Wealth Management – Deutsche Bank lässt Schweizer nicht zittern
Die Deutsche Bank will zur größten Privatbank im Euroraum werden. Dafür will sie der Konkurrenz weitere Manager abspenstig machen.
Die Deutsche Bank will zur größten Privatbank im Euroraum werden. Dafür will sie der Konkurrenz weitere Manager abspenstig machen.
Um bis zu 10% rauschte die Aktie von Julius Bär am Donnerstag in die Tiefe. Zuvor hatte CEO Philipp Rickenbacher ein Strategie-Update verkündet (u. a. minimal mehr Marge und weniger Kosten, Ausbau Präsenz Deutschland, UK, Schweiz, Iberien). Entscheidend für das Minus waren aber die gleichzeitig vorgestellten Zahlen in der Vermögensverwaltung.
Nach 10 Jahren an der Spitze des Aufsichtsrats der Deutschen Bank kann Paul Achleitner keine uneingeschränkt positive Bilanz ziehen. Der Kurs hat sich trotz zweier Kapitalerhöhungen seit seinem Amtsantritt um 11,5 Mrd. Euro gedrittelt, die internationale Bedeutung gefühlt ebenso. Die großen europäischen Player sitzen heute in der Schweiz, Frankreich und UK. Immerhin erlebt die Deutsche seit zwei Jahren keine großen Rückschläge mehr bei ihrem Umbau. Achleitner kann sich auch zugute halten, nicht 2018, als ihm von allen Seiten dazu geraten wurde, es dem vorzeitig abgetretenen Oberaufseher der Deutschen Börse nachzutun, nicht „den Faber“ gemacht zu haben.
Während Credit Suisse die Märkte am Mittwoch mit einer Gewinnwarnung schockte, die sowohl die Aktie wie auch den schon angezählten CEO Thomas Gottstein weiter unter Druck setzte, präsentiert sich die UBS als das klare Gegenteil. Am 26.4. wird Ralph Hamers die Q1-Zahlen vorlegen.
Jamie L. Dimon (66), seit 2005 im Amt, wird nicht mehr lange uneingeschränkter Herrscher bei der größten US-Bank sein. Sein aktueller Vertrag läuft bis 2023. Ob die vielen guten Jahre an der Spitze von JP Morgan, vor allem während der Finanzkrise, von einem schalen Ende überschattet sein werden, ist noch nicht ganz ausgemacht.
Die Freundschaftsbekundungen Xi Jinpings für seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin kurz nach dessen Überfall auf die Ukraine haben Industrie und Banken aufgeschreckt. Die Sorge, dass die Ukraine Xis Schablone für einen Überfall auf Taiwan sein könnte, macht seither die Runde. Offen darüber reden möchte gerade bei den Banken niemand. Jamie Dimons Kotau Ende November ist allen noch gut in Erinnerung. Nach einer flapsigen Bemerkung über die chinesische KP Ende November musste sich der JP Morgan-Chef umgehend entschuldigen.
Die apoBank dürfte eine der wenigen Banken sein, der es 2021 nicht gelungen ist, ihren Gewinn zu steigern. Trotz boomender Aktienmärkte und einer beneidenswert solventen und treuen Klientel, bei der die Düsseldorfen z. B. bei Existenzgründungen auch schon mal mehr als 50% Marktanteil erreichen, lag der Überschuss mit 65 Mio. Euro nur auf Vorjahreshöhe.
Von einem Banken-Beben in der Schweiz kann trotz der vom zögerlichen Bundesrat schließlich doch übernommenen EU-Sanktionen gegen Russland keine Rede sein. Die Kursrückgänge bei den großen Instituten UBS (-8,6%), CS (-6,4%) und Julius Bär (-6,1%) bewegen sich nach der jüngsten Stabilisierung alle im einstelligen Bereich. Vontobel kommt mit -9% noch am meisten unter die Räder, obwohl man keine Niederlassung in Osteuropa hat und Geschäfte allenfalls mit dem dortigen Mittelstand macht.
Zum 1. Februar 2022 begrüßte die KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft einen neuen Senior Manager an Bord.
Die jüngsten Enthüllungen zu dubiosen Kontoinhabern bei der CS sind nicht mehr ganz taufrisch. Die Auflistung beginnt in den 1940er-Jahren und endet 2016. Die CS bemühte sich denn auch, zu bekräftigen, dass ein Großteil der geleakten 30 000 Kunden gar nicht mehr bei der Bank ist. Das mag stimmen. Nachträgliches Aufräumen ist zudem schwerer als Wachsamkeit bei Neukunden. Besorgniserregender ist das Datenleck selber.
Renauld de Planta, Senior des achtköpfigen Teilhaberkreises von Pictet, geht für das laufende Jahr von schwächeren Zahlen aus. So erwartet die Privatbank von den Märkten weniger Rückenwind als 2021, wo spendable Zentralbanken und eine hohe Volatilität Nettoneugelder (+15% auf 698 Mrd. CHF) und Gebühreneinnahmen sprudeln ließen.
Axel Weber kann sich stolz zurücklehnen. Mit der anfangs durchaus umstrittenen Personalie Ralph Hamers hat der mit der Generalversammlung am 6.4. nach 10 Jahren als VR-Präsident bei der UBS ausscheidende ehemalige Bundesbank-Chef einen guten Riecher gehabt. Der von ihm geholte Nachfolger von Sergio Ermotti an der UBS-Spitze hat, wenn auch gestützt von einem positiven Marktumfeld, im letzten Jahr Rekordzahlen abgeliefert. Der ehemalige ING-Vormann kommt auch ohne eigene Hausmacht immer besser in Tritt.
Sichtlich gut gelaunt präsentierte Vostandschef Christian Sewing auf der virtuellen Bilanz-PK das beste Ergebnis der Deutschen Bank seit 10 Jahren. Trotz erneuter Umbaukosten von 1,5 Mrd. Euro verdreifachte sich das Vorsteuerergebnis auf 4,8 Mrd. Euro und der Konzerngewinn vervierfachte sich sogar auf 2,5 Mrd. Euro.
Plötzlich ging alles ganz schnell. Nach nur gut acht Monaten im Amt musste Credit Suisse-Verwaltungsratschef António Horta-Osório mit sofortiger Wirkung seinen Posten räumen und das Zepter an Axel Lehmann übergeben. Der Portugiese mit britischem Pass war wegen mehrerer Verstöße gegen Corona-Quarantäneregeln und der exzessiven Nutzung von Firmenjets in die Kritik geraten. Zum Verhängnis wurde Horta-Osório sein katastrophales Krisenmanagement sowie ein Machtkampf mit Credit Suisse-CEO Thomas Gottstein. Kurz vor dem Jahreswechsel hatten sich noch einflussreiche Großaktionäre für Horta-Osórios stark gemacht.
Unsere Konfidenten ergänzen unsere Einschätzungen zu Alexander Wynaendts, dem zukünftigen AR-Chef der Deutschen Bank (s. PLATOW v. 24.11.): Die Personalie erinnere an Zeiten, als starke Vorstandsvorsitzende ihren AR-Chef quasi noch selbst bestellten.
So zurückhaltend Pictet ist, so wichtig ist es für das inhabergeführte Haus doch, nach dem Abgang von Boris Collardi zum 1.9. ein Zeichen der Stärke nach innen wie nach außen zu senden.
Mit dem Niederländer Alexander Wynaendts gewinnt die Deutsche Bank für die Spitze ihres Aufsichtsrats einen Mann, dessen Vita nicht an die des Iren Colm Kelleher heranreicht, der fast zeitgleich als Verwaltungsratspräsident der UBS nominiert wurde. Kelleher ist Oxford-Absolvent und hat bis 2019 die Geschicke von Morgan Stanley, der viertgrößten US-Bank, noch vor Citigroup oder Goldman Sachs, von 2016 bis 2019 sogar als deren Präsident, entscheidend mit geprägt. Der Marktwert von Morgan Stanley hat sich seit der Finanzkrise 2008 vervielfacht und erreicht heute fast 180 Mrd. US-Dollar.
Zurück nach Frankfurt zieht es den scheidenden UBS-VR-Präsidenten Axel A. Weber. Allerdings nicht so, wie es sich manche gewünscht hätten, an die Spitze des Aufsichtsrats der Deutschen Bank (s. S. 4). Hätte man ihn bekniet, wäre Weber (64), mit dem sich Vormann Christian Sewing gut versteht, vielleicht sogar dazu bereit gewesen. Stattdessen könnte er jetzt erst einmal die Nachfolge von Otmar Issing (85) antreten.
Wenn zwei Großbanken im Herzen Europas fast zeitgleich nach einem neuen Oberaufseher suchen, kann es bei den in Frage kommenden Kandidaten schon einmal eng werden. Mayree Clark, die bei der Deutschen Bank den Auswahlprozess entgegen aller Gerüchte ohne große Einmischung des scheidenden Paul Achleitner führt, verfügt zwar über kein großes Netzwerk in Deutschland. Mit Egon Zehnder an der Seite ist dies für die Amerikanerin, die dem Vernehmen nach aktuell viel Zeit in Deutschland verbringt, aber kein echtes Manko.
Beratung zu ESG-konformen Geldanlagen steckt immer noch in den Kinderschuhen. Viele Berater und Institute sind deutlich überfordert. Am weitesten entwickelt sind Schweiz und Liechtenstein.
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