Trump durchkreuzt die weiteren Pläne der EZB

Die geplanten Zölle von US-Präsident Donald Trump ändern die Lage für die großen Notenbanken beträchtlich. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel forderte kurz nach der Verkündung am Donnerstag bereits, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Situation auf ihrer nächsten Sitzung am 17. April neu bewerten muss.
Dabei ließ er durchblicken, in welche Richtung. Nach seinen Worten bedeuten die jüngsten Entwicklungen an der Zollfront weniger Wachstum für die Welt und mehr Inflation. Damit wird die Zinsentscheidung noch offener. Zuletzt sah es eher danach aus, dass die EZB die Zinsen doch noch weiter senkt. Doch die mögliche Mehrheit dafür könnte nun wackeln. Doch die Ausgangslage ist kompliziert, was auch an der heftigen Reaktion des Euro-Kurs liegt.
Dieser hatte nach der Ankündigung gegenüber dem Dollar stark aufgewertet. Bislang war es umgekehrt: Wenn Trump mit Zöllen drohte, wertete der Euro ab. Das war für die EZB komfortabel. Denn ein schwächerer Euro-Kurs macht europäische Produkte im Ausland günstiger und mildert so negative Effekte durch Zölle etwas ab. Wertet der Euro hingegen auf, macht dies die Geschäfte für die europäischen Unternehmen noch schwerer. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat als Reaktion auf die Entwicklung ihre Inflationsprognose für den Euro-Raum für 2025 leicht angehoben.
Sie geht jetzt von einer Kerninflation von 2,1% im Schlussquartal aus (vorher 2 %). Viel entscheidender: Sie hat ihre Wachstumsprognose nochmals deutlich nach unten korrigiert. Für die nächsten drei Quartale erwartet sie eine technische Rezession im Euro-Raum. Insgesamt geht Goldman von einer Wachstumseinbuße um 1,2 Prozent aus gegenüber einem Szenario ganz ohne Zölle. Anders als es bei Nagel durchklingt, geht die US-Bank aber von weiteren Zinssenkungen der EZB im April und Juni aus.