Banken-H1 – Licht und Schatten an Wall Street und am Main
Mit Morgan Stanley, Goldman Sachs und Bank of America haben am Mittwoch und Donnerstag die letzten Schwergewichte der US-Finanzindustrie ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt.
Mit Morgan Stanley, Goldman Sachs und Bank of America haben am Mittwoch und Donnerstag die letzten Schwergewichte der US-Finanzindustrie ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt.
Die Schweizer Banken werden das erste Halbjahr nach unseren Recherchen deutlich besser abschließen als ursprünglich befürchtet. Das gilt sowohl für Privatbanken wie Vontobel, wo der Fondsvertrieb brummt, die Vermögensverwaltung von der Erholung der Märkte und die strukturierten Produkte von der starken Volatilität nach Corona profitiert haben, wie auch für die beiden großen Häuser UBS und Credit Suisse.
Während die Münchener Privatbank Merck Finck nicht zur Ruhe kommt und von den katarischen Eigentümern erneut gestützt werden muss, geht Julius Bär im reichen deutschen Süden abermals in die Offensive. Nach München bauen die Schweizer jetzt auch den Stützpunkt in Stuttgart aus.
Lässig den einen Arm an das Rednerpult gelehnt und die Gesichtsmaske unter das Kinn gezogen steht Lutz Raettig auf der Bühne im großen Festsaal des Frankfurter Hilton-Hotels. Trotz Corona ließ es sich der betagte Grandseigneur des Finanzplatzes Frankfurt nicht nehmen, persönlich die mit obligatorischem Sicherheitsabstand im Saal und vor den Bildschirmen im Homeoffice versammelten Teilnehmer des 10. Frankfurt Finance Summit offiziell zu begrüßen.
Wie wir hören, wird Vontobel am 28.7. ein starkes erstes Halbjahr präsentieren. Nachdem die Generalversammlung Ende März noch voll unter dem Eindruck der gerade ausgebrochenen Corona-Pandemie stand und CEO Zeno Staub von niedrigeren Bewertungen beim verwalteten Vermögen (-8% auf 194 Mrd. CHF) sowie Bremsspuren beim Nettoneugeld und beim Ertrag berichten musste, hat sich die Lage inzwischen wieder aufgehellt.
Gerne würde sich Sergio Ermotti im Herbst mit einem großen strategischen Aufschlag verabschieden. Regelmäßig predigt der UBS-Chef die Notwendigkeit von Konsolidierung bei Banken und erst recht bei Asset Managern.
Bei der UBS war das Q1 das beste Quartal seit fünf Jahren. Hohe Transaction Fees dank hoher Handelsaktivitäten im März bei gleichzeitig noch hohen laufenden Gebühren dank hoher Vor-Corona-Bewertungen in den beiden Monaten zuvor haben den Konzerngewinn auf 1,6 Mrd. Dollar Gewinn klettern lassen.
Der Tourismus gehört zu den „Härtefällen“ der Corona-Krise. Die bis zuletzt als Wachstumstreiber ausgerufene Kreuzfahrtbranche steht vor der bangen Frage, ob der Shutdown und die noch länger anhaltende Veränderung im täglichen Umgang miteinander die Industrie nachhaltig in eine Strukturkrise stürzen könnte.
Commerzbank und Unicredit mussten sich nicht lange bitten lassen, als die EZB Europas Banken aufgefordert hatte, angesichts der vom Virus lahmgelegten Wirtschaft von Ausschüttungen abzusehen.
Lanxess-CEO Matthias Zachert soll angeblich ein Übernahmeangebot für Clariant erwägen. Nach einem Kursverlust von gut 20% wegen der Corona-Krise ist der Baseler Konkurrent an der Börse aktuell für 5 Mrd. Euro zu haben.
Als die UBS vor gut zwei Wochen bekanntgab, dass Ralph Hamers Sergio Ermotti zum 1.11. auf den CEO-Posten der größten Schweizer Bank folgen soll, hat Axel Weber noch auf Zeit gespielt.
Eigentlich hätte der Verkauf des zum Oetker-Imperium gehörenden Bankhaus Lampe längst über die Bühne gehen sollen. Die Bielefelder hatten sich für exklusive Gespräche mit Fosun entschieden, die in einer ersten Runde auch das beste Angebot abgegeben und damit Konkurrenten wie Oddo, ABN Amro, UBS und eine Initiative deutscher Industriellenfamilien aus dem Rennen geworfen haben (s. PLATOW v. 29.11.).
Nur zwei Wochen nach dem erzwungenen Rücktritt von Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam, der über eine Beschattungsaffäre stürzte, tauscht auch der Schweizer Erzrivale UBS seinen Konzernchef aus.
Aktie, Umsatz und Gewinn auf Rekordhoch. Deutsche Börse-Chef Theodor Weimer kann mit dem vergangenen Jahr mehr als zufrieden sein, auch wenn ihm keineswegs alles gelungen ist. Ausgerechnet der Londoner Erzrivale LSE vereitelte Weimer die geplante Übernahme der Devisen-Handelsplattformen FX All und FX Matching vom Daten-Dienstleister Refinitiv. Das war „ärgerlich“, aber davon lasse er sich nicht entmutigen, resümierte der Börsenchef auf der Bilanz-PK in Frankfurt.
Erst am Freitag hat Merck Finck-Chef Matthias Schellenberg die Mitarbeiter darüber informiert, dass er nach nur drei Jahren an der Spitze Ende des Jahres seinen Hut nimmt. Genannt werden persönliche Gründe.
Bis zuletzt hat Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam um seinen Posten gekämpft. Bei sämtlichen Großaktionären buhlte der ebenso charismatische wie eigenwillige Ivorer um Rückendeckung im Machtkampf mit Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.
Noch vor wenigen Jahren wäre es nahezu unvorstellbar gewesen, dass die Deutsche Bank einen ehemaligen SPD-Chef, der kaum eine Ahnung vom Bankgeschäft und den Kapitalmärkten hat, als Vertreter der Anteilseigner in ihren Aufsichtsrat beruft.
Eine Blase sei erst erkennbar, wenn sie geplatzt ist, resümiert Claudio Saputelli, Chief Investment Officer Global Real Estate bei UBS, auf der BIIS-Tagung. Deutschland befinde sich aktuell in der Phase wie die Schweiz vor drei oder vier Jahren.
Der Druck auf die Schweiz wächst. Gemeint ist der zuletzt im Vergleich zum Euro stark aufgewertete Schweizer Franken (CHF), der bei Kapitalanlegern als Absicherung große Beachtung findet. Das Abwärtspotenzial gegen den Euro ist gestiegen, seit der mächtige US-Finanzminister die Schweiz wegen möglicher Währungsmanipulationen ähnlich wie China auf seine Watchlist gesetzt hat. Aktuell befindet sich der CHF ggü. EUR auf dem höchsten Niveau seit April 2017. Am Freitag belief sich die Umtauschrelation EUR/CHF auf 1,0748.
Länger als erwartet, rangen die Verwaltungsräte der DekaBank um die Formulierung für den Prüfauftrag für eine „vertiefte Zusammenarbeit“ mit der Helaba. Am Ende wird es darauf ankommen, was die Vorstände der beiden Institute aus dem Prüfauftrag machen.
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