Die deutsche Finanzaufsicht will Banken künftig viel öfter prüfen als bislang: Die Bafin stellt für IT-Prüfungen eine zweistellige Zahl an Fachkräften neu ein und will künftig „viel agiler“ zahlreiche kurze Besuche von wenigen Tagen unternehmen, sagte Nikolas SpeerExekutivdirektor für Bankenaufsicht, auf der Jahres-PK der Bafin am Dienstag in Frankfurt. So könne etwa ein neues KI-Werkzeug einer Bank Anlass für eine rasche Prüfung sein. In Summe werde die Aufsicht die Zahl der Kontakte „massiv erhöhen“.

Auch für die Geldwäscheprävention und in der Wohlverhaltensaufsicht gelte es, mehr und in der Fläche zu prüfen, führte Bafin-Präsident Mark Branson aus. Die Behörde verlagere aus diesem Grund Ressourcen und stärke neben der Bankenaufsicht auch die Versicherungsaufsicht.

Viele Prüfthemen . . .

Prüfthemen gibt es reichlich: „Was heute gut ist, das wird morgen bei weitem nicht mehr ausreichen“, sagte Branson über die Cybersicherheit. Dort drohe eine immer höhere Frequenz an Angriffen, sodass auch die Verteidigung schneller werden müsse.

In der Geldwäscheprävention prüfe die Bafin gerade Finanzunternehmen, die rasch wachsen, ohne das Backoffice gleichermaßen schnell zu stärken, sagte die zuständige Exekutivdirektorin Birgit Rodolphe. Zudem achte die Aufsicht verstärkt auf die Gefahr von Terrorismusfinanzierung, etwa im Iran. Die Bafin suche nach den schwächsten Gliedern in der Kette, sagte Rodolphe.

Und auch ESG-Risiken bleiben eine Quelle vieler Kontrollen: Sie seien zwar kein separater Prüfungsgrund, sondern flössen in andere Kategorien wie Kreditrisiken mit ein, sagte Branson. Doch der neue Jahresbericht der Bafin zeigt bereits, wie stark das Thema auf der Branche lastet. So zählt allein die Bankenaufsicht für das vergangene Jahr 79 Feststellungen, also attestierte Mängel, rund um Nachhaltigkeit. Fehler liegen demnach etwa in Kreditprozessen, in der Risikoinventur oder in der Geschäftsstrategie. Innerhalb der Bafin kümmert sich mittlerweile ein eigenständiges Referat um ESG-Risiken, betont die Bafin – nach Entlastung klingt das nicht.

. . . und Datenmeldungen

Auch im Meldewesen verlangt die Aufsicht künftig absehbar mehr den Banken ab. Denn die Bafin macht erstens eine mangelnde Datenqualität in den Meldungen der Banken aus und zweitens hohe Risiken in der Baufinanzierung. 14% der neu ausgereichten Kredite zeigen demnach einen Beleihungsauslauf (Loan-to-Value) von mehr als 100%, die Kreditsumme ist also höher als der konservativ geschätzte Wert der Immobilie, wie der Ausschuss für Finanzstabilität bereits am Montag warnte. Branson griff diesen Befund auf: Der neue Wert habe die Bafin überrascht. Nun kläre die Aufsicht ihr weiteres Vorgehen. Grundsätzlich verfüge die Bafin über viele Instrumente, etwa eine Begrenzung des Beleihungsauslaufs.

Doch vielen Banken fiel die Datenerhebung offensichtlich schwer – und der Bafin fehlte jahrelang die Datenbasis, um das Ausmaß zu erkennen. Erst nach „intensiven Arbeiten an der Datenqualität“ sei der aktuelle Befund möglich gewesen, ergänzte Exekutivdirektor Rupert Schaefer. Nun soll die Branche zuverlässig liefern. Genaue Angaben seien eine Basisleistung von Banken, betonte Branson.

Das Projekt einer Entlastung der Banken war am Dienstag derweil nur noch ein Randthema. In Europa werde der Ansatz „lebhaft diskutiert“, sagte Branson – und ließ zugleich unbeantwortet, für wie wahrscheinlich er eine Reform hält. Damit äußerte er sich vorsichtiger als Bafin-Exekutivdirektor Speer, der auf einer Konferenz der Bundesbank die Wahrscheinlichkeit noch auf zwei Drittel beziffert hatte. Ein Hoffnungswert für die Branche, der auf sich warten lässt.