin genutzt werden soll, müssen enger zusammenrücken.
Vergabeverfahren in zwei Phasen
Das jetzt eingeleitete Verfahren gliedert sich in zwei Teile. Die erste Phase umfasst das Vergabeverfahren bis zum Abschluss des Kaufvertrags. Nach der Auswahl geeigneter Bewerber und ersten Verhandlungen will die Bundesbank anhand von Zuschlagskriterien das wirtschaftlichste Angebot für den Erwerb der neuen Zentrale ermitteln. Als wichtigste Zuschlagskriterien nennt die Notenbank den Preis, die Gebäudequalität und den Abnahmetermin. Auch eine gute Lage und eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gehen in die Wertung ein. In der zweiten Phase geht es dann um die konkrete Planung, den Bau oder die Sanierung der Immobilie durch den im Vergabeverfahren ermittelten Auftragnehmer.
Anders als bei dem von Nagel im März verworfenen Campus-Projekt, das von der Bundesbank quasi als Geheimsache vorangetrieben wurde, soll diesmal alles ganz transparent und vorschriftsmäßig verlaufen. In einem Gutachten des Bundesrechnungshofs, das PLATOW vorliegt, hatte die Behörde scharfe Kritik an den ausufernden Kosten für das Campus-Projekt und die Sanierung der alten Zentrale geübt.