Finanzwissen – Da geht noch was
Wie war das mit dem Satz des Pythagoras? Und wer war noch gleich Mephisto in Goethes Faust? Viele Deutsche dürften hierauf zwar eine Antwort haben. Bei Finanzfragen aber hört das Wissen oft schon wieder auf.
Wie war das mit dem Satz des Pythagoras? Und wer war noch gleich Mephisto in Goethes Faust? Viele Deutsche dürften hierauf zwar eine Antwort haben. Bei Finanzfragen aber hört das Wissen oft schon wieder auf.
Die deutsche Konjunktur steht auf des Messers Schneide. Milder Winter und unerwartete 4,5% Wachstum in China haben im Q1 geholfen, eine Rezession vorerst abzuwenden. Aber für führende Köpfe wie Christian Sewing (Deutsche Bank) oder auch Bundesfinanzminister Christian Lindner, beide beim BdB-Jahresempfang vor wenigen Tagen in Berlin, ist die Messe fürs Gesamtjahr damit noch nicht gelesen. Die hohen Zinsen, die die Wirtschaft und die öffentlichen Haushalte derzeit zusätzlich belasten, sind es nicht allein, die den Wirtschaftszug noch gefährden können. In Deutschland wird neuerdings viel zu oft gestreikt. Wo das hinführt, zeigen uns Streiknationen wie Italien und Frankreich.
Über das von EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness geplante europaweite Provisionsverbot für Anlageberater berichtete PLATOW bereits am 12.1. Für Anfang Mai erwarten die Analysten von Morgan Stanley nun erste Vorschläge der Brüsseler Kommission. Zuvor war die Finanzindustrie bereits über Monate gegen die Pläne Sturm gelaufen und hatte in einem gemeinsamen Brandbrief für eine Beibehaltung des Nebeneinanders von Provisions- und Honorarberatung geworben.
„Wir müssen noch mehr dafür tun, dass das verantwortungsvolle Handeln der Banken erkannt wird, noch besser erklären, noch transparenter sein“, sagte Bankenpräsident Christian Sewing gestern Abend im Jüdischen Museum zum Aufakt des BdB-Jahresempfangs.
Einen schweren Durchhänger hatte der einst so mächtige BdB aufgrund hausgemachter Probleme seiner beiden größten Mitglieder, die jahrelang von den niedrigen Zinsen zusätzlich gebeutelt wurden. Davon war beim Jahresempfang in Berlin nichts mehr zu spüren.
Faktisch nur noch bis Anfang 2024 hat die EU-Kommission Zeit, ihre Pläne für ein „Crisis Management and Deposit Insurance Framework“ (CMDI) zu verwirklichen. Dann ist wieder Europawahlkampf. Auch darum, heißt es hinter den Kulissen, habe die Kommission nach der EDIS-Schlappe im vergangenen Sommer wohl die Gunst der Stunde genutzt, den seit Langem fälligen Entwurf unter dem Eindruck von Silicon Valley Bank, Credit Suisse u. a. nun kräftig nachgeschärft und Maximalforderungen präsentiert – vielleicht auch, um in den Gesprächen mit den Mitgliedsstaaten schon mal einen Pflock einzurammen.
Vorgaben in den USA sind stets entscheidende Signale sowohl für die europäische als auch deutsche Kreditwirtschaft. So erscheint uns am Vorabend des BdB-Jahresempfangs am 17.4. in Berlin der Hinweis erwähnenswert, dass sich in die Debatte um eine weitere Leitzinserhöhung der Fed (aktuell: 4,75 bis 5,0%) Anfang Mai immer stärker die Sorge frisst, damit den Bogen zu überspannen und nach SVB und Signature Bank weitere Häuser, wenn nicht sogar das ganze System, in neue Turbulenzen zu stürzen.
Zu hoch wären für Banken sowohl der operationelle Aufwand als auch die Benachteiligung im internationalen Wettbewerb gewesen, hätte bereits bis zum 28.6. die planmäßige Umsetzung von Artikel 3 Absatz 6 der zweiten europäischen Kapitaladäquanzverordnung (CRR II) live gehen sollen.
Im Bankenverband könnte die Commerzbank bald noch mehr Gewicht bekommen. Wie wir hören, soll der Leiter des Bereichs Public Affairs der Commerzbank, Heiner Herkenhoff, gute Chancen haben, neuer BdB-Hauptgeschäftsführer zu werden.
In Investorengesprächen über ESG-Richtlinien dauerte es zuletzt nie lange, bis das Thema auf den Tisch kam: Muss man die Rüstungsindustrie bei nachhaltigen Investments weiter ausschließen, oder ist mit dem Ukraine-Krieg eine Situation entstanden, die zur Neubewertung zwingt? Die Branche selbst sähe sich gerne als nachhaltig etikettiert, wie auf französisches Betreiben schon die Atomenergie lt. EU-Taxonomie; Gegner halten das für Kriegsgewinnlertum. Bisher ist von neuen Richtlinien aber nichts konkret zu sehen.
Nach nur einem Jahr müssen die 45 ordentlichen Mitglieder des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (vdp) auf ihrer Mitgliederversammlung im Juni 2023 schon wieder einen neuen Präsidenten wählen. Diese Entscheidung traf der Vorstand am Donnerstag in Berlin auf einer Sitzung vor Beginn des traditionellen Jahresempfangs der Standesorganisation. Sie wurde notwendig, weil der erst im Mai ins Amt gekommene Georg Reutter vor kurzem damit überraschte, den Vorstandsvorsitz bei der DZ Hyp, dem größten deutschen Pfandbriefemittenten, Mitte des kommenden Jahres niederzulegen. Sabine Barthauer tritt seine Nachfolge an.
Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Banken ist in Gefahr, warnen die nationalen Verbände wie der BdB immer wieder. Gedankt sei es der Regulierung, etwa Basel III oder dem neuesten Streitthema, dem antizyklischen Kapitalpuffer, von dem die Aufseher aber nicht abrücken (s. PLATOW v. 9.11.). Deutsche Institute machen aktuell drei Prozent der Marktkapitalisierung europäischer Banken (900 Mrd. Euro) aus. Der Anteil hat sich über die vergangenen Jahre recht stabil gehalten, wie eine Auswertung von Tim Laas, Managing Director bei der Unternehmensberatung Alvarez & Marsal, zeigt.
Die Zeit drängt. Ende des Jahres läuft die Amtszeit von Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann ab. Das Vorschlagsrecht für die Nachfolge liegt beim Land Hessen. Doch die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden unter dem neuen Ministerpräsidenten Boris Rhein (CDU) konnte sich bislang nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen.
Die Zeit der reinen Männerbünde in den Lobbyverbänden der Kreditwirtschaft ist endgültig vorbei. Zur Jahreswende übernimmt mit Santander-Chefin Ana Botin erstmals eine Frau das Kommando beim internationalen Bankenverband Institute of International Finance (IIF). Botin tritt dann die Nachfolge von Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber an, der sich nach seinem Abschied aus dem UBS-Verwaltungsrat im vergangenen Frühjahr nun auch von dem Top-Posten beim IIF zurückzieht. Spätestens mit dem Regierungswechsel in Berlin im vergangenen Jahr haben auch der Bankenverband und der DSGV den dringenden Nachholbedarf in Sachen Frauen in wichtigen Führungspositionen erkannt, um bei der Ampel zu reüssieren.
Einen „Selbstreflexionsprozess“ bei den Regulatoren will Marija Kolak mit Blick auf die Anfang nächsten Jahres geplante Einführung von gleich zwei Kapitalpuffern ausgemacht haben, wie uns die BVR-Präsidentin am Rande der IWF-Tagung sagte. Kolaks Hoffnung, dass der Ausschuss für Finanzstabilität die Aktivierung der Kapitalpuffer doch noch verschiebt, könnte sich jedoch als trügerisch erweisen. Wie uns Teilnehmer des Bundesbank-Briefings in Washington reportierten, soll Vize-Präsidentin Claudia Buch vor den dort versammelten Bankenvertretern klargestellt haben, dass die Regulierungsbehörden bislang keinen Anlass sehen, ihre Pufferpläne zu verschieben. Die Bundesbank-Modelle zeigten bei der Kreditnachfrage keine Auffälligkeiten. Die Finanzstabilitätswächter werden aber die weitere Entwicklung scharf im Auge behalten, sicherte die Bundesbank-Vizin immerhin zu. Vielleicht geht da bis zum Jahreswechsel doch noch etwas.
Nach Deutscher Bank, Barclays, Citi und anderen, auf die in den USA je 200 Mio. Dollar Strafe für die Nutzung privater Messengerdienste für geschäftliche Kommunikation zukommen, nehmen SEC und US-Derivateaufsicht CFTC weitere Häuser ins Visier. So hat u. a. auch die UBS im Q2 bereits rd. 150 Mio. Dollar für drohende Strafen zurückgestellt.
Nach dem Wirecard-Debakel, bei dem zigtausende Anleger zu Schaden kamen, wurde die BaFin ob ihrer Blauäugigkeit gescholten. Am Ende war ihr Präsident Felix Hufeld nicht mehr zu halten. Unter Mark Branson, einem Briten mit Schweizer Pass, sollte, so die Erwartung, alles anders und vor allem besser werden. Branson legte vom ersten Tag an los.
Die Raffinerien, Chemiefabriken, Stahl- und Kraftwerke entlang der wichtigsten deutschen Wasserstraße haben inzwischen Übung mit der Notfallvorsorge. Schon vor Wochen hieß es auf PLATOW-Anfrage bei Covestro, Thyssenkrupp Steel u.a., man sei auf Lieferengpässe vorbereitet (s. PLATOW v. 20.7.). Mehr Schiffe zu chartern, die mangels Tiefgang nur mit einem Bruchteil der üblichen Ladung fahren können, und die eigene Lagerhaltung hochzufahren ist natürlich ein Kostenfaktor. Aber so sind die Zeiten eben.
Bevor die Ergebnisse des ersten EZB-Klimastresstests bekanntgegeben wurden, zeigte sich die Branche noch demonstrativ entspannt. Man rechne mit „unauffälligen“ Ergebnissen, erklärte der BdB, ähnlich wie zuvor schon in Großbritannien beim dortigen Klimastresstest. Das EZB-Fazit klang dann etwas anders: Die meisten Banken, bemängelten die Aufseher, könnten „keinen robusten Rahmen für Klimastresstests und nicht genügend einschlägige Daten“ vorweisen.
Andreas Hähndel ist auf Werbetour. Am Mittwoch stellte sich der neue Chef des Prüfungsverbands deutscher Banken den Fragen von rd. 30 Häusern aus Süddeutschland und präsentierte seine Strategie für die kommenden Monate. Es war bereits die zweite regionale Veranstaltung dieser Art.
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